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Wissen Yoshinori Ohsumi bekommt Nobelpreis für Medizin
Nachrichten Wissen Yoshinori Ohsumi bekommt Nobelpreis für Medizin
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12:31 03.10.2016
Yoshinori Ohsumi, der erste Nobelpreisträger 2016. Quelle: The Nobel Foundation
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Stockholm

In Stockholm werden von diesem Montag an die Geheimnisse um die diesjährigen Nobelpreise gelüftet. Die Nobelpreis-Woche beginnt mit der Verkündung der Preisträger für Medizin.

Und der geht in diesem Jahr an den Japaner Yoshinori Ohsumi für die Entdeckung des Autophagie-Mechanismus. Dieser spielt bei der Zersetzung von Zellbestandteilen eine Rolle. Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist mit umgerechnet 830.000 Euro (8 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert.

Preisträger forscht am Institute of Technology in Tokio

Ohsumi, geboren 1945, „entdeckte und erforschte Mechanismen, die der Autophagie zugrunde liegen“, hieß es vom Institut. „Dabei handelt es sich um einen grundsätzlichen Prozess, um Zellkomponenten abzubauen und zu recyceln.“ Das dient der Gesunderhaltung des Körpers. Ohsumi arbeitet am Institute of Technology in Tokio.

Yoshinori Ohsumi hat mit einem Seufzen auf die Nachricht von dem Preis reagiert. „Er wirkte überrascht, seine erste Reaktion war: Aach“, sagte der Sekretär des Nobelkomitees am schwedischen Karolinska-Institut, Thomas Perlmann. „Ich glaube, er hat das wirklich nicht erwartet.“ Kurz zuvor hatte er mit Ohsumi telefoniert. „Ich glaube, er war sehr erfreut. Es war sehr schön, mit ihm zu sprechen.“

Im vergangenen Jahr erhielt die Hälfte des Preisgeldes die Chinesin Youyou Tu für die Entdeckung des Malaria-Wirkstoffs Artemisinin. Die andere Hälfte bekamen der gebürtige Ire William C. Campbell und der Japaner Satoshi Omura, die den Wirkstoff Avermectin entwickelten. Daraus entstanden Präparate gegen Parasitenerkrankungen in ärmeren Ländern wie Flussblindheit und lymphatische Filariose, die zur Elephantiasis führen kann.

Dynamit-Erfinder stiftete die Nobelpreise

Mit der Stiftung der Nobelpreise wollte der schwedische Forscher und Großindustrielle Alfred Nobel (1833-1896) einen Konflikt lösen, der sein Leben bestimmte: Der Dynamit-Erfinder konnte es nicht verwinden, dass viele seiner Entdeckungen für den Krieg genutzt wurden. Daher vermachte er sein Vermögen einer Stiftung, aus deren Zinsen Preise für jene finanziert werden sollten, die „im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben“. Nobel selbst hatte über 350 Patente angemeldet.

Die Preise werden seit 1901 vergeben. Die Dotierung stieg von anfangs 150 800 auf 10 Millionen Schwedische Kronen und blieb bis 2011 so hoch. Seit 2012 beträgt das Preisgeld nur noch 8 Millionen Kronen (derzeit rund 830.000 Euro), um eine „dauerhafte finanzielle Stabilität“ zu gewährleisten. Finanz- und Wirtschaftskrise hatten das Kapitalvermögen der Stiftung gemindert.

Neben den eigentlichen Nobelpreisen wird seit 1969 eine Ehrung für Wirtschaftswissenschaften in Gedenken an Alfred Nobel verliehen. Sie wurde 1968 von der Schwedischen Reichsbank gestiftet.

Am Dienstag und Mittwoch geht es mit der Bekanntgabe der Preisträger für Physik und Chemie weiter. Am Freitag wird der diesjährige Friedensnobelpreisträger in Oslo gekürt. Der Literaturnobelpreis soll laut einem Jury-Mitglied erst am Donnerstag, den 13. Oktober, verkündet werden.

Die prestigeträchtigen Preise sind mit je 8 Millionen schwedischen Kronen (etwa 830.000 Euro) dotiert und werden am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel, verliehen.

Nobelpreis kurios

JUNGE PHYSIK-GENIES: Oft müssen Forscher sehr lange auf einen Nobelpreis warten. Als Physiker kann man allerdings schon im jungen Alter ganz viel erreichen. Fünf der sechs jüngsten Nobelpreisträger stammen aus dieser Disziplin. Bis zum vergangenen Jahr hielt William Lawrence Bragg sogar den Rekord als jüngster Geehrter überhaupt: Bei der Vergabe des Physik-Preises war er 25 Jahre alt. 2014 überholte ihn aber die zu dem Zeitpunkt 17-jährige Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai.

DOPPELT KLUG: Einige Wissenschaftler haben den Nobelpreis gleich zweimal bekommen. Und nicht immer handelte es sich um eine Auszeichnung in derselben Kategorie: Die Französin Marie Curie etwa wurde 1903 unter anderem gemeinsam mit ihrem Mann Pierre für ihre Forschung zu radioaktiver Strahlung mit dem Physik-Preis geehrt. Acht Jahre später sprach man ihr alleine den Chemie-Nobelpreis zu. Sie ist noch dazu die einzige Frau, der dieser Doppel-Erfolg jemals gelang.

APROPOS FRAUEN: Unter den seit 1901 bislang 900 Preisträgern sind 49 Frauen. Doch die wenigsten von ihnen waren Naturwissenschaftlerinnen. Nur 5 Frauen haben bisher eine Auszeichnung für ihre Forschungen in der Physik oder Chemie bekommen. 12 konnten sich mit dem Medizin-Nobelpreis schmücken.

TRAUTE FORSCHUNG: Dass Ehepaare zusammen forschen und dafür den Nobelpreis bekommen, trifft nicht nur auf die Curies zu. Erst 2014 wurden die Norweger May-Britt und Edvard I. Moser mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet. 1947 ging die Auszeichnung an die US-Amerikaner Carl Ferdinand Cori and Gerty Theresa Cori.

FAMILIENBANDE: Die Curies bleiben jedoch bislang die erfolgreichste Nobelfamilie: Tochter Iréne Joliot-Curie heimste ebenfalls eine Auszeichnung ein – und zwar gemeinsam mit ihrem Mann Frédéric Joliot. Für die Entdeckung der künstlichen Radioaktivität bekamen sie 1933 den Chemie-Nobelpreis. In der Geschichte des Nobelpreises wurden auch Vater und Sohn schon gemeinsam geehrt.

Von RND

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