Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Wale gerieten vermutlich durch Wärme und Stürme in Nordsee

Umwelt Wale gerieten vermutlich durch Wärme und Stürme in Nordsee

Tod in der Nordsee: 29 Pottwale starben seit Anfang Januar an den Küsten der Nordsee. Experten vermuten als Ursache Stürme und die ungewöhnlich hohen Temperaturen im Januar. Futtermangel war es jedenfalls nicht, so das vorläufige Ergebnis von Magenanalysen.

Voriger Artikel
Forscher: Zehnfingersystem auf Tastatur nicht unbedingt schneller
Nächster Artikel
Forscher finden Wasserstoff bei einer Supererde

29 Pottwale starben seit Anfang Januar an den Küsten der Nordsee - Experten vermuten als Ursache Stürme und die ungewöhnlich hohen Temperaturen im Januar.

Quelle: Christian Charisius/Archiv

Kiel/Büsum. Die an den Nordseeküsten verendeten 29 Pottwale waren nach vorläufigen Untersuchungsergebnissen weder krank noch ausgehungert.

"Ich vermute, dass die zu dieser Jahreszeit sehr heftigen Stürme und wahrscheinlich erhöhte Wassertemperaturen im Nordostatlantik dafür verantwortlich sein können, dass sich die Jungbullen in die Nordsee verirrten", sagte der Meeresbiologe Uwe Piatkowski vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung am in Kiel der Deutschen Presse-Agentur.

Ähnlich äußerte sich Prof. Ursula Siebert von der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Siebert leitet das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung mit Standorten in Hannover und Büsum.

Seit Januar strandeten nach Angaben der Nationalparkverwaltung Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer vom Montag insgesamt 29 junge Pottwale in der südlichen Nordsee: 13 an der schleswig-holsteinischen und 3 an der niedersächsischen Küste, je 6 in den Niederlanden und in Großbritannien und ein Tier bei Calais (Frankreich).

Piatkowski und sein Team untersuchen zurzeit die Mageninhalte von Pottwalen, die an der schleswig-holsteinischen Küste strandeten. "Als vorläufiges Ergebnis steht fest, dass die Pottwale sich zu 99 Prozent von zwei Tintenfischarten (dem Nordischen Köderkalmar und Europäischen Flugkalmar) ernährt haben, die in der Norwegischen See, im Barentsmeer und den Gewässern bei Island vorkommen. Der Köderkalmar lebt eigentlich nicht in der Nordsee, der Flugkalmar kommt nur äußerst selten dort vor", berichtete der Experte.

Die Pottwale seien offensichtlich gut genährt gewesen. "In einem Pottwal fanden wir die Ober- und Unterkiefer (Schnäbel) von etwa

 

10 000 Tintenfischen. Gemäß der Größe dieser Schnäbel, aus der man Größe und Gewicht der Kalmare ableiten kann, hatte der Wal wohl in etwa drei Tonnen Tintenfisch gefressen."

Etwa ein Bestand von einer Million Tonnen wird allein für den Köderkalmar in der Norwegischen See vermutet, "das große Fressen hat dort stattgefunden", sagte der Wissenschaftler. "Alles was wir fanden, hatten die Pottwale mindestens drei Tage zuvor gefressen." Jetzt gehe es in die Detailanalyse, um zu klären, ob möglicherweise auch Reste von Kraken und Kalmaren, die in der Nordsee leben, sowie von in der Nordsee heimischen Fischen in den Pottwalmägen gefunden werden.

Expertin Siebert ist ebenfalls der Ansicht, dass am ehesten hydrographische Ursachen die Wale in die Nordsee gelenkt hätten. "Dies könnte auch zur Folge haben, dass die Nahrung weiter südlich anzutreffen war und die Pottwale den Tintenfischen gefolgt und dann in die Nordsee geraten sind."

"Als tödliche Falle für Pottwale ist die oft nur weniger als 50 Meter tiefe Nordsee schon seit langem bekannt", erklärte Piatkowski. Denn die Meeressäuger jagen in große Tiefen von 500 bis 1000 Meter - dort, wo in der Norwegischen See die in den Mägen gefundenen Tintenfischarten in großen Konzentrationen auftreten. "Das Sonarsystem der Pottwale versagt bei Tiefen unter 50 Metern, es ist für das Navigieren in der Tiefsee prädestiniert."

Dass Schallfrequenzen von Schiffen oder Windkraftanlagen in der Nordsee die Tiere irritiert haben könnten, hält der Wissenschaftler für unwahrscheinlich. "Mindestens seit dem 16. Jahrhundert sind Pottwal-Strandungen in der Nordsee dokumentiert – da gab es noch keine Motorschiffe oder Windparks."

Auch Direktor Peter Evans von der britischen Sea Watch Foundation hält vom Menschen verantwortete Ursachen für unwahrscheinlich. So seien zum Beispiel die von Windrädern ausgehenden Schallfrequenzen zu tief für die Wale, schreibt er auf der Website seiner Organisation.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wissenschaft
  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Digital Abo

    "LVZ Digital Abo" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kön... mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr