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WWF-Analyse zeigt dramatischen Rückgang von Meerestieren

Wissenschaft WWF-Analyse zeigt dramatischen Rückgang von Meerestieren

Makrele, Thunfisch oder Schildkröten: Die biologische Vielfalt in den Weltmeeren nimmt nach jüngsten Zahlen der Umweltstiftung WWF dramatisch ab. Schuld ist demnach der Mensch.

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Frisch gefangener Fisch bei Ulsan in Südkorea: Die Populationszahlen von Meeressäugern, Seevögeln, Reptilien und Fischen haben sich innerhalb von 40 Jahren halbiert.

Quelle: Barbara Walton/Archiv

Berlin. Die Umweltstiftung WWF schlägt angesichts des zunehmenden Rückgangs von Meerestieren Alarm.

Die Populationsgrößen ausgewählter Meeressäuger, Seevögel, Reptilien und Fische haben sich innerhalb von 40 Jahren im Schnitt halbiert, heißt es in dem aktuellen Meeresbericht "Living Blue Planet Report" der Organisation.

Die von Makrelen oder Thunfischen seien sogar um 74 Prozent eingebrochen. Zudem gilt laut WWF jede vierte Hai- und Rochenart als vom Ausstreben bedroht.

"Wir haben den Bogen extrem gespannt", erklärte WWF-Fischerei-Expertin Karoline Schacht in Berlin. "Unsere Meere brauchen dringend Erholung, um nicht vor unseren Augen zu kollabieren." Die Analyse des sogenannten Living Planet Index basiert auf 5829 untersuchten marinen Populationen von 1234 Meerestierarten.

Hauptursache ist demnach der Raubbau durch den Menschen. "Überfischung beeinträchtigt nicht nur die Balance des Lebens in den Meeren, sondern auch in Küstengemeinden, wo soziale und wirtschaftliche Strukturen direkt vom Fisch abhängen", warnte Schacht. Mit einem jährlichen Handelsvolumen von 144 Milliarden Dollar (rund 128 Milliarden Euro) sei Fisch eines der am intensivsten gehandelten Güter.

"Der Ozean als dynamisches System mit unzähligen Verflechtungen hat in der Regel ein gutes Erholungspotenzial", sagte Schacht. Die Naturschützer fordern dazu neben mehr Klimaschutz auch eine nachhaltige Fischerei und Meeresschutzgebiete.

Zumindest die Fischbestände in den Gewässern Nordeuropas werden nach einem Bericht der EU-Kommission schonender bewirtschaftet als noch vor einigen Jahren: Rund die Hälfte aller bewerteten Bestände im Nordost-Atlantik, der Nordsee und der Ostsee wurden im vergangenen Jahr demnach in einem langfristig verträglichen Ausmaß befischt. 2009 war das nur bei 14 Prozent der Fall. Ein düsteres Bild zeigt sich der Behörde zufolge hingegen im Mittelmeer: 93 Prozent der ausgewerteten Bestände sind überfischt, im Schwarzen Meer sind es 86 Prozent.

Viele Fischbestände erholen sich Experten zufolge von einer Überfischung allerdings besser als erwartet - sofern sie nicht zu lange dauert. Zu diesem Ergebnis kam vor einigen Jahren ein Team um Philipp Neubauer von der Rutgers Universität (US-Staat New Jersey).

In der Fachzeitschrift "Science" berichteten die Forscher, dass die Mehrheit der 153 untersuchten Fischarten und wirbellosen Tiere eine moderate Überfischung verkrafte - und sich innerhalb von zehn Jahren davon erholen könne. Voraussetzung sei aber, dass der Bestand noch nicht komplett zusammengebrochen sei und der Druck durch die Fischerei schnell gesenkt werde.

Fischereibiologe Jörn Schmidt vom Exzellenzcluster "Ozean der Zukunft" in Kiel hält die WWF-Zahlen im Kern für stimmig. Allerdings flössen in den Index lediglich die Daten von einem Teil der weltweiten Tierarten ein. Da es sich bei einem Großteil davon vermutlich um viel genutzte Arten von Fischen handele, müsse ein Rückgang von fast 50 Prozent nicht notwendigerweise besorgniserregend sein. Umgekehrt könnten die Situation zum Teil möglicherweise noch wesentlich dramatischer sein - beispielsweise bei Haien oder Walen.

dpa

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