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Greifswalder Kernfusionsanlage soll bald Plasma erzeugen

Wissenschaft Greifswalder Kernfusionsanlage soll bald Plasma erzeugen

Greifswald (dpa) – Die Erzeugung des ersten Fusionsplasmas im Greifswalder Kernfusionsexperiment "Wendelstein 7-X" rückt näher. Die Tests der 70 Magnete, einer Schlüsselkomponente in der Fusionsanlage, seien erfolgreich abgeschlossen, teilte das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Greifswald mit.

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Ein Monteur arbeitet im ringförmigen Plasmagefäß des Forschungsreaktors «Wendelstein 7-X» in Greifswald.

Quelle: Stefan Sauer/Archiv

Noch in diesem Jahr soll in der Anlage, deren Inbetriebnahme sich immer wieder verzögert hatte, das erste Plasma erzeugt werden. "Wendelstein 7-X" - Institutsangaben zufolge nach Fertigstellung die weltweit größte Fusionsanlage vom Typ Stellarator - soll noch keine Energie erzeugen, aber die Kraftwerkseignung untersuchen.

"Die Anlage soll die wesentliche Eigenschaft dieses Fusionstyps zum Dauerbetrieb demonstrieren", sagte Sprecherin Isabella Milch. Im französischen Cadarache entsteht mit ITER die erste Demonstrationsanlage vom Typ Tokamak, der nur "gepulst" betrieben werden kann - das heißt, er muss zwischenzeitlich immer wieder neu gestartet werden.

In Kernfusionskraftwerken soll später - so die Erwartung der Forscher - analog zu den Prozessen auf der Sonne durch die Verschmelzung von Atomkernen Energie klima- und umweltfreundlich erzeugt werden. Wann die Technologie tatsächlich kraftwerksreif sein wird, ist bislang offen.

Vor einem Jahr hatten die Forscher mit der Betriebsvorbereitung der Greifswalder Anlage begonnen und die Komponenten der rund 725 Tonnen schweren Maschine geprüft. Mehrere Tests wie auch die Betriebsgenehmigung stünden nun noch aus. Zum einen muss ein "Ultrahoch-Vakuum" im Magnetkäfig erzeugt werden, wie Sprecherin Isabella Milch sagte. Die Techniker hatten anfangs mehrere kleinere Lecks entdeckt, die nun geschlossen und geprüft werden. Zudem müsse nach dem erfolgreichen Test der supraleitenden Magnetspulen das magnetische Feld ausgemessen werden, in dem später das bis zu 100 Millionen Grad heiße Plasma berührungsfrei schweben soll.  

Vor allem Probleme beim Bau der kompliziert gewundenen, je 3,50 Meter hohen Magnetspulen hatten das Projekt um Jahre zurückgeworfen. Die Gesamtkosten für das Greifswalder Fusionsexperiment, das aus dem Euroatom-Programm der EU, vom Bund und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert wird, hatten sich wegen der längeren Bauzeit von rund 500 Millionen auf über eine Milliarde Euro mehr als verdoppelt. Kritik an der Fusionsforschung kommt vor allem von den Grünen und Umweltverbänden. Sie sehen in ihr ein Hemmnis der Energiewende. Zudem hatten sie Zweifel an der Sicherheit der Anlage, die durch ein von der Genehmigungsbehörde beauftragtes TÜV-Gutachten ausgeräumt wurden.

Bei den ersten Plasmatests in Greifswald sollen - vollkommen radioaktivfrei - zunächst normale Wasserstoffkerne miteinander verschmolzen werden. Frühestens ab 2017 soll älteren Angaben zufolge Deuterium (schwerer Wasserstoff) eingesetzt werden. Bei der Verschmelzung dieser Kerne werden geringe Mengen Radioaktivität frei. Anders als bei der Kernspaltung in Atomkraftwerken ist bei der Fusion jedoch keine verheerende Kettenreaktion möglich. 

dpa

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