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Pockenviren lagern trotz Vernichtungsbeschluss weiter

Wissenschaft Pockenviren lagern trotz Vernichtungsbeschluss weiter

Bei ihrer 49. Jahresversammlung beschloss die WHO, dass die letzten Pockenviren bis zum Sommer 1999 vernichtet werden sollen. Doch 20 Jahre nach dem Treffen lagern immer noch Bestände in Russland und den USA - eine Vernichtung ist nicht in Sicht.

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Pocken-Viren lassen sich heute synthetisch nachbauen.

Quelle: Patrick Pleul

New York. Die Aufregung im Sommer 2014 ist groß: Bei einem Umzug finden Wissenschaftler in einem Abstellraum der US-Gesundheitsbehörde NIH nahe der Hauptstadt Washington mehrere Reagenzgläser mit Pockenviren.

Sie stammten wohl aus den 1950er Jahren und waren einfach vergessen worden - dabei gehören Pocken zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt. Die Reagenzgläser seien sofort in Sicherheit gebracht worden und Menschen zu keiner Zeit in Gefahr gewesen, versicherte die US-Kontrollbehörde für Infektionskrankheiten CDC rasch.

Aber Vorfälle wie dieser lassen bei vielen Menschen die Angst vor den Pocken wieder aufflammen. Zu den Frühsymptomen der Krankheit zählen hohes Fieber und Abgeschlagenheit. Danach entwickeln sich besonders an Gesicht, Armen und Beinen charakteristische Bläschen.

Dabei war die Krankheit, die im 18. Jahrhundert alleine in Europa 60 Millionen Menschen das Leben kostete, regulär zum letzten Mal 1977 in Somalia aufgetreten. Kurz darauf wurden die Pocken von der Weltgesundheitsorganisation WHO nach einem weltweiten Impfprogramm offiziell als ausgerottet erklärt. Ein Riesen-Erfolg.

Auch alle noch verbliebenen Restbestände von Pockenviren in Labors sollten vernichtet werden, wie die WHO bei ihrer 49. Jahresversammlung vor genau 20 Jahren (25. Mai 1996) beschloss. Als Frist wurde der Sommer 1999 angesetzt - doch auch mehr als 15 Jahre später lagern die letzten offiziellen Bestände weiter in einem US-amerikanischen und einem russischen Labor.

Die WHO hat Frist und endgültige Entscheidung zu dem Thema immer wieder vertagt. Bei einem derzeit stattfindenden Treffen stehe es erneut auf der Tagesordnung, sagte ein WHO-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Ob diesmal eine Entscheidung fallen wird, ist noch nicht abzusehen.

"Die Hauptursache dafür ist politisch", sagt David Evans, Mediziner an der Universität im kanadischen Alberta, der sich seit Jahren mit Pocken beschäftigt. Die zuständigen Politiker schwankten zwischen der Sorge vor Bio-Terrorismus und der Notwendigkeit der Forschung an den Viren. "In den USA liegt eine endgültige Entscheidung gerade ein bisschen auf Eis. Und in Russland ziehen sie einfach mit, sie werden ihre Bestände nicht zerstören, bevor die USA sie nicht zerstören, das ist eine Sache des Nationalstolzes."

Die Bestände seien sicher, sagt Evans, der beide Labore mehrfach inspiziert hat. Die Viren lagern in der Nähe von Nowosibirsk in Russland und in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia. "Die Viren werden unter anderem von Männern mit Waffen bewacht." Die Gefahr, dass die Erreger in die Hände von Terroristen kämen, sei extrem gering, sagt der Mediziner. "Heutzutage könnten Terroristen sie synthetisch nachbauen, das wäre viel einfacher als die Viren zu klauen."

Die Forschung an den Pocken könnte aber deutlich heruntergefahren, wenn nicht sogar ganz beendet werden, sagt Evans. "Wir haben gegen Pocken ein gutes Medikament, einige gute Impfstoffe und gute Diagnose-Möglichkeiten. Ich bin nicht überzeugt, dass die andauernde Forschung noch von Wert ist."

Und eine völlige Vernichtung der Viren? Das ginge zu weit, findet Evans. "Wir sollten sie da lassen, wo sie sind, wegsperren und überwachen. Wenn wir sie dann - aus was für einem Grund auch immer - doch noch einmal brauchen sollten, dann haben wir sie und müssen sie nicht extra synthetisch nachbauen."

dpa

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