Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Big Brother fährt mit: Das moderne Auto als Datenkrake

Verkehr Big Brother fährt mit: Das moderne Auto als Datenkrake

Moderne Autos sammeln unzählige Daten. Sie sind vielfach notwendig, damit die zahlreichen Assistenzsysteme funktionieren. Was aber sonst noch mit den Daten passiert, bleibt meist unklar. Autofahrer erhalten hier kaum Einblick von den Herstellern. Die Rechtslage ist komplex.

Voriger Artikel
Sicher abschleppen: Seil immer straff lassen
Nächster Artikel
An Rettungsgasse denken: Richtiges Verhalten im Stau

Sprich mit mir: Moderne Autos sammeln viele Daten, hilfreich etwa für die Fehlerdiagnose in der Werkstatt. Andere Daten können aber noch viel mehr verraten. Andreas Gebert

Quelle: Andreas Gebert

München. Das Auto vor einem bremst plötzlich scharf ab. Reflexartig tritt der Fuß auf die Bremse, der Fahrer wird gegen den Gurt gepresst. Nichts passiert, zum Glück. Es ist schnell vergessen. Aber nicht vom Auto:

Der Einsatz des Gurtstraffers wird in das Airbag-Steuergerät geschrieben und gespeichert. Am nächsten Tag ist die Zeit knapp. Der Fuß ist großzügig am Gas, die Drehzahl geht hoch - Gift für kalte Motoren. Das Motorsteuergerät macht einen Eintrag in den Fehlerspeicher. Über die verschiedenen Steuergeräte im Auto entsteht so ein Bild vom Fahrstil des Fahrers und seinem Umgang mit dem Auto.

Diese und weitere Beispiele von erhobenen Daten hat der ADAC beim Langzeit-Test von vier Autos verschiedener Hersteller gefunden. Über Monate haben IT-Experten im Auftrag des Autoclubs deren Steuergeräte unter die Lupe genommen. Dabei fanden sie heraus: Die Fahrzeuge sind echte Datensammler. Daten werden nicht nur gespeichert, um sie in der Werkstatt oder beim Hersteller auslesen zu können. "Daten werden auch an den Hersteller gesendet", sagt Arnulf Thiemel vom ADAC, der diesen Test betreut hat. GSM-Antenne und verbaute SIM-Karte machen das Auto zur Sendestation vieler interessanter Daten.

Natürlich ist die

ADAC-Erhebung nur eine Stichprobe und beansprucht keine Allgemeingültigkeit. Doch es lenkt die Aufmerksamkeit auf ein Problem moderner Autos: Durch zahlreiche Sensoren werden immer mehr Daten für die vielen Assistenzsysteme erhoben. Sie werden in dazugehörigen Steuergeräten nach komplexen Algorithmen verarbeitet.

Was passiert mit den Daten? Welche werden gleich überschrieben, gespeichert, oder weitergesendet? Autokäufer werden darüber größtenteils im Dunkeln gelassen. "Sie haben im Moment keine Chance, Klarheit zu bekommen", sagt Thiemel. Im Kaufvertrag stehe, dass im Betrieb Daten erhoben werden, die Werkstätten und Hersteller nutzen können. "Details werden nicht genannt. Die Hersteller blocken hier."

Die Rechtslage ist sehr komplex, wie Daniela Mielchen skizziert. Die Verkehrsrechtsanwältin aus Hamburg ist beim Deutschen Anwaltverein für den Bereich Vernetztes Auto zuständig. "Hersteller müssten Autokäufer allgemein mehr informieren, als sie es im Moment tun."

Technische Daten dürfen sie ohne Zustimmung erheben, persönliche Daten nicht. Doch was ist bei einem Unfall, wo technische Daten eventuell Rückschlüsse auf den Ablauf zulassen? Dann können die technischen Daten zu personenbezogenen Daten werden. Vor Gericht etwa kann damit das Recht des Fahrers tangiert werden, dass man sich nicht selbst belasten muss - demzufolge ist die Erfassung der Daten ohne Zustimmung des Fahrers aus rechtlicher Sicht zumindest fragwürdig.

Geschwindigkeit, Abstand anderer Autos, Fahrbahnmarkierungen, Lenkwinkel: Allein Überholassistenten brauchen viele Daten, um korrekt zu funktionieren. Algorithmen errechnen auf Basis der erfassten Werte, wie der Assistent reagiert. "Je nach Aufgabe des Assistenten sind dafür mal mehr und mal weniger Daten nötig", erklärt Gerd Wanielik. Er ist Professor für Nachrichtentechnik an der Technischen Universität Chemnitz und forscht zu vernetzten Autos.

Die Zukunft zeige Richtung autonomes Fahren, sagt er. "Noch gibt es keine Blackbox im Auto, aber der Trend geht dorthin." Denn wenn der Fahrer nicht mehr selbst steuert, müsse bei einem Unfall mit den aufgezeichneten Daten der Hergang geklärt werden.

In Zukunft werden Autos nicht nur mit Herstellern und Werkstätten Daten austauschen. Kooperative Assistenzsysteme werden sich mit anderen Fahrzeugen und der Verkehrsinfrastruktur vernetzen, sagt Forscher Wanielik. Einige Hersteller testen bereits einen Grüne-Welle-Assistenten. Dabei kommuniziert das System mit Daten aus dem Verkehrsleitsystem, gleicht diese mit eigenen Positionsdaten ab und gibt dann Empfehlungen zur Fahrweise. Das kann Sprit sparen.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Aktuelles
  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2016

    Sport frei!, heißt es auch 2016 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • Schlösserland Sachsen - Schlösserausflug
    Schlösserland Sachsen

    Schlösser, Burgen & Gärten - Besuchen Sie das Schlösserland Sachsen und erleben Sie die Sächsische Geschichte in ihrer schönsten Form. Erfahren... mehr

  • Wave-Gotik-Treffen
    Wave Gotik Treffen

    Das Wave-Gotik-Treffen Leipzig feierte 2016 sein 25-jähriges Bestehen. Einen Rückblick mit vielen Fotos gibt es in unserem Special. mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr