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Hummel als wichtiger Bestäuber vom Klimawandel bedroht

Agrar Hummel als wichtiger Bestäuber vom Klimawandel bedroht

Wie wichtig Bienen sind, ist bekannt. Doch einige Kulturpflanzen setzen auf einen anderen Bestäuber: die Hummel. Auch diesem Insekt aber geht es nicht gut, erklärt ein Experte. Ein Grund: Mit steigenden Temperaturen kommen Hummeln schlecht klar.

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Eine Hummel voller Pollen sitzt auf einer Blüte.

Quelle: Sven Hoppe/Illustration

Leipzig. Im Frühling haben Bestäuber wie Bienen und Hummeln Hochsaison - ihre Zahl aber geht seit Jahren zurück. 

Die Lage sei besorgniserregend, sagt Agrarökologe Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig. Über die Probleme bei Bienenvölkern werde berichtet, aber Hummeln seien auch betroffen.

Frage: Wie wichtig sind Hummeln für die Bestäubung?

Antwort: Manche Kulturpflanze braucht mehr Hummeln als Bienen. Die Erdbeere etwa und die Tomate, ein klassisches Beispiel für Hummelbestäubung. Die Honigbiene ist eine von etwa 300 Bienenarten in Deutschland. Die 60 Hummelarten sind für die Bestäubung zusammen so wichtig wie die Honigbiene. Es gibt klare Anhaltspunkte, dass ihre Zahl zurückgeht.

Frage: Was setzt ihnen besonders zu?

Antwort: Beispielsweise der Klimawandel. Der Honigbiene ist das Klima ziemlich egal, sie kann im Bienenstock die Temperatur gut regeln, ähnlich, wie wir dies mit Heizung und Klimaanlage tun. Hummeln sind aber weniger pfiffig. Sie reagieren empfindlich auf höhere Temperaturen. Sie ziehen sich mit steigenden Temperaturen von Süden aus den Mittelmeerländern zurück.

Frage: Dann müsste Nordeuropa doch mehr Hummeln bekommen, oder nicht?

Antwort: Nein, weil die Lebensräume weniger geeignet sind. Norddeutschland ist zum Beispiel sehr flach, es gibt weniger Abwechslung wie Berge, Wäldern, Wiesen, Weiden, Hecken. Das flache Land eignet sich für großflächige Felder. Monokulturen sind aber nicht gut für Bestäuber.

Frage: Was setzt Bestäubern sonst noch zu?

Antwort: Der Trend zu großflächigen Feldern und Schädlingsbekämpfungsmittel. Wir brauchen kleinere Felder, größere Vielfalt, Blütenstreifen auf Äckern und Wiesen oder Hecken am Feldrand, mit Blüten als Nektarquelle. Bauern müssen Schädlinge noch mehr biologisch bekämpfen und Pestizide nur als letzten Ausweg einsetzen.

Frage: Ist der Privatgärtner auch an der Misere Schuld?

Antwort: Wenn es uns gelingt, Gräser in Ritzen zwischen Steinen als ästhetisch schön zu empfinden statt gleich zu sprühen, haben wir schon viel gewonnen. Wiese mit Blüten statt Rasen ist besser für Bestäuber. Es gibt viel Offenheit für ökologischen Gartenbau, aber viele Menschen sagen sich: Bevor ich anfange, den ganzen Nachmittag zu hacken, sprühe ich lieber und kann dann entspannt die Sportschau gucken.

Frage: Warum ist der Rückgang der Bestäuber so alarmierend?

Antwort: Wir haben gerade im Weltrat für Biologische Vielfalt erstmals eine weltweite Bestandsaufnahme der Bestäuber gemacht. Darin stellen wir fest, dass Nahrungsmittel im Wert von mehr als 500 Milliarden Euro im Jahr nur mit Hilfe bestäubender Tiere entstehen. Der Bestäuber-Rückgang betrifft Millionen Menschen.

Frage: Ist die Lage in Deutschland besonders ernst?

Antwort: Sagen wir mal so: In Deutschland hat die Verschlechterung abgenommen. Die Vielfalt hat stark gelitten. Bei den Honigbienen geht es langsam aufwärts: Nach der Wende ist die Imkerei in den neuen Bundesländern eingebrochen, die Menschen hatten andere Sorgen, aber inzwischen ist sie als Freizeitbeschäftigung wieder im Kommen.

Zur Person: Josef Settele befasst sich am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung vor allem mit der Evolutionsbiologie von Insekten, Biodiversität und Bodennutzung. Er hat als Leitautor an der Studie des Weltrats für Biologische Vielfalt mitgearbeitet.

dpa

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