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Erkenntnisse über "Tschuri" lassen Forscher staunen

Wissenschaft Erkenntnisse über "Tschuri" lassen Forscher staunen

Der Komet "Tschuri" ist wesentlich vielseitiger als bisher vermutet: Messungen des Landeroboters "Philae" beweisen, dass der Himmelskörper viele organische Moleküle enthält.

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«Tschuri» überrascht Astronomen: Der Komet enthält organische Moleküle und eine Oberfläche, die stellenweise weich wie Neuschnee, andernorts extrem hart ist.

Quelle: ESA/Rosetta/Philae/ROLIS/DLR/dpa

Köln/Göttingen. Zudem zeigen die ungeplanten Hopser des Mini-Labors, dass die Oberfläche stellenweise weich wie Neuschnee ist, andernorts dagegen extrem hart. Das schreiben Forschergruppen mit maßgeblicher deutscher Beteiligung in sieben Fachartikeln des Magazins "Science".

Ein Team um Fred Goesmann vom Göttinger Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) berichtet über den Nachweis von 16 organischen Molekülen. Vier davon wurden noch nie auf einem solchen Himmelskörper gefunden. Diese - Methyl-Isocyanat, Aceton, Propionaldehyd und Acetamid - sind recht kleine Moleküle. 

"Insgesamt handelt es sich um einen wahren Baukasten organischer Verbindungen, von denen viele als Ausgangspunkt für wichtige biochemische Reaktionen dienen können", wird Goesmann in einer Mitteilung seines Instituts zitiert.

In weiteren chemischen Reaktionen könnten sie sich zu Bausteinen des Lebens wie etwa Zuckern oder Aminosäuren entwickeln, die nach dem Glauben vieler Forscher zur Entstehung des Lebens auf der Erde beigetragen haben. Ein Team um Ian Wright von der britischen Open University in Milton Keynes fand Hinweise auf größere kettenförmige Moleküle, die nur aus Kohlenstoff und Wasserstoff bestehen.

"67P/Tschurjumow-Gerassimenko" verblüfft die Forscher auch mit seiner Oberfläche. Bei der ersten Landung einer Raumsonde auf einem Kometen war der kleine Landeroboter "Philae" zuerst in der Region Agilkia aufgesetzt, dann abgeprallt und zwei Stunden später nach zwei weiteren Hüpfern am ungeplanten Landeort Abydos zum Stillstand gekommen.

Die Forscher berichten, dass die Oberfläche des Kometen bei Agilkia von einer etwa 20 Zentimeter dicken Granulat-Schicht überzogen ist. Die sei etwa so weich wie Neuschnee, so dass der Landeroboter sogar Abdrücke hinterlassen habe.

Der spätere Landeplatz Abydos ist dagegen so hart, dass "Philae" vergeblich versuchte, ein Messgerät in den Boden zu hämmern, auch Füße oder Eisschrauben seien nicht nennenswert in den Boden eingedrungen. Das berichten Forscher um Tilmann Spohn vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln.

Die Oberfläche ist dort vermutlich etwa 2000 Mal härter als am ersten Ort. "Vielleicht kann man es als größte Überraschung des Kometen bezeichnen, dass Abydos einen so harten Boden hat", erläutert Spohn in einer DLR-Mitteilung. "Wir hätten es wohl nie gewagt, eine Landung in einem so rauen Gelände wie Abydos zu versuchen", sagt der "Philae"-Projektleiter Stephan Ulamec vom DLR.

Wenig überraschend sind dagegen die Temperaturen auf "Tschuri". Sie lagen wie erwartet zwischen minus 180 und minus 140 Grad Celsius. Zudem besitzt der Komet kein eigenes messbares Magnetfeld. Für die Kometenforscher ist das eine wichtige Erkenntnis für die Entstehungsmodelle.

"Philae" war im November auf dem Kometen gelandet - nach zehnjähriger Reise mit der Raumsonde "Rosetta". Vorher waren Kometenforscher fast einhellig der Meinung, der Landeroboter werde auf weichem Boden landen. "Stattdessen sind wir mehrfach abgeprallt, nachdem die Harpunen des Landers nicht auslösten, um den Lander im Boden zu verankern", stellt Jens Biele vom DLR fest. Warum die Harpunen nicht funktionierten, ist nach DLR-Angaben noch nicht geklärt.

Der Verlauf der Landung und die Messungen der Instrumente sollen auch bei der Planung zukünftiger Missionen helfen. So hat nach DLR-Angaben etwa die US-Raumfahrtbehörde Nasa Interesse, die Erkenntnisse der ersten Kometenlandung zu nutzen. "Wir haben auf jeden Fall eines mit dieser ersten Kometenlandung gelernt", sagt Ulamec. "Das Abprallen ist ein größeres Problem als das mögliche Versinken im Boden."

dpa

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