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Hochrechnung: Mehr als drei Billionen Bäume auf der Erde

Wissenschaft Hochrechnung: Mehr als drei Billionen Bäume auf der Erde

Gibt es mehr Menschen oder mehr Bäume auf der Welt? So mancher mag sich das angesichts von Bevölkerungswachstum und Abholzung fragen. Wissenschaftler haben nachgerechnet. Ihr Ergebnis unterscheidet sich deutlich von früheren Schätzungen.

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Dichter Atlantischer Regenwald auf der Ilha do Cardoso im Bundesstaat Sao Paulo.

Quelle: Ralf Hirschberger/Archiv

New Haven. Mehr als drei Billionen Bäume wachsen auf der Erde. Darauf schließen US-Forscher aus Satellitenbildern, Bestandsaufnahmen von Wäldern rund um den Globus und Computerberechnungen.

Die Zahl liege damit etwa achtmal höher als bisher angenommen, schreiben die Wissenschaftler im Fachjournal "Nature". Seit den Ursprüngen der menschlichen Zivilisation habe sich die Zahl der Bäume allerdings fast halbiert. Die weltweite Baumpopulation abzuschätzen, ist unter anderem für Hochrechnungen zum Klimawandel und zum Kohlenstoffkreislauf wichtig.

"Bäume gehören zu den bedeutendsten und entscheidendsten Organismen der Erde und dennoch beginnen wir gerade erst, ihre globale Ausdehnung und Verbreitung zu verstehen", erklärt Thomas Crowther von der Yale University in New Haven (US-Staat Connecticut) in einer zur Studie veröffentlichten Mitteilung. Sie speicherten große Mengen Kohlenstoff und seien essenziell für den Nährstoffkreislauf und die Wasser- und Luftqualität sowie in unzähliger anderer Hinsicht für den Menschen nützlich. Zu ihrer Zahl aber habe es bislang nur grobe Schätzungen gegeben.

Die höchste Baumdichte gibt es nach der aktuellen Hochrechnung in den nördlichen Wäldern der subarktischen Regionen von Russland, Skandinavien und Nordamerika. Die flächenmäßig größten Wälder bilden die Tropen, die 43 Prozent der Bäume weltweit beheimaten. Die Ergebnisse zeigen, wie die Baumdichte von der Art des jeweiligen Waldes abhängt. Für die meisten Ökosysteme könne die Baumdichte eines Waldes mit Hilfe des Klimas vorhergesagt werden, schreiben die Forscher.

Die positiven Effekte einer feuchten Umgebung würden in vielen Regionen allerdings vom Menschen umgekehrt, da solche Flächen oft für die Landwirtschaft genutzt würden. Überhaupt stelle der Faktor Mensch den größten Einflussfaktor dar. So schrumpfe die Baumdichte, je stärker die Bevölkerung wachse. Jedes Jahr fallen demnach 15 Milliarden Bäume Abholzung, einer veränderten Landnutzung und Waldbewirtschaftung zum Opfer.

Die Umweltschutzorganisation WWF hatte kürzlich gewarnt, dass bis 2030 eine Waldfläche fünfmal so groß wie Deutschland verloren gehen könnte. "Wir haben die Zahl der Bäume weltweit nahezu halbiert, und wir haben die Auswirkungen auf unser Klima und unsere Gesundheit gesehen", erklärt Crowther nun. "Unsere Studie unterstreicht, wie viel größer unsere Anstrengungen werden müssen, wollen wir die gesunden Wälder weltweit wiederherstellen."

Die Studie wurde inspiriert von der Jugend-Initiative "Plant for the Planet", welche das Umweltprogramm der Vereinten Nationen "Eine Milliarde Bäume" anführt. Vor zwei Jahren kamen Vertreter der Initiative auf Crowther zu und fragten nach der genauen Anzahl der Bäume auf der Welt, um ihre Vorhaben besser planen zu können.

Zu dieser Zeit wurde von 400 Milliarden Bäumen ausgegangen - was etwa 60 Bäumen pro Erdbewohner entspricht. Die Zahl basierte auf Satellitenaufnahmen und Schätzungen der globalen Waldflächen, beinhaltete aber keine Informationen direkt vom Boden. Durch die Kombination mit solchen Daten ergab die neue Studie nun die wesentlich größere Menge.

"Die Vielfalt der Daten erlaubte es uns, Modelle zu entwickeln, die die Anzahl von Bäumen auf regionaler Ebene schätzen", erläutert Co-Autor Henry Glick von der Yale Universität. Für Deutschland sind in der Studie etwa 100 Bäume je Einwohner aufgelistet - ähnlich wie für Ungarn, China und die Dominikanische Republik. In Norwegen gibt es demnach rund 3000 Bäume je Einwohner, in Russland etwa 4500 und in Bolivien gar 5400.

Die meisten globalen Umweltdaten lägen nur in groben Maßstäben vor, erklärt der Geowissenschaftler Matthew Hansen von der Universität von Maryland in einem Kommentar zur Studie. "Die Analyse von Crowther und seinem Team ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer dringend notwendigen Quantifizierung der Baumverbreitung, welche für eine Vielzahl weiterer wissenschaftlicher Untersuchungen verwendet werden kann."

dpa

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