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Mit Gift-Dingos und Viren: Australiens Kampf gegen Plagen

Umwelt Mit Gift-Dingos und Viren: Australiens Kampf gegen Plagen

Eingeschleppte Arten richten auf dem fünften Kontinent verheerende Schäden an. Wie wird man sie wieder los? Die Australier lassen sich einiges einfallen. Ein Überblick.

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Die in Australien nicht natürlicherweise vorkommenden Ziegen vermehren sich mangels natürlicher Feinde explosionsartig und sind inzwischen eine Plage.

Quelle: Ben Allen/University of Southern Queensland/dpa

Sydney. Australien hetzt mit Giftkapseln präparierte Wildhunde auf wilde Ziegen, die eine kleine Insel am Great Barrier Reef zertrampeln und kahl fressen.

Die kastrierten Dingos sollen die rund 300 vermehrungsfreudigen Ziegen jagen. Sie selbst sollen dann nach zwei Jahren an dem Gift sterben. So soll das Naturjuwel von Säugetieren befreit werden und zu alter Blüte zurückfinden.

Australien ist ein Paradies für alle möglichen Arten: Krokodile, Koalas, Kängurus. Probleme bereiten dabei die, die nicht natürlich auf dem fünften Kontinent vorkommen: Kröten, Karnickel und Kamele. Die von Siedlern eingeschleppten Arten zerstören oftmals die Natur oder bringen sie aus dem Gleichgewicht, weil sie keine natürlichen Feinde haben. Das Land greift zu drastischen Maßnahmen.

KUGELN GEGEN KATZEN: Katzen gelten in Australien nur als süß, wenn sie im Haus gehalten werden. Wildkatzen werden dagegen für eine ökologische Katastrophe verantwortlich gemacht. Sie töten pro Nacht 75 Millionen Tiere, sagt die Tierschutzorganisation Australien Wildlife Conservancy. Die Katzen haben nach Angaben des Umweltministeriums schon 100 nur in Australien vorkommende Arten gefährlich dezimiert, darunter Vögel, Frösche, Grashüpfer, Schildkröten, Käfer und Krustentiere. Zwei Millionen Katzen sollen bis 2020 getötet werden - durch Giftköder, aber vor allem durch Gewehrkugeln.

VIREN GEGEN KARPFEN: Die Fressgewohnheiten der von Europäern eingeschleppten und sich rasant vermehrenden Karpfen bedrohen Gewässer. Die Fische wirbeln Sedimente am Boden auf und verhindern so, das Licht für die Pflanzen bis zum Flussboden durchdringt. Die Sedimente begraben Fischeier und verstopfen die Kiemen anderer Fische. Jetzt soll ein Herpes-Virus die Zahl der Karpfen dezimieren. "Der Koi Herpesvirus (KHV) verursacht hohe Todesraten unter Karpfen", teilte das Wissenschaftsinstitut CSIRO mit. "Der Virus greift keine andere Fischart an." Der Herpes-Virus soll in den Flüssen Murray und Darling in den nächsten 30 Jahren 95 Prozent der Karpfen killen.

BULLDOZER GEGEN KANINCHEN: Die Langohren zerstören Weiden, verursachen Erosion und fressen einheimischen Arten das Futter weg. Das Agrarministerium in Victoria empfiehlt Bauern, Kaninchen in ihrem Bau einfach platt zu machen. Die Tiere müssten mit viel Krach erst verängstigt in ihren Bau getrieben werden. Dann müsse großes Gerät aufgefahren werden: Bulldozer, Schaufelbagger oder Erntemaschinen.

KÄFER GEGEN MIMOSEN: Auch Pflanzen stehen auf der Abschussliste. Für Biologen ist Mimosa pigra Unkraut. Die Mimosenart wächst in Windeseile zu dickem dornenreichen Gestrüpp. Winzige Flohkäfer, nach ihrem lateinischen Namen Nesaecrepida infuscata zärtlich Nessie genannt, sollen es nun richten. Sie fressen die Mimosen, verhindern die rasante Verbreitung, schwächen die Pflanzen und machen sie anfällig für Krankheiten.

KRÖTEN GEGEN KÄFER: Das ist vor 80 Jahren gründlich schiefgegangen. Bauern holten Aga-Kröten ins Land, um gefräßige Stockkäfer in Zuckerrohrfeldern einzudämmen. Die Riesenkröten mit den Giftdrüsen haben sich aber auf verheerende Art breitgemacht und dezimieren Vögel, Eidechsen, Schlangen und selbst Beutelmarder und Warane.

MENSCHEN GEGEN KRÖTEN: Gegen die Aga-Kröte ist bislang kein Kraut gewachsen. Es hilft nur einsammeln und töten. Der frühere Bürgermeister von Darwin, Graeme Sawyer, veranstaltet nächtliche Krötensammeltouren. Die Tiere kommen dann in die Kühltruhe und werden mit einem Schlag auf den Kopf getötet. Er möchte am liebsten auch Touristen für diese Säuberungsaktion gewinnen.

JÄGER GEGEN PFERDE: Rund 6000 Wildpferde sorgen in den Snowy Mountains rund 500 Kilometer südwestlich von Sydney bei Touristen für romantische Cowboy-Atmosphäre. Die "Brumbies", verwilderter Nachwuchs von Arbeitstieren, die einst Siedler mitbrachten, zertrampeln aber die Vegetation und zerstören vor allem Flussufer, sagen staatliche Naturschützer. Die heute 6000 Tiere sollen innerhalb von 20 Jahren um 90 Prozent reduziert werden. Jäger sollen die Tiere erschießen, die Kadaver in der Abdeckerei entsorgt werden.

dpa

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