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Seeadler sortieren größere Munitionsreste aus Kadavern aus

Wissenschaft Seeadler sortieren größere Munitionsreste aus Kadavern aus

Bleihaltige Munitionsreste gelten bei Seeadlern als Todesursache Nummer eins. Forscher haben jetzt einen weiteren Beleg dafür gefunden, dass sich ein Verzicht auf solche Munition lohnen könnte.

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Ein ausgewachsener Seeadler beim Verzehr eines Kadavers. Seeadler sortieren größere Munitionsreste beim Fressen gezielt aus.

Quelle: Oliver Krone/IZW

Berlin (dpa) - Seeadler sortieren größere Munitionsreste beim Fressen von Kadavern gezielt aus. Kleinere - oft giftige - Partikel verschlucken die Vögel jedoch, wie Forscher des Berliner Leibniz-Institutes für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) jetzt in einer Studie nachgewiesen haben.

Kugeln, die sich nur verformen oder in Stücke von mindestens neun Millimeter Größe zerfallen, seien daher eine geeignete Jagdmunition, um Metallvergiftungen zu verhindern. Bleihaltige Projektile zerfallen dagegen meist in zahlreiche winzige Metallpartikel.

"Die Studie belegt erneut, wo das Problem liegt", sagte Rainer Altenkamp, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Berlin, mit Blick auf bleihaltige Munition. Sie gilt bei Seeadlern (Haliaeetus albicilla) als Haupttodesursache. "Auch andere aasfressende Vögel sind von diesem Risiko betroffen", erläutert Oliver Krone vom IZW. "Unsere Beobachtungen zeigen, dass neben den Seeadlern vor allem Raben und Bussarde zu den Hauptkonsumenten der Kadaver zählen."

Bei Tests mit ungiftigen Metallteilen wiesen die IZW-Forscher nach, dass die Seeadler größere, harte Partikel vor allem durch Tasten mit der Schnabelspitze aufspürten oder die Partikel wieder ausspuckten, nachdem sie diese im Schnabel bemerkt hatten. Die Forscher veröffentlichten die Studie in der Fachzeitschrift "European Journal of Wildlife Research". Die Ergebnisse seien nicht überraschend. "Niemand isst gern große Metallteile - auch Seeadler nicht", sagte Altenkamp, Leiter der Arbeitsgemeinschaft Greifvogelschutz beim Nabu.

Bei Untersuchungen der Seeadler in der Kleintierklinik der Freien Universität Berlin seien bislang fast nur kleinere Bleifragmente in den Mägen der Vögel gefunden worden, berichtet Altenkamp. Etwa 10 bis 15 vergiftete Seeadler würden pro Jahr in der Klinik behandelt. Die meisten überlebten nicht. Das Blei behindert die Blutbildung und den Sauerstofftransport. "Die Seeadler ersticken über einen Zeitraum von mehreren Tagen und leiden entsetzlich", sagte der Experte.

In den Landesforsten vieler Bundesländer sei Bleimunition verboten. Darüber hinaus aber nicht. Es sei nicht mehr mit rationalen Gründen zu erklären, warum in Deutschland noch immer damit geschossen werden darf, kritisierte Altenkamp. Hierzulande leben den Angaben zufolge derzeit rund 500 Seeadlerpaare. Der Bestand habe sich seit Ende der 1990er Jahre erfreulich entwickelt. Zuvor hatte das inzwischen verbotene Pflanzenschutzmittel DDT die Bestände dezimiert.

dpa

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