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Technik-Innovationen nicht immer erst in der Oberklasse

Auto Technik-Innovationen nicht immer erst in der Oberklasse

Das vernetzte Auto macht das Fahren sicherer und angenehmer. Das zeigt sich an einer Welle von Innovationen, nicht nur in der teuren Oberklasse. Abgespeckt wird an anderer Stelle.

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Beim AMG Vision Gran Turismo von Mercedes, der zur IAA bereitsteht, ist jede Menge Hightech zu erwarten. Doch auch untere Klassen werden mit Innovationen aufwarten.

Quelle: Boris Roessler

München. Im James-Bond-Film "Der Morgen stirbt nie" kurvte ein BMW mit leerem Fahrersitz bereits Mitte der 90er durch ein Parkhaus - der Geheimagent lenkte das Auto per Handy vom Rücksitz aus.

Jetzt stellen die Münchner auf der

IAA (Publikumstage: 17. bis 27. September) den neuen 7er vor, der tatsächlich ferngesteuert einparken kann. Autofahrer können sich auf immer mehr hilfreiche Neuerungen freuen - nicht nur in der Oberklasse.

Kommen Erfindungen zuerst immer in der Oberklasse statt im Kleinwagen ins Auto?

Ob Klimaanlage, Airbag, ABS oder EPS - früher waren Innovationen tatsächlich zuerst in der S-Klasse oder den anderen Flaggschiffen zu sehen und erst einige Jahre später dann auch in den billigeren Modellen. Das hat sich geändert: Die technischen Innovationen kommen viel schneller, und manchmal werden sie zuerst in der Mittel- oder in der Kompaktklasse angeboten. Beispiel: Der Notbrems-Assistent von VW kam zuerst im Golf. Der neue 3er BMW hatte plötzlich ein moderneres Navi als der teurere 5er. "So etwas werden wir zunehmend sehen", sagt Christoph Stürmer, Autoexperte der Unternehmensberatung PwC.

Warum?

Jede brauchbare Neuerung hebt das Image einer Marke - und die Kunden sind ungeduldig. "Ein Hersteller kann es sich nicht mehr leisten, mit einer neuen Technik zu warten, bis die neue Oberklasse an der Reihe ist", sagt Auto-Professor Stefan Bratzel von der Fachhochschule für Wirtschaft in Bergisch-Gladbach. Sobald ein neuer Technik-Baustein fertig ist, wird er eingebaut.

Schwindet der Innovationsvorsprung der Oberklasse?

Für das automatisierte Fahren sind hochwertige Sensoren und Kameras notwendig, die zum Beispiel Verkehrszeichen erkennen. Vieles davon ist noch zu teuer für das Massensegment. Bei vielen Funktionen, die das Autofahren sicherer oder komfortabler machen, seien die Premiumhersteller weit vorn, sagt Stürmer. Und auch wenn zum Beispiel die Klimaanlage inzwischen Standard ist, bleibt Spielraum für feine Unterschiede, etwa durch individuelle Sitzklimatisierung und edle Auslassdüsen.

Gibt es unterschiedliche Strategien?

Die Volumenhersteller versuchen, sich mit neuen Produkt-Ideen von der Konkurrenz abzuheben, sagt Stürmer. Beispiele: Opels Kompaktvan Zafira oder die kleinen SUVs. Hier gehe es um Nutzwert, das Platzangebot oder die Fahrzeugsilhouette. Bei den Premium-Autos blieben die Fahrzeug-Konzepte eher gleich, aber unzählige Neuerungen machten sie für die Insassen sicherer und angenehmer.

Was sind die Treiber der Innovation?

Das vernetzte und effiziente Auto sind große Themen, sagt Bratzel. Kundenwünsche und gesetzliche Vorgaben machen Druck. So haben das Internet und die Erwartung der Kunden, ihr Smartphone auch im Auto nutzen zu können, völlig neue Möglichkeiten eröffnet. Jetzt kommen neue Sicherheitssysteme wie Volvos Kreuzungs-Assistent oder der Fahrunfähigkeits-Assistent im VW Passat, größere Bildschirme im Audi oder die Gestensteuerung im 7er-BMW. Und mit den technischen Möglichkeiten werden auch die Vorgaben strenger. So kann ein Auto ohne Notbrems-Assistent beim EroNCAP-Crashtest ab nächstem Jahr keine fünf Sterne mehr bekommen. Die einzelnen Schritte sind klein, aber über ein paar Jahre betrachtet werde sich ein gewaltiger Fortschritt ergeben, sagt Bratzel. In Pilotprojekten fahren Autos heute schon allein über die Autobahn.

Und was tut sich beim Antrieb?

Wegen der Klimaschutz-Vorgaben entwickeln die Hersteller Hybrid- und Elektroautos. Vor allem aber sinkt der Spritverbrauch der millionenfach verkauften Benzin- und Dieselfahrzeuge: Die Motoren werden immer sparsamer. Die Autos werden nicht mehr schwerer, sondern wieder leichter. Und sogar die Reifen laufen besser.

Ein Automodell wird alle sieben Jahre erneuert, galt bisher als Faustregel - wird das Tempo jetzt höher?

Das muss nicht sein. Um ein Auto stärker oder sparsamer zu machen, hätte ein Hersteller früher einen neuen Motor einbauen müssen. Heute genügt oft eine Verbesserung der elektronischen Steuerung. War ein Facelift nach drei Jahren oft nur kosmetischer Art, können jetzt jederzeit technische Nachbesserungen vorgenommen werden. Per Online-Update kann das Auto mit neuen Funktionen aufgerüstet werden - Tesla macht das vor.

Wie innovativ sind die deutschen Autobauer im Vergleich?

Sie sind über alle Technikfelder hinweg relativ weit vorne, sagt Bratzel. Beim Hybrid-Auto ist Toyota gut unterwegs. Mit Blick auf das vernetzte und autonom fahrende Auto erwartet er aber einen "Kampf der Welten zwischen den traditionellen Autoherstellern und der Big-Data-Welt der Apples, Googles und Alibabas". Bis 2025 werde die Entscheidung fallen.

dpa

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