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Wale gerieten vermutlich durch Wärme und Stürme in Nordsee

Umwelt Wale gerieten vermutlich durch Wärme und Stürme in Nordsee

Tod in der Nordsee: 29 Pottwale starben seit Anfang Januar an den Küsten der Nordsee. Experten vermuten als Ursache Stürme und die ungewöhnlich hohen Temperaturen im Januar. Futtermangel war es jedenfalls nicht, so das vorläufige Ergebnis von Magenanalysen.

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29 Pottwale starben seit Anfang Januar an den Küsten der Nordsee - Experten vermuten als Ursache Stürme und die ungewöhnlich hohen Temperaturen im Januar.

Quelle: Christian Charisius/Archiv

Kiel/Büsum. Die an den Nordseeküsten verendeten 29 Pottwale waren nach vorläufigen Untersuchungsergebnissen weder krank noch ausgehungert.

"Ich vermute, dass die zu dieser Jahreszeit sehr heftigen Stürme und wahrscheinlich erhöhte Wassertemperaturen im Nordostatlantik dafür verantwortlich sein können, dass sich die Jungbullen in die Nordsee verirrten", sagte der Meeresbiologe Uwe Piatkowski vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung am in Kiel der Deutschen Presse-Agentur.

Ähnlich äußerte sich Prof. Ursula Siebert von der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Siebert leitet das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung mit Standorten in Hannover und Büsum.

Seit Januar strandeten nach Angaben der Nationalparkverwaltung Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer vom Montag insgesamt 29 junge Pottwale in der südlichen Nordsee: 13 an der schleswig-holsteinischen und 3 an der niedersächsischen Küste, je 6 in den Niederlanden und in Großbritannien und ein Tier bei Calais (Frankreich).

Piatkowski und sein Team untersuchen zurzeit die Mageninhalte von Pottwalen, die an der schleswig-holsteinischen Küste strandeten. "Als vorläufiges Ergebnis steht fest, dass die Pottwale sich zu 99 Prozent von zwei Tintenfischarten (dem Nordischen Köderkalmar und Europäischen Flugkalmar) ernährt haben, die in der Norwegischen See, im Barentsmeer und den Gewässern bei Island vorkommen. Der Köderkalmar lebt eigentlich nicht in der Nordsee, der Flugkalmar kommt nur äußerst selten dort vor", berichtete der Experte.

Die Pottwale seien offensichtlich gut genährt gewesen. "In einem Pottwal fanden wir die Ober- und Unterkiefer (Schnäbel) von etwa

 

10 000 Tintenfischen. Gemäß der Größe dieser Schnäbel, aus der man Größe und Gewicht der Kalmare ableiten kann, hatte der Wal wohl in etwa drei Tonnen Tintenfisch gefressen."

Etwa ein Bestand von einer Million Tonnen wird allein für den Köderkalmar in der Norwegischen See vermutet, "das große Fressen hat dort stattgefunden", sagte der Wissenschaftler. "Alles was wir fanden, hatten die Pottwale mindestens drei Tage zuvor gefressen." Jetzt gehe es in die Detailanalyse, um zu klären, ob möglicherweise auch Reste von Kraken und Kalmaren, die in der Nordsee leben, sowie von in der Nordsee heimischen Fischen in den Pottwalmägen gefunden werden.

Expertin Siebert ist ebenfalls der Ansicht, dass am ehesten hydrographische Ursachen die Wale in die Nordsee gelenkt hätten. "Dies könnte auch zur Folge haben, dass die Nahrung weiter südlich anzutreffen war und die Pottwale den Tintenfischen gefolgt und dann in die Nordsee geraten sind."

"Als tödliche Falle für Pottwale ist die oft nur weniger als 50 Meter tiefe Nordsee schon seit langem bekannt", erklärte Piatkowski. Denn die Meeressäuger jagen in große Tiefen von 500 bis 1000 Meter - dort, wo in der Norwegischen See die in den Mägen gefundenen Tintenfischarten in großen Konzentrationen auftreten. "Das Sonarsystem der Pottwale versagt bei Tiefen unter 50 Metern, es ist für das Navigieren in der Tiefsee prädestiniert."

Dass Schallfrequenzen von Schiffen oder Windkraftanlagen in der Nordsee die Tiere irritiert haben könnten, hält der Wissenschaftler für unwahrscheinlich. "Mindestens seit dem 16. Jahrhundert sind Pottwal-Strandungen in der Nordsee dokumentiert – da gab es noch keine Motorschiffe oder Windparks."

Auch Direktor Peter Evans von der britischen Sea Watch Foundation hält vom Menschen verantwortete Ursachen für unwahrscheinlich. So seien zum Beispiel die von Windrädern ausgehenden Schallfrequenzen zu tief für die Wale, schreibt er auf der Website seiner Organisation.

dpa

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