Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 2 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Fossile Eier verraten Körpertemperaturen der Dinosaurier

Wissenschaft Fossile Eier verraten Körpertemperaturen der Dinosaurier

Einige Dinosaurier konnten einer Studie zufolge - anders als etwa heutige Krokodile - wohl von innen heraus ihre Körperwärme beeinflussen. Forscher untersuchten hierfür uralte Dino-Eier.

Voriger Artikel
Klimaforscher: Nächste Eiszeit fällt aus
Nächster Artikel
Wenn die Wörter klemmen: Stottern noch nicht heilbar

Ein fossiles Dinosaurier-Ei - ein Schraubenzieher liegt zum Größenvergleich daneben.

Quelle: Gerald Grellet-Tinner /University of California, Los Angeles/Nature

Mainz. Einige Dinosaurier konnten ihre Körpertemperatur möglicherweise aktiv mit Hilfe ihres Stoffwechsels regulieren.

Das haben Wissenschaftler mit der Untersuchung fossiler Dino-Eier bestätigt, die etwa 70 bis 80 Millionen Jahre alt sind. Einige der Tiere aus der Kreidezeit waren demnach in der Lage, ihre Körpertemperatur von innen heraus deutlich über die Umgebungstemperatur anzuheben. Die internationale Studie, an der auch die Johannes Gutenberg-Universität Mainz beteiligt war, ist im Journal "Nature Communications" veröffentlicht.

Die Wissenschaftler hatten Eierschalen von Titanosauriern aus Argentinien und von Oviraptorosauriern aus der Mongolei analysiert. Dafür nutzten sie eine Art chemisches Thermometer. Die Titanosaurier gehören zu den Sauropoden – das sind große pflanzenfressende Dinos mit einem langen Hals und kurzem Kopf. Oviraptorosaurier waren kleiner. Sie liefen auf zwei Beinen und sind vermutlich nahe mit den Vorfahren heutiger Vögel verwandt.

Die meisten heute lebenden Tiere wie Reptilien, Amphibien und Fische sind wechselwarm. Ihre Körpertemperatur hängt von der Umgebungstemperatur ab, sie schwankt deshalb stark. Fachleute nennen das auch ektotherm. Viele dieser Tiere wärmen sich morgens in der Sonne auf, um ihre körperliche Aktivität zu erhöhen. Andere Tiere sind gleichwarm oder endotherm. Sie regulieren ihre Körpertemperatur von innen über ihren Stoffwechsel. Der Mensch und andere Säugetiere gehören dazu oder auch die Vögel.

Zu welcher Gruppe die Dinosaurier gehörten, ist bisher unklar. Einige Experten denken, dass sie irgendwo zwischen beiden Gruppen liegen könnten – eine Theorie, die von der Untersuchung der Forscher um Robert Eagle von der University of California in Los Angeles gestützt wird. "Die von uns gemessenen Temperaturen lassen vermuten, dass zumindest einige Dinosaurier nicht vollständig endotherm waren wie die modernen Vögel", wird Eagle in einer Mitteilung seiner Universität zur Studie zitiert. "Sie waren vermutlich ein Mittelding, irgendwo zwischen modernen Alligatoren und Krokodilen und den modernen Vögeln. Zumindest für die Oviraptorosauria liegt das nahe."

"Bei den großen Sauropoden lag die Temperatur bei etwa 38 Grad", sagte Mitautor Thomas Tütken vom Institut für Geowissenschaften der Universität Mainz. Vertreter der kleineren Oviraptorosaurier kamen Tütken zufolge auf eine deutlich niedrigere Körpertemperatur von circa 32 Grad. Das ist allerdings rund sechs Grad wärmer als die damalige Durchschnittstemperatur im Sommer. Die Forscher vermuten deshalb, dass die Tiere ihre Körpertemperatur von innen heraus regulieren konnten.

Die Macher der Studie sehen mit ihren Ergebnissen Forschungen von 2011 bestätigt. Damals wurden Zähne untersucht, jetzt war es das Kalziumkarbonat-Mineral Kalzit in den Eierschalen. Dabei maßen die Wissenschaftler die Häufigkeit, mit der die beiden seltenen schweren Isotope Kohlenstoff-13 und Sauerstoff-18 im Kalzit auftreten. "Die sind sozusagen unser Quecksilber im Thermometer", sagte Tütken.

Je nach Körperwärme variiere die Menge der untersuchten Verbindungen, da sich die Eier innerhalb kurzer Zeit in den Dinosaurier-Weibchen gebildet hätten. Zum Vergleich wurden die Eischalen von modernen Vögeln, den Nachfahren der Dinosaurier, herangezogen. Sie stammen von den Theropoden ab, zu denen auch der untersuchte Oviraptor gehört. Wie sich die aktive Wärmeregulation mittels Stoffwechsel bei den Wirbeltieren im Laufe der Evolution entwickelte, sei derzeit allerdings noch unklar, sagte Tütken.

Bereits 1992 hatten Forscher anhand von Dino-Knochen nachgewiesen, dass zumindest einige der Tiere wohl gleichwarm waren. Sie untersuchten das Mengenverhältnis von zwei Sauerstoff-Isotopen in den Knochen. Bei fünf Dino-Arten habe es dem von Warmblüter-Knochen geglichen, berichtete ein Team um den Paläontologen Reese Barrick von der University of Southern California.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wissenschaft
  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • Schlösserland Sachsen - Schlösserausflug
    Schlösserland Sachsen

    Schlösser, Burgen & Gärten - Besuchen Sie das Schlösserland Sachsen und erleben Sie die Sächsische Geschichte in ihrer schönsten Form. Erfahren... mehr

  • Wave-Gotik-Treffen
    Wave Gotik Treffen

    Das Wave-Gotik-Treffen Leipzig feierte 2016 sein 25-jähriges Bestehen. Einen Rückblick mit vielen Fotos gibt es in unserem Special. mehr

  • Highfield Festival
    Highfield Festival

    Das war das Highfield-Festival 2015. Hier gibt's den Rückblick mit zahlreichen Fotos. mehr