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Greenpeace mahnt Bergung gefährlicher "Geisternetze" an

Umwelt Greenpeace mahnt Bergung gefährlicher "Geisternetze" an

Aneinandergereiht würden die herrenlos in europäischen Meeren schwimmenden Fischernetze eine Strecke von 1250 Kilometern ergeben, sagt Greenpeace. Jedes Jahr komme die gleiche Menge an "Geisternetzen" dazu. Deutschland müsse endlich etwas unternehmen.

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Greenpeace-Aktivisten bergen verlorene Fischernetze im Schutzgebiet Sylter Außenriff.

Quelle: Bente Stachowske/Greenpeace

Hamburg. In einer mehrtägigen Aktion haben Taucher der Umweltorganisation Greenpeace Fischernetze mit einem Trockengewicht von weit mehr als einer Tonne aus der Nordsee geborgen. Die sogenannten Geisternetze hingen an Wracks vor Sylt fest, wie Greenpeace am Freitag mitteilte.

Bis zu 25.000 Fischernetze würden jährlich in europäischen Meeren landen, kritisierte Greenpeace unter Berufung auf eine Studie der Welternährungsorganisation (FAO). Alleine in europäischen Meeren kommen demnach jährlich rund 1250 Kilometer an Netzen dazu. Das entspreche fast der Luftlinie von Hamburg nach Rom. Die Netze würden abreißen oder absichtlich im Meer entsorgt.

"Dort werden sie zur Todesfalle für Fische und andere Meerestiere", warnte Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack. Plastiknetze brauchten bis zu 600 Jahre, bis sie sich zersetzen. Mit dem Zerfall sei das Problem aber nicht gelöst. Auch die kleineren Stücke würden den Lebensraum Meer als sogenanntes Mikroplastik belasten. Diese würden über Meerestiere in die Nahrungskette gelangen.

Bislang ignoriere Deutschland die EU-Fischereikontrollverordnung, die die Bergung und Entsorgung verloren gegangener Netze regele. "Fischereiminister Christian Schmidt (CSU) darf nicht länger wegschauen", forderte Maack.

Seit 2009 gelte die EU-Verordnung, sagte Maack. Aber weder die zuständige Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in Deutschland noch die übrigen EU-Länder würden die Verordnung tatsächlich umsetzen. Dagegen starte Norwegen regelmäßig Bergeaktionen.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) betonte auf Anfrage, Fischereifahrzeuge müssten verlorene Netze den Behörden melden. Verstöße gegen diese Vorschrift könnten nach der deutschen Fischerei-Bußgeldverordnung geahndet werden. "Meldungen über verloren gegangene Fanggeräte sind bei der zuständigen Bundesbehörde seit Inkrafttreten der Fischereikontroll-Verordnung am 01.01.2010 nur vereinzelt eingegangen", teilte der stellvertretende Ministeriumssprecher Carsten Reymann mit.

Maack sagte, bei insgesamt 18 Tauchgängen hätten die Taucher von Greenpeace und der niederländischen Organisation Ghost Fishing einen Berg von Netzen, so groß wie ein Kleinwagen, auf das Deck der "Arctic Sunrise" gebracht.

Dabei seien drei Schiffwracks im Sylter Außenriff "zum größten Teil" von Netzen befreit worden, sagte Maack. Viele Netze ließen sich aber in der kurzen Zeit eines Tauchgangs gar nicht lösen. Allein in der deutschen Nordsee würden rund 1000 Wracks liegen. Praktisch an jedem dieser Wracks hätten sich Netze verfangen. "Da kann man leicht hochrechnen, wie viele Netze da noch hängen."

Das Sylter Außenriff ist etwa 5000 Quadratkilometer groß und von Riffen durchzogen. Ansonsten bestehe die Nordsee vor allem aus Sandboden.

"Das Meer ist keine Müllkippe", sagte Maack. Bis zu 13 Millionen Tonnen Plastikmüll gelangten jährlich in die Meere. Etwa ein Zehntel davon verursache die Fischerei. "Gerade die Fischerei, deren Wirtschaft gesunde Meere braucht, sollte das wissen und danach handeln."

dpa

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