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Debatte über Spitzenforschung: "Prämie" für Top-Unis umstritten

Forschung Debatte über Spitzenforschung: "Prämie" für Top-Unis umstritten

Wie soll exzellente Wissenschaft künftig gefördert werden? Eine Expertenkommission hatte vor knapp drei Wochen Vorschläge gemacht - nun ist das Gezerre um Konzepte und Gelder im vollen Gange.

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Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) während einer Pressekonferenz in Berlin.

Quelle: Britta Pedersen

Berlin. An der von Experten vorgeschlagenen "Exzellenzprämie" für leistungsstarke deutsche Hochschulen scheiden sich in der Debatte über künftige Spitzenforschung die Geister. Dies wurde in einem Fachgespräch des Bundestags-Bildungsausschusses in Berlin deutlich.

Angesichts des Entscheidungsdrucks bis zum Frühsommer drängte die SPD Forschungsministerin Johanna Wanka (CDU), in den derzeit laufenden Bund-Länder-Verhandlungen über die Ende 2017 auslaufende Exzellenzinitiative rasch eigene Konzepte vorzulegen.

Eine internationale Expertenkommission zu dem 2006 gestarteten, bisher 4,6 Milliarden Euro teuren Hochschulförderprogramm hatte Ende Januar empfohlen, die Exzellenzinitiative bis 2028 mit mindestens gleicher Finanzausstattung fortzusetzen.

Kommissionschef Dieter Imboden brachte neben den (bisher 43) Exzellenz-Forschungsclustern als neuen Anreiz jährliche "Exzellenzprämien" von je 15 Millionen Euro für die etwa zehn besten Unis per Ranking ins Spiel. Wanka hat sich bisher nicht geäußert, was sie von dieser Idee hält.

Der Vorsitzende des einflussreichen Wissenschaftsrates, Manfred Prenzel, ließ erhebliche Skepsis erkennen: "Es bleibt unklar, ob die Prämie für Vorhaben und Maßnahmen eingesetzt würde, die der Ausbildung von Spitzenleistungen in der Forschung dienen", so seine Stellungnahme. "Besonders geschickte Strategien und effektive Maßnahmen würden also auch keine Vorbildfunktion entfalten können. Es bleibt offen, inwiefern das Hochschulsystem von einer solchen Prämie profitieren könnte."

So stelle sich die Frage, ob ein an der Vergangenheit ausgerichtetes Bewertungsverfahren "die gewollte Dynamik an den Universitäten und systemweit aufrechterhalten könnte", meinte Prenzel. Dagegen sagte der Präsident der Deutschen Akademie Leopoldina/Nationale Akademie der Wissenschaften, Jörg Hacker, eine neue Förderlinie mit Prämien könne "ein Schritt hin zu einer besseren Ausdifferenzierung der deutschen Universitäten" sein.

Auch die SPD kann sich eine "Exzellenzprämie" als Förderlinie neben den Forschungsclustern vorstellen. Der stellvertretende Fraktionschef Hubertus Heil sagte der Deutschen Presse-Agentur, es sei jedoch "nicht zureichend", nur die Leistung von Unis aus der Vergangenheit zu belohnen. Wichtig sei weiterhin "ein Wettbewerb um die besten Strategien und Konzepte" für die Zukunft. "Wir wollen ja zukünftige Exzellenzpotenziale auch noch heben", sagte Heil. "Ich kann mir aber vorstellen, dass wir eine vernünftige Lösung hinbekommen, die beide Konzepte verbindet."

Der SPD-Hochschulexperte verlangte von Ministerin Wanka ein eigenes Konzept für die künftige Spitzenforschung. Abwarten reiche nicht angesichts einer bis Juni notwendigen Kursbestimmung, sagte Heil. "Es gibt nach dem Imboden-Bericht jetzt die Notwendigkeit, zu Entscheidungen zu kommen. Das Zeitfenster ist recht eng." Wanka solle ihre Vorschläge "nicht nur in internen Gremien, sondern vor der Öffentlichkeit" präsentieren. Durch Imboden sei nun immerhin klar geworden, dass es auch weiterhin rund ein Dutzend Exzellenz-Unis in Deutschland geben könne, so Heil. "Eine künstliche Verknappung auf drei bis fünf Standorte - wie von der Union angeregt - entspricht einfach nicht dem, was es an Potenzial in Deutschland gibt."

Der Grünen-Hochschulexperte Kai Gehring sagte der dpa: "Die Kommissionsvorschläge sind eine wegweisende Grundlage für die Bund-Länder-Verhandlungen. Sie dürfen weder in den Schubladen einer unentschiedenen Bundesministerin verschwinden noch von einer zerstrittenen Koalition zerredet werden." Es sei "höchste Zeit, dass Ministerin Wanka konzeptionelle Konsequenzen aus dem Imboden-Bericht entwickelt und dem Parlament und der Wissenschaft vorstellt".

dpa

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