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Zugewandt mit verschlungenen Armen: Kraken-Sex überrascht Forscher

Wissenschaft Zugewandt mit verschlungenen Armen: Kraken-Sex überrascht Forscher

Berkeley (dpa) – Ein Krake aus dem Pazifik überrascht mit seinem Liebesleben: Anders als die meisten anderen Kraken paaren sich Männchen und Weibchen dieser Art einander zugewandt.

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Ein junger Californischer Zweifleckoctopus betrachtet einsam sein Spiegelbild.

Quelle: Yen-Chui Liu/Nature/Symbol

Sie legen zudem ihre Saugnäpfe aneinander und umschlingen sich manchmal mit ihren Armen, berichten US-Forscher im Fachblatt "PLOS ONE". Sie vermuten allerdings, dass das Verhalten eher aggressiver als liebevoller Natur ist. Erste Kraken der Art waren in den 1970er Jahre entdeckt worden, wissenschaftlich beschrieben ist sie allerdings bis heute nicht.

Die Wissenschaftler um Roy Caldwell von der University of California in Berkeley hatten das zuvor meist nur sporadisch beschriebene Verhalten der Tiere nun genauer untersucht. Zwischen 2012 und 2014 erwarben sie insgesamt 24 ausgewachsene Tiere im kommerziellen Aquarienhandel, die vor der Küste Nicaraguas von Tauchern mit einer entsprechenden Genehmigung gefangen worden waren. Im Labor setzten sie die Kraken – 13 männliche und 11 weibliche - in Aquarien und beobachteten sie.

Einzigartig im Vergleich zu anderen Kraken seien das Paarungs- und das Eiablage-Verhalten der kurz LPSO (Larger Pacific Striped Octopus) genannten Kraken, berichten die Wissenschaftler. Während sich bei anderen Arten die Tiere entweder aus einiger Entfernung paaren oder das Männchen auf das Weibchen steigt, wenden sich LPSO-Männchen und -Weibchen einander zu. Warum sie das tun, sei noch unklar. Vielleicht erlaube diese Position es den Weibchen, sich mit ihrem Mantel – dem sackförmigen Teil der Kraken – ihren Eiern zuzuwenden.

Die Forscher beobachten auch, dass sich einige Paare eine Höhle teilten. Manche fraßen gar gemeinsam an einem Beutetier. Ebenfalls ungewöhnlich sei, dass die Weibchen Zeit ihres Lebens Eier legen, sobald sie einmal damit angefangen haben. Sie stellen die Eiablage erst einige Wochen vor ihrem Tod ein.

Die Alterung verlaufe bei den männlichen Kraken schneller als bei den weiblichen, erläutern die Wissenschaftler. Die Männchen hören demnach plötzlich auf zu fressen und sterben ein bis zwei Wochen später. Die Weibchen leben nach der letzten Eiablage noch etwa vier bis sechs Wochen. Mit Einsetzen der Zellalterung fressen sie weniger und seltener und stellen nach und nach auch andere Aktivitäten ein. Sie schrumpfen, können ihre Farben nicht mehr so gut wechseln und gehen irgendwann ein.

Wie einige andere Kraken auch können die LPSO Farbe und Musterung ihrer Körperoberfläche sehr schnell verändern. Am Kopf können sie Streifen zeigen, am Mantel Punkte.

Im Fachblatt "Nature" stellen Wissenschaftler aktuell eine Analyse des Genoms von Octopus bimaculoides vor, einer Kraken-Art aus dem östlichen Pazifik. Sie hatten vor allem nach den genetischen Grundlagen des sehr komplexen Nervensystems von Kraken gesucht, das als herausragend unter den Wirbellosen gilt. Die Forscher berichten, dass viele Gene für die Entwicklung des Nervensystems sich nicht von denen anderer Wirbelloser unterscheiden. Zwei Genfamilien seien aber sehr stark erweitert. Bisher sei angenommen worden, dass dies nur bei Wirbeltieren der Fall ist.

Oktopusse sind nicht nur sehr lernfähig, sie sind auch die einzigen Spezies unter den Wirbellosen, für die eine Art Spiel bekannt ist. Bekomme ein Gemeiner Krake (Octopus vulgaris) ein neues Objekt vorgesetzt, gehe sein Verhalten von einem erkundenden "Was ist das?" in ein spielerisches "Was kann ich alles damit machen?" über, schrieb Sarah Zylinski von der Universität Leeds vor einiger Zeit im Fachmagazin "Current Biology". Pazifische Riesenkraken (Enteroctopus dofleini) wiederum stoßen demnach Objekte mit dem Wasserstrom ihres Siphons herum. Immer wieder seien satte Kraken zudem beim Spiel mit potenzieller Beute beobachtet worden – ähnlich dem einer Katze mit einer Maus.

dpa

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