Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 2 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Kurzsichtigkeit bei Kindern und Jugendlichen nimmt zu

Wissenschaft Kurzsichtigkeit bei Kindern und Jugendlichen nimmt zu

Kindern und Jugendlichen fehlt zunehmend der Weitblick - im wahrsten Sinne des Wortes. Die Kurzsichtigkeit nimmt zu, warnen Experten. Stubenhocker gelten als besonders gefährdet.

Voriger Artikel
Mildes Tauwetter auf dem Kometen "Tschuri"
Nächster Artikel
Studie: Frauen sprechen tiefer als angenommen

Sehtest bei der Einschulungsuntersuchung: Immer mehr Kinder und Jugendliche brauchen eine Brille oder Kontaktlinsen.

Quelle: Stefan Puchner/Archiv

Berlin. Immer mehr Kinder und Jugendliche brauchen Experten zufolge eine Brille oder Kontaktlinsen.

"Ich gehe davon aus, dass der Anteil kurzsichtiger Kinder und Jugendlicher in den nächsten Jahrzehnten wahrscheinlich noch zunehmen wird", sagte der Spezialist für Kinderaugenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg, Prof. Wolf A. Lagrèze.

Schon heute seien mehr junge Leute betroffen als noch vor wenigen Jahrzehnten. Häufiges Nahsehen, etwa beim Lesen oder Arbeiten am Computer, und Mangel an Tageslicht gehörten Studien zufolge zu den Ursachen für die Sehschwäche.

Am 1. Oktober beginnt in Berlin der ‎113. Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG)‎, bei dem Experten sich auch zur Kurzsichtigkeit austauschen wollen.

Eine Kurzsichtigkeit (Myopie), bei der entfernte Objekte unscharf wahrgenommen werden, ist Folge eines zu starken Längenwachstums des Augapfels vor allem zwischen dem 6. und 18. Lebensjahr – in dem Alter, in dem viele Heranwachsende kaum vom Handy oder Computer wegzubekommen sind.

Studien haben gezeigt, dass Tageslicht Kurzsichtigkeit vorbeugen kann: Helles Licht hemmt dieses Augenwachstum – wahrscheinlich über den Botenstoff Dopamin. In seinen Sprechstunden rate er Eltern dazu, ihre Kinder täglich ein bis zwei Stunden draußen spielen oder Sport machen zu lassen, sagte Lagrèze.

Nach kürzlich vorgestellten Daten des European Eye Epidemiology Consortium sind in Europa derzeit knapp 16 Prozent der 65- bis 69-Jährigen kurzsichtig. Bei den 55- bis 59-Jährigen haben schon fast 28 Prozent mindestens minus 0,75 Dioptrien – und bei den 25- bis 29-Jährigen sind es gut 47 Prozent, berichteten die Forscher im "European Journal of Epidemiology". Groß angelegte Kohortenstudien mit belastbaren Zahlen zu Kindern und Jugendlichen gibt es laut Lagrèze in Europa aktuell nicht.

Ein noch größeres Problem ist die Kurzsichtigkeit in Asien: In Südkorea ergab die Untersuchung von 19-jährigen Rekruten, dass mehr als 96 Prozent mindestens minus 0,5 Dioptrien hatten. Jeder Fünfte war mit mindestens minus sechs Dioptrien schwer kurzsichtig. Eine Studie in China zeigte, dass etwa 90 Prozent der Studenten dort eine Brille tragen müssen. In Taiwan ergab eine Analyse, dass inzwischen rund 84 Prozent der Kinder kurzsichtig sind.

"Die Kinder gerade in China und Südkorea beginnen schon sehr jung mit dem Lernen und machen dabei sehr viel Naharbeit, vor- und nachmittags", erklärte Prof. Norbert Pfeiffer, Direktor der Augenklinik der Universitätsmedizin Mainz. Zudem spielten die Kinder generell seltener draußen, nicht nur infolge der vielen Schularbeit. "Und drittens sind uns diese Länder im Gebrauch von Unterhaltungselektronik weit voraus."

"Kinder in Singapur sind im Mittel etwa 2,7 Stunden draußen – pro Woche", sagte Prof. Frank Schaeffel vom Forschungsinstitut für Augenheilkunde der Universität Tübingen. "Mit 20, 30 Jahren Verzögerung werden wir in Deutschland eine ähnliche Situation haben", befürchtet er. Lagrèze sieht die Zukunft hierzulande nicht ganz so dramatisch: "Die Schüler in Asien pauken aktuell einfach viel mehr als in Europa und genetische Faktoren spielen zwar eine kleine, aber möglicherweise doch relevante Rolle."

Seinen Angaben zufolge gibt es derzeit weltweit 1,5 Milliarden kurzsichtige Menschen, darunter 0,05 Milliarden stark kurzsichtige. Hochrechnungen zufolge werden es 2050 rund fünf Milliarden Betroffene sein, darunter eine knappe Milliarde stark kurzsichtiger Menschen. "Das ist ein bedrohliches Szenario", sagte Lagrèze. Eine starke Kurzsichtigkeit gilt als Risikofaktor für andere Augenerkrankungen wie Grünen und Grauen Star oder Netzhautablösungen.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wissenschaft
  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • Schlösserland Sachsen - Schlösserausflug
    Schlösserland Sachsen

    Schlösser, Burgen & Gärten - Besuchen Sie das Schlösserland Sachsen und erleben Sie die Sächsische Geschichte in ihrer schönsten Form. Erfahren... mehr

  • Wave-Gotik-Treffen
    Wave Gotik Treffen

    Das Wave-Gotik-Treffen Leipzig feierte 2016 sein 25-jähriges Bestehen. Einen Rückblick mit vielen Fotos gibt es in unserem Special. mehr

  • Highfield Festival
    Highfield Festival

    Das war das Highfield-Festival 2015. Hier gibt's den Rückblick mit zahlreichen Fotos. mehr