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95 Millionen Menschen leiden weltweit unter Umweltgiften

Umwelt 95 Millionen Menschen leiden weltweit unter Umweltgiften

Millionen Menschen leiden unter Gesundheitsschäden durch Umweltgifte. Eine neue Studie beschreibt die gravierenden Auswirkungen.

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Blei ist nach einer Studie der Schweizer Stiftung Green Cross das weltweit gravierendste Umweltgift. Beim Einatmen von mit Blei verschmutzter Luft oder durch den Verzehr verseuchter Lebensmittel kann das Nervensystem geschädigt werden.

Quelle: Marc Müller

Zürich. Etwa 95 Millionen Menschen auf der Welt sind einer Studie zufolge unmittelbar von den sechs schlimmsten Umweltgiften bedroht. Erkrankungen durch Umweltschadstoffe werden unterschätzt. Sie haben jedoch gravierende Folgen.

Die verheerendsten Auswirkungen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen hat Blei. Das geht aus dem Umweltgiftreport 2015 der Schweizer Stiftung Green Cross und der international tätigen Non-Profit-Organisation Pure Earth (New York) hervor.

Für die Studie wurden Umweltbelastungen in 49 Ländern untersucht, darunter Indien, Russland, Mexiko und Indonesien. Daten aus EU-Ländern sind in dem Report nicht enthalten.

Erkrankungen durch Umweltschadstoffe seien im Gegensatz zu Infektionskrankheiten wie Aids, Tuberkulose und Malaria ein unterschätztes Problem, sagte David Hanrahan von Pure Earth.

Im Jahr 2012 seien geschätzte acht Millionen Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern an den Folgen des Kontakts mit verseuchter Luft, verunreinigtem Wasser oder kontaminierter Erde gestorben. Im selben Zeitraum starben etwa eine Million Menschen an Malaria und Tuberkulose.

Die laut Report weltweit gefährlichsten Umweltgifte im Überblick:

BLEI: Das Schwermetall Blei wird in Bergbaubetrieben gefördert und teilweise beim Recycling von Autobatterien freigesetzt. Es ist der Studie zufolge das weltweit verheerendste Umweltgift. Etwa 26 Millionen Menschen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommensniveau sind demnach direkt dem Schwermetall ausgesetzt.

"Blei ist in nahezu jedem Ballungszentrum in Schwellen- und Entwicklungsländern ein Problem", sagte Stephan Robinson von Green Cross. Vor allem die unsachgemäße Entsorgung von Autobatterien trage einen großen Teil dazu bei. Beim Einatmen von mit Blei verschmutzter Luft oder durch den Verzehr verseuchter Lebensmittel kann das Nervensystem geschädigt werden. In hohen Konzentrationen sind Bleivergiftungen tödlich.

QUECKSILBER: Am häufigsten kommt Quecksilber nach Angaben des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) im Goldbergbau vor. Weltweit leben demnach mindestens zehn Millionen Menschen in Kleinbetrieben vom Goldschürfen. Zudem wird Quecksilber oft von Kohlekraftwerken ausgestoßen. Es ist in vielen Industrieprodukten wie Thermometern, Zahnfüllungen und Energiesparlampen enthalten.

Bei starker Exposition kann es beim Menschen das Gehirn, die Nieren und das Immunsystem schädigen. 19 Millionen Menschen sind laut dem Umweltgiftreport direkt diesem Schwermetall ausgesetzt.

Die Minamata-Konvention von 2013 sieht längerfristig vor, den Ausstoß von Quecksilber in der Industrie zu senken und mittelfristig viele Produkte zu verbieten, die Quecksilber enthalten.

SECHSWERTIGES CHROM: Unter anderem in gegerbtem Leder und Kochgeschirr aus Edelstahl kann sechswertiges Chrom enthalten sein. In Schwellenländern gelangt es vor allem durch Gerberei- und Lederindustriebetriebe ins Abwasser. Sechswertiges Chrom kann unter anderem verschiedene Krebsarten auslösen. 16 Millionen Menschen sind ihm dem Report zufolge unmittelbar ausgesetzt.

RADIONUKLIDE: Radionuklide können beim Abbau von Uran, von radiologischen Produkten in der Medizintechnik und bei der Atomenergieproduktion freigesetzt werden. Kommt der Mensch mit ihnen etwa durch Einatmen in Kontakt, können die Folgen von Erbrechen und Fieber bis zum Tod reichen. Auch das Krebsrisiko wird erhöht.

PESTIZIDE: Seit Jahrzehnten kommen Pestizide vor allem in der Landwirtschaft zum Schutz gegen Schädlinge zum Einsatz. Sie können jedoch durch Regenfälle ins Oberflächen- und Grundwasser gespült werden. Akute gesundheitliche Folgen sind unter anderem Übelkeit und Krämpfe. Zudem kann das Nervensystem geschädigt werden.

CADMIUM: Selbst kleine Mengen Cadmium können verheerende Folgen unter anderem für die Atemwege haben. Es entsteht unter anderem bei der Düngemittelherstellung. Außerdem fällt es etwa als Nebenprodukt im Kupfer-Bergbau an. In der EU ist Cadmium seit Ende 2011 in Schmuck und Kunststoff verboten.

Weltweit haben die Organisationen Green Cross und Pure Earth mehr als 3200 massiv mit Umweltgiften kontaminierte Orte registriert. "Wir gehen jedoch davon aus, dass diese lediglich ein Bruchteil der tatsächlichen Zahl darstellen", sagte Richard Fuller von Pure Earth. Rechne man auch leichter verunreinigte Orte hinzu, dürfe diese Zahl sowie die der betroffenen Menschen noch deutlich höher liegen.

Andreas Manhart vom Öko-Institut bestätigte, dass die Schäden durch solche Umweltgifte weit unterschätzt werden: "Dieses Problem geht in der Umweltdebatte, die oft von anderen Themen wie etwa dem Klimawandel dominiert wird, weitgehend unter." Dabei hingen solche Umweltprobleme auch mit unseren Konsumgewohnheiten zusammen.

Beispiel Blei: Beim Recycling von Autobatterien seien Arbeiter kaum geschützt und extremen Gefahren ausgesetzt, so der Rohstoff-Experte. Das wiedergewonnene Rohblei werde wieder verkauft, etwa an Unternehmen in Südkorea oder Europa. Diese achten demnach vor allem auf Preis oder Qualität, nicht aber auf Umweltstandards oder Arbeitssicherheit bei den Zulieferbetrieben.

"Der entscheidende Faktor ist das Abfallmanagement", sagte Christiane Schnepel vom Umweltbundesamt. Wenn ein Produkt in Umlauf gebracht werde, etwa quecksilberhaltige Energiesparlampen, müsse es ein entsprechendes Entsorgungssystem geben. In Deutschland gebe es daher keine derartige Exposition mit den in dem Report untersuchten Schwermetallen. In vielen Drittstaaten existiere ein derartiges System aber nicht.

Pure Earth setzt sich nach eigenen Angaben für die Lösung von lebensbedrohlichen Umweltproblemen in Entwicklungsländern ein. Green Cross Schweiz kümmert sich unter anderem um die Bewältigung der Folgeschäden aus Industrie- und Militärkatastrophen.

dpa

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