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Käfer für Genießer - Vor 60 Jahren kam der Karmann Ghia

Verkehr Käfer für Genießer - Vor 60 Jahren kam der Karmann Ghia

Er war nicht das wichtigste, aber wahrscheinlich das schönste Auto des Wirtschaftswunders: Vor 60 Jahren hat VW den Karmann Ghia präsentiert. Die elegante Linie des Käfer Coupés gehört längst zum Designerbe der Deutschen - nur der Name bereitet immer noch Probleme.

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Raum zum Atmen: Der kleine 1,2-Liter-Boxermotor leistet magere 22 kW/30 PS.

Quelle: Thomas Geiger

Osnabrück. Monaco, St. Tropez oder wenigstens St. Moritz? Es gibt prominentere Orte für die Präsentation eines eleganten Sportwagens als Georgsmarienhütte. Doch das Coupé, das vor 60 Jahren im Ballsaal des Kasino-Hotels der Öffentlichkeit gezeigt wurde, ist ja kein luxuriöser Sportwagen.

Seine filigrane Form steht nicht für mondänen Luxus. Auf der Bühne stand an diesem 14. Juli ein Auto, dessen Herkunft gewöhnlicher kaum sein könnte. Der Star war ein Coupé auf Basis des Käfers, der neue Karmann Ghia. So simpel die Technik und so bescheiden die Fahrleistungen des Zweitürers mit der pausbackigen Front, den ausgestellten Kotflügeln und dem filigranen Dach sind, so steil klettern die Fertigungszahlen. Insgesamt kommt der intern Typ 14 genannte Karmann Ghia laut VW-Classic-Sprecher Eberhard Kittler auf rund 450 000 Exemplare. Bis Karmann in Osnabrück 1974 die Bänder abschaltete, wird er damit zu einem der erfolgreichsten Coupés aus Deutschland.

Begonnen hat die Geschichte des Coupés in einer Garage in Paris. Dort hat Wilhelm Karmann im Oktober 1953 am Rande des Pariser Salons den VW-Managern einen Prototypen gezeigt, den sein Freund Luigi Segre entworfen hatte. Der war Ingenieur und Chef des italienischen Designstudios Ghia und hatte offenbar den Geschmack des eher nüchternen VW-Generalbevollmächtigten Heinrich Nordhoff getroffen.

In Wolfsburg wird daraufhin aus dem noch etwas rustikalen Prototypen binnen zwei Jahren das Serienmodell. Schon ein paar Jahre früher hatte Karmann mit den Wolfsburgern vergeblich über ein offenes Auto verhandelt und die Idee auch nach der Freigabe für den Typ 14 nicht aufgegeben. Der Chef des Fertigungspartners bohrte so lange weiter, bis er auch ein Ghia Cabrio genehmigt bekommt. Das startet 1957 und macht am Ende knapp ein Viertel der Produktion aus.

14 Jahre später gibt es auch noch einen großen Karmann Ghia, der als Typ 34 auf Basis des VW 1500 entwickelt und für 8750 Mark als teuerster VW seiner Zeit verkauft wird. Aber mit 42 510 Exemplaren in acht Jahren kommt er nie an den Erfolg des Originals heran und wird 1969 ersatzlos eingestellt.

Der Typ 14 steigt im Volksmund früh zum Hausfrauen-Porsche auf. Wo der Käfer das bürgerliche Familienauto gibt, zeigt VW den Karmann als vornehme Alternative für die Frau aus besserer Gesellschaft. So beginnt mit dem anfangs rund 7500 Mark teuren Zweitwagen-Coupé schon in den 1950ern der Aufstieg der Marke Volkswagen.

Doch mehr als die elegante Form, den italienischen Namen und vielleicht noch die tiefe Sitzposition hat das Coupé mit einem Sportwagen nicht gemein. Wie auch, wenn im Heck vier flach montierte Zylinder aus 1,2 Litern Hubraum gerade einmal 22 kW/30 PS boxen und ein Drehmoment von 78 Nm entwickeln. Da muss man für den "Sprint" bis 100 km/h schon mal eine halbe Minute einplanen und zufrieden sein, wenn sich die weiße Tachonadel im spartanischen Cockpit nach einer gefühlten Ewigkeit bei maximal 116 km/h einzittert.

Joachim kann davon ein Lied singen: Der Mediziner aus Oberhessen fährt einen der allerersten Karmann Ghia und ist damit zumindest im Sommer noch heute fast jedes Wochenende unterwegs. Allerdings eher gemächlich. "Denn eilig darf man es mit dem Schmuckstück nicht haben", sagt er und erzählt davon, wie ihn auf der Autobahn selbst die Lastwagen überholen. Schließlich hat er es kaum mehr über Tempo 100 geschafft, seit er sein Auto von 1955 hat restaurieren lassen.

Dass er es trotzdem so sehr schätzt, liegt nicht allein daran, dass es als eine Art Erbstück vom ersten Tag an in der Familie durchgereicht wurde. Der Mediziner hat den Typ 14 auch ohne die persönliche Geschichte als idealen Klassiker kennengelernt. "Weil die Technik aus dem Käfer stammt, ist die Teileversorgung relativ einfach", sagt er: "Und weil das Gros der Produktion in die USA verkauft wurde und die Szene dort aktiver ist als in Deutschland, gibt es im Internet fast jedes Teil, wahlweise original oder neu nachgefertigt."

Einen ausrangierten Ghia wieder fahrfähig zu machen, sei deshalb eine vergleichsweise leichte Übung. Nur wenn es an die Bleche geht, kann es teuer werden. Anders als bei modernen Fahrzeugen besteht die schmucke Karosserie des Karmann Ghia aus einem Stück. Deshalb kann man keine Einzelteile austauschen, sondern muss immer schweißen. Und wenn das schön aussehen soll, kostet das.

Dabei gibt es fahrfähige Autos schon für unter 5000 Euro und extrem gut erhaltene Exemplare mit einer besonderen Geschichte oder die etwas teureren Cabrios brächten es kaum je über 50 000 Euro. Aber damit ist es nicht getan. Bis ein Auto so gut in Schuss ist, wie das schwarze Schmuckstück aus Oberhessen, muss man schnell noch einmal den Kaufpreis allein für den Karosseriebau aufwenden.

Trotzdem ist der Ghia heute wie damals ein zutiefst bürgerliches Auto, sagt der Sammler. Das entlaste nicht nur den Geldbeutel, sondern hebe auch die Stimmung bei den vielen Treffen der mit knapp 3000 zugelassenen Fahrzeugen allein in Deutschland relativ regen Szene. Wo die Besitzer anderer, oft millionenschwerer Nachkriegslegenden wie dem Mercedes SL und den frühen Porsche 356 und 911 bisweilen ein wenig versnobt und elitär auftreten würden, sitzen im Karman Ghia "meist Menschen wie Du und ich", sagt der Sammler.

Und auch bei Passanten kommt das Coupé gut an. Sie begegnen ihm mit einem Lächeln im Gesicht, wollen Fotos machen und stellen Fragen. Joachim macht das nichts aus, gerne lässt er sie in den schlicht möblierten Innenraum schauen. Nur eines kann er nicht leiden: Wenn sie den Typ 14 beim falschen Namen nennen. "Wenn einem G ein H folgt, wird es im Italienischen hart gesprochen, man sagt ja auch nicht Spadschetti", hilft er bei der Lautmalerei. "Nennen Sie den Karmann Ghia also bloß nie Dschia".

dpa

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