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Stachelfell und gute Ohren: Ur-Säugetiere waren weit entwickelt

Wissenschaft Stachelfell und gute Ohren: Ur-Säugetiere waren weit entwickelt

Im Schatten der Dinosaurier lebten vor 125 Millionen von Jahren schon Ursäugetiere mit erstaunlichen Merkmalen. Forscher haben jetzt eine Art nachgewiesen, die zwar klein aber hoch entwickelt ist: Mit Stacheln hat der kleine Insektenspezialist wohl Feinde abgewehrt.

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Die Illustration zeigt einen rund zwölf Zentimeter langen Insektenräuber, der vor 125 Milionen Jahren lebte, und dessen Fossilien in Ostspanien ausgegraben wurden. Zeichnung: Oscar Sanisidro/Nature/dpa

Quelle: Oscar Sanisidro

Bonn. Schon zur Zeit der Dinosaurier gab es hochentwickelte Säugetiere. Das konnten Forscher nun anhand eines Ur-Säugers aus Spanien nachweisen, der vor 125 Millionen Jahren lebte.

Im Fachmagazin "Nature" berichtet das internationale Wissenschaftler-Team um den Bonner Paläontologen Prof. Thomas Martin von dem nun entdeckten Tier: einem rund 60 Gramm schweren Insektenfresser mit stacheligem Haarkleid. Er war demnach etwa zwei- bis dreimal so schwer wie eine Hausmaus und hatte ebenfalls einen langen Schwanz.

Die Forscher hatten das erstaunlich gut erhaltene Fossil in Las Hoyas in Ostspanien ausgegraben. Dort hatten Paläontologen zuvor auch schon Hunderte Überreste von Dinosauriern und Urvögeln entdeckt. Der neueste Fund belege eindrucksvoll, dass die Säuger der Kreidezeit keineswegs primitiv, sondern vielfältig in ihrer Anpassung waren, sagte Martin. "Die gesamten Weichteile sind sensationell erkennbar. Unter dem Raster-Elektronenmikroskop konnten wir sogar einzelne Haarspitzen und innere Organe erkennen."

Das Tier plagte womöglich auch schon eine moderne Hautkrankheit. Außergewöhnlich kurzes Haar an einigen Stellen könnte auf die Pilzerkrankung Dermatophytose, unter der auch viele moderne Säuger leiden, hinweisen.

Zu den besonders fortschrittlichen Merkmalen gehört das Rückenfell mit Stacheln, das ähnlich wie bei heutigen Igeln aussah. Es gibt dem Tier auch seinen Namen: "Spinolestes xenarthrosus" - etwa stacheliger Räuber mit einer speziellen Wirbelsäulenstruktur. Die Forscher vermuten, dass die zu Stacheln verhärteten Haarbüschel auf dem Rückenfell vor Angreifern schützen sollten: "Statt das Tier zu schnappen, blieben die Feinde wohl eher mit einem Maul voller Stacheln zurück", sagte Martin.

Dabei sei Spinolestes selbst ein Räuber gewesen: Seine Zähne weisen ihn als Insektenjäger aus. Die verstärkte Wirbelsäule deute darauf hin, dass er sich ähnlich wie die heute lebende Panzerspitzmaus in die Hohlräume zwängen konnte, um dort verborgene Larven zu erbeuten. Das Fossil belege außerdem, dass auch in der Kreidezeit schon Säugetiere mit großen Ohrmuscheln auf der Erde unterwegs waren: "Wir gehen daher davon aus, dass das Tier einen gut entwickelten Hörsinn hatte", sagte Martin.

Nach Angaben des Forschers entwickelten sich die ersten Ur-Säugetiere vor rund 220 Millionen Jahren. Sie waren jedoch deutlich seltener als die Dinosaurier und meist auch kleiner. So war etwa einer der bislang ältesten nachgewiesenen Säuger nicht größer als eine Haselmaus: "Eomaia scansoria" wurde Anfang des Jahrtausends in China ausgegraben und soll ein guter Kletterer gewesen sein.

Die ersten Dinosaurier gab es je nach Schätzung bereits vor 250 bis 230 Millionen Jahren. Sie starben jedoch nach Meinung der meisten Evolutionsforscher vor etwa 65 Millionen Jahren durch einen riesigen Meteoriten-Einschlag und dessen Folgen aus. Danach verbreiteten sich die Säugetiere sehr zahlreich über die Erde und wurden auch größer.

dpa

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