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Den Durchblick behalten: Autofahrer regelmäßig zum Sehtest

Verkehr Den Durchblick behalten: Autofahrer regelmäßig zum Sehtest

Im Straßenverkehr ist gutes Sehvermögen unverzichtbar. Doch leider nimmt das bei vielen Menschen im Laufe der Zeit ab. Alle zwei Jahre sollten Fahrer deswegen einen freiwilligen Sehtest machen. Wer zu schlecht sieht, kann aber trotzdem mobil bleiben.

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Schleichender Prozess: Mit dem Alter nimmt oft die Sehfähigkeit ab. Viele Betroffene merken das aber erst, wenn es zu spät ist.

Quelle: Silvia Marks

Tübingen. Im Laufe eines Lebens nimmt die Sehleistung eines Menschen ab. Das kann besonders beim Autofahren zu gefährlichen Situationen führen. "Meistens merkt man eine abnehmende Sehkraft erst im Vergleich mit anderen", sagt Helmut Wilhelm, Oberarzt der Universitäts-Augenklinik in Tübingen.

Ein typischer Fall ist zum Beispiel, wenn der Beifahrer die Uhrzeit der Kirchturmuhr ablesen kann, man selbst aber nicht - obwohl das früher kein Problem war. Hinweise können auch Verkehrs- und Nummernschilder geben: "Ein junger Mensch ohne Augenprobleme kann ein Nummernschild aus 40 Meter Entfernung normalerweise problemlos erkennen", sagt Wilhelm. Wem das auch aus einer Entfernung von 30 Meter nicht mehr gelingt, sollte einen Augenarzt aufsuchen. Der führt in der Regel einen Sehtest durch und verschreibt im Zweifelsfall eine Brille.

Eigentlich müssen Autofahrer einen Sehtest nur einmalig machen: nämlich dann, wenn sie den Führerschein erwerben möchten. Der wird auf Lebenszeit ausgestellt und schreibt keine weiteren medizinischen Kontrollen des Inhabers vor. Der Automobil-Club Verkehr (ACV) rät aber, alle zwei bis drei Jahre einen freiwilligen Sehtest zu machen, um Schwächen rechtzeitig zu erkennen. Zum Fahren wird generell eine Sehfähigkeit von mindestens 70 Prozent benötigt. Wer die nicht mehr hat, darf streng genommen keinen Pkw mehr führen.

Bei einer Verkehrskontrolle kann eine zu schwache Sehleistung zwar nicht festgestellt werden. Wird ein Fahrer aber in einen Unfall verwickelt, kann ein Gericht ein Gutachten anordnen, das die Sehfähigkeit überprüft. Fällt es negativ aus, können auf den Fahrer hohe Kosten zukommen, bis hin zum Führerscheinentzug - selbst dann, wenn er nicht Unfallverursacher ist.

Wer feststellt, dass er nur nachts schlechter sieht, muss sich erst einmal keine Sorgen machen, sagt Augenarzt Wilhelm. Bis zu einem gewissen Grad sei das ganz normal. Sehr wohl zur Gefahr werden kann aber eine zunehmende Nachtblindheit. Die erkennen Autofahrer zum Beispiel daran, dass sie Abstände nachts zunehmend schlechter einschätzen können. Dann sollten sie überlegen, in Zukunft auf Nachtfahrten zu verzichten.

Wer an einer Rot-Grün-Schwäche leidet, muss sich um die eigene Verkehrstauglichkeit keine Sorgen machen, sagt Annabel Brückmann vom ACV. "Selbst wer die Farben einzelner Verkehrszeichen nicht mehr erkennen kann, kann die Zeichen immer noch anhand von Form und Motiv erkennen", sagt sie. Kein Verkehrszeichen sei ausschließlich durch die Farbe von anderen zu unterscheiden. Durch die immer gleiche Anordnung der Ampelfarben kriegen Fahrer auch dort trotz Rot-Grün-Schwäche keine Probleme.

Unabhängig von der Sehschwäche gilt: Fahrer müssen selbst einschätzen, ob sie sehtechnisch in der Lage sind, ein Auto zu führen, sagt Brückmann. Traut man sich das nicht mehr zu, gibt es Alternativen: "Der Augenarzt kann in solchen Fällen eine Bescheinigung ausstellen, die den Fahrer zum Führen eines Mofa-Fahrzeuges berechtigt", erklärt die Expertin. Das sind Krafträder, die eine Geschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde nicht überschreiten.

In einigen Städten, darunter Dortmund, Münster und Essen, können ältere Fahrer ihren Führerschein freiwillig gegen Tickets für den öffentlichen Nahverkehr eintauschen. "Wer im Alter schlecht sieht, sollte zumindest einmal darüber nachdenken", sagt Brückmann. In ländlichen Gebieten ohne gutes Nahverkehrsnetz bilden sich oft Fahrgemeinschaften, die ein eigenes Auto verzichtbar machen.

Und auch Radfahren ist laut Roland Huhn, Rechtsreferent des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) selbst bei schlechteren Sehwerten weiterhin möglich. "Schon alleine der geringeren Geschwindigkeit wegen", sagt er. Die Fahrerlaubnis-Verordnung sieht konkrete Grenzwerte nur für Führerscheinklassen vor, nicht aber für Radfahrer.

Theoretisch kann bei unzureichender Sehleistung aber auch das Radeln verboten werden: "Sicheres Radfahren ist unter einer Sehstärke von 0,1 kaum mehr möglich. Unter einem Wert von 0,2 nehmen Unfälle schon zu", sagt Huhn. Deswegen sollten auch Radfahrer regelmäßig einen freiwilligen Sehtest machen.

dpa

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