Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -7 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Neue Immuntherapie nutzt Abwehrzellen gegen Blutkrebs

Gesundheit Neue Immuntherapie nutzt Abwehrzellen gegen Blutkrebs

Statt Röntgenstrahlen ein "lebendes Medikament" gegen Krebszellen einsetzen: Ein neuer Therapieansatz nutzt Zellen des Immunsystems zur Behandlung von Blutkrebs.

Voriger Artikel
Wirbeljäger in der Ostsee – Suche mit Zeppelin
Nächster Artikel
Anglerfisch und Facebook-Pflanze: Neue skurrile Arten

Krebsforscher Patrick Schmidt in einem Labor des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen in Heidelberg.

Quelle: Uwe Anspach

Heidelberg. Neuartige Immuntherapien gelten als Hoffnungsträger für Patienten, deren Krebserkrankung auf klassische Behandlungen nicht anspricht. Dabei wird das Immunsystem des Patienten gegen den Krebs ausgerichtet. Die kostspieligen Verfahren verzeichnen einige eindrucksvolle Erfolge. Doch nicht allen Patienten kann geholfen werden und bislang kann nicht sicher vorhergesagt werden, wem eine Immuntherapie hilft. Eine neue Behandlungsform, die sogenannte T-Zelltherapie, wird gerade in den USA an Patienten erprobt.

IMMUNTHERAPIE: Der Therapieansatz nutzt T-Zellen des eigenen Immunsystems, um bei Patienten mit fortgeschrittener Leukämie bösartige Zellen gezielt anzugreifen. "Man weiß seit einigen Jahren, dass die Therapie mit T-Zellen extrem effizient sein kann", sagt Dirk Busch, Immunologe an der Technischen Universität München und Leiter einer Forschungsgruppe für die Entwicklung von Zelltherapeutika. Es handele es sich um ein "lebendes Medikament", erläutert der Immunologe. Die T-Zellen sollen den Blutkrebs aufspüren und binnen weniger Tage vollständig zerstören.

T-ZELLEN: T-Zellen sind Teil der körpereigenen Polizei, deren Aufgabe es ist, fremde oder krankmachende Zellen zu erkennen und unschädlich zu machen. Krebszellen entwickeln jedoch Abwehrstrategien, die es den T-Zellen schwer machen, sie erfolgreich anzugreifen. Eine dieser Strategien besteht darin, sich für die T-Zellen unsichtbar zu machen. Die T-Zelltherapie setzt genau hier an: Die Zellen werden dem Blut des Patienten entnommen und im Labor gentechnisch so verändert, dass sie Blutkrebszellen erkennen und direkt angreifen.

METHODE: "Wir statten die T-Zellen mit einer Waffe aus, die gegen Oberflächenmerkmale auf Krebszellen gerichtet ist", erläutert Patrick Schmidt, Krebsforscher am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg, der auch an solchen Therapien arbeitet. Hierfür erhalten die Immunzellen ein antikörperähnliches Eiweißmolekül, das an die Krebszellen bindet. Anschließend werden die Zellen im Labor vermehrt und in die Blutbahn des Patienten zurückgebracht. Dort greifen sie den Blutkrebs gezielt an.

ERFOLGE: Den meisten Patienten in Studien hilft die Therapie. Einige gelten als geheilt, wie Busch sagt. In einer kürzlich veröffentlichten allerdings recht kleinen US-Studie lassen sich bei 27 von 29 Leukämiepatienten nach der Behandlung mit Chemo- und Zelltherapie keine Krebszellen mehr im Knochenmark nachweisen. "Das sind fantastische Ergebnisse", sagt Busch, der nicht an der Studie beteiligt war. "Vor allem, wenn man bedenkt, dass es sich um sogenannte austherapierte Patienten handelt, für die es keine Hoffnung mehr gab".

RISIKEN: Der Eingriff in das Immunsystem ist jedoch mit Risiken verbunden: Die Immunzellen können sich gegen den eigenen Körper richten und große Mengen entzündungsauslösender Botenstoffe freisetzen. Hohes Fieber und lebensbedrohliche Organschäden können dem geschwächten Patienten zum Verhängnis werden. Meistens höre die Immunreaktion aber von selbst auf oder könne gut behandelt werden, sagt Busch. Darüber hinaus müssen sich Patienten ein Leben lang Antikörper spritzen, um sich vor Infektionskrankheiten zu schützen. Die T-Zellen zerstören nämlich sowohl die krankhaft veränderten als auch die gesunden B-Zellen, die ebenfalls ein wichtiger Teil des Abwehrsystems sind.

AUSBLICK: Die T-Zelltherapie steckt noch in den Kinderschuhen. Die Herausforderung besteht darin, für jeden Patienten die optimale Dosierung zu ermitteln und das Verfahren dadurch sicherer zu machen, bevor es eine breite Anwendung finden kann. "In Deutschland sind erste klinische Prüfungen genehmigt worden", sagt der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek. Die Einrichtung ist für die Genehmigung von Prüfungen mit biomedizinischen Arzneimitteln zuständig. PEI-Zulassungsexpertin Martina Schüßler-Lenz erwartet, dass Anfang 2017 der erste Zulassungsantrag bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur eingeht.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wissenschaft
  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • Schlösserland Sachsen - Schlösserausflug
    Schlösserland Sachsen

    Schlösser, Burgen & Gärten - Besuchen Sie das Schlösserland Sachsen und erleben Sie die Sächsische Geschichte in ihrer schönsten Form. Erfahren... mehr

  • Wave-Gotik-Treffen
    Wave Gotik Treffen

    Das Wave-Gotik-Treffen Leipzig feierte 2016 sein 25-jähriges Bestehen. Einen Rückblick mit vielen Fotos gibt es in unserem Special. mehr

  • Highfield Festival
    Highfield Festival

    Das war das Highfield-Festival 2015. Hier gibt's den Rückblick mit zahlreichen Fotos. mehr