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Eine Odyssee: 600 Kilometer mit dem e-Auto

Fahrt zur Oma Eine Odyssee: 600 Kilometer mit dem e-Auto

Über fünf Stunden ist Andreas Pankau unterwegs, um seine Großmutter im mecklenburgischen Malchow zu besuchen. Etwa 300 Kilometer legt er mit dem e-Auto für eine Strecke zurück und weiß am Ende des Tages: Solche Entfernungen sind eine „harte Nummer.“

Ankunft in Malchow: Andreas Pankau geht mit seiner Oma Gertrud Mittagessen. Dann fährt er zurück nach Leipzig.

Quelle: Andreas Pankau

Leipzig/Malchow. Montag, 7.30 Uhr: Andreas Pankau fährt mit dem Elektroauto heute nach Mecklenburg-Vorpommern. Die Oma in Malchow erwartet den Enkel zum Mittagessen. Die Strecke von etwa 300 Kilometern soll der e-Golf meistern. Zum Start gibt die digitale Anzeige eine Reichweite von 260 Kilometern an. Tanken will der Fahrer das erste Mal in Neuruppin. „Theoretisch hätte die Ladung bis dahin gereicht.“

Doch dann schaltet Pankau die Klimaanlage ein, fährt auf der Autobahn 120 km/h. Sofort verringert sich die Reichweite auf 220 Kilometer, während der Fahrt geht die Anzeige weiter nach unten. Dem Testfahrer wird klar: „Das ist zu ungewiss, ich muss schon vorher irgendwo tanken.“ Über das Navigationsgerät des e-Golfs lässt er sich die nächstgelegene Ladestation anzeigen. Es ist der Autohof Linthe an der A9. Pankau lobt diese Funktion: „Es ist sehr schön, dass das Navi die nächsten Ladepunkte anzeigt.“

Erster Halt auf dem Autohof in Linthe

Kurz nach 10 Uhr: Andreas Pankau erreicht den Autohof. 117 Kilometer ist er bisher gefahren, der Akku der Elektroautos ist noch zur Hälfte voll. Vor Ort registriert der 38-Jährige das nächste Problem: Der Parkplatz ist besetzt, zehn Minuten muss er warten, dann gibt der andere Fahrer die Ladesäule frei. Sie wird von dem Energieversorger RWE betrieben. Dafür hat Pankau keine Zugangskarte, auch das Laden über eine App, die er sich auf dem Handy installiert, funktioniert nicht. Ein Anruf bei der Kundenhotline bringt die Lösung. Die Säule wird für ihn frei geschaltet.

Erster Tank-Stopp auf der Tour

Erster Tank-Stopp auf der Tour: der Autohof Linthe an der A9.

Quelle: Andreas Pankau

Über die Schnellladefunktion, das so genannte CCS-System, lädt der Akku innerhalb einer halben Stunde voll auf. Eine Stunde Strom tanken, kostet hier 15 Euro. „Relativ teuer“, findet Pankau. Bei diesem Preis ergeben sich durchschnittliche Kosten von sieben Euro auf 100 Kilometer. „Soviel verfahre ich mit meinem Diesel jetzt auch ungefähr.“

Fahrzeit verdoppelt sich mit dem e-Auto

40 Minuten später steuert Pankau das Auto auf die A 10, 147 Kilometer ist er bisher gefahren, drei Stunden war er dafür unterwegs. „Mit meinem Auto wäre ich jetzt schon in Malchow“, sagt er. „Die Fahrzeit verlängert sich mit dem e-Auto deutlich.“ Noch 160 Kilometer Fahrweg liegen vor ihm. Über die Autobahn fährt der e-Golf auch nicht leiser als ein normales Auto, hat der Tester festgestellt. Die Rollgeräusche seien deutlich zu hören. Leiser ist das e-Auto nur bei geringer Geschwindigkeit.

Nächster Zwischenstopp: Treskow bei Neuruppin. Hier lädt Pankau das Auto ein zweites Mal. Im Vorfeld hat er sich die Intercharge-App auf dem Handy installiert, mit der er die Ladesäule ohne Probleme frei schalten kann. Bezahlt wird per Paypal. „Ohne Smartphone hat man auf jeden Fall ein Problem“, so der Fahrer. Die meisten Ladestationen lassen sich unter anderem via App bedienen. Hier kosten 30 Minuten Schnellladen zwölf Euro. Es ist der letzte Ladepunkt vor dem Wohnort seiner Oma. Rings um Malchow gibt es keine weiteren Ladesäulen, die der Tester ansteuern kann. Das e-Auto muss jetzt 180 Kilometer ohne tanken schaffen. Es wird spannend.

Zwischenhalt Nummer zwei in Treskow bei Neuruppin

Zwischenhalt Nummer zwei in Treskow bei Neuruppin: Hier tankt Pankau nochmal auf.

Quelle: Andreas Pankau

Um zu sparen, rollt Pankau ab jetzt im Eco-Modus bis Malchow, dabei fährt das e-Auto maximal 120 km/h. 12.30 Uhr: Andreas Pankau erreicht das Haus seiner Oma. 5 ½ Stunden war er von Leipzig aus unterwegs, ohne Stau. Etwa die doppelte Reisezeit im Vergleich zu seinem Audi. 90 Kilometer kann er jetzt noch fahren.

Mit seiner Oma Gertrud (91) fährt er mit dem e-Golf in ein Restaurant in der Innenstadt, will dort noch einmal Strom an einer gewöhnlichen Steckdose tanken. „Am besten, man hat immer eine Kabeltrommel dabei“, überlegt der Testfahrer. Doch das Laden an der Haushaltsdose funktioniert nicht. „Irgendwas hab ich falsch gemacht.“ Normalerweise geht Pankau mit seiner Großmutter im Anschluss noch eine Runde spazieren. Doch das fällt diesmal aus. Der Leipziger muss zurück nach Hause.

Rückfahrt bringt Probleme mit sich

15.30 Uhr: Pankau rollt wieder gen Süden, stoppt er erneut in Treskow bei Neuruppin. Doch diesmal hat er Probleme mit der Ladesäule, ruft schließlich die Servicenummer an. „Ich stehe hier in der Pampa, was nun?“ Doch auch dort kann ihm niemand helfen. Pankau wiederholt den Ladevorgang, diesmal funktioniert das Prozedere, der e-Golf bekommt frischen Saft aus der Steckdose.

284 Kilometer sollte das Auto jetzt schaffen, auf der Autobahn reduziert sich die Reichweite dann erneut um 60 Kilometer. Das müsste knapp bis Leipzig reichen, rechnet Pankau aus. Er geht jetzt auf Nummer sicher und stellt den Eco-Plus-Modus des Golfs ein. Nun rollt das Auto mit nur noch 95 Kilometern pro Stunde über die Autobahn, mitten zwischen den Lkw.

Reicht der Strom noch bis nach Hause

Reicht der Strom noch bis nach Hause? Das Display zeigt an, wie viele Kilometer noch drin sind.

Quelle: Andreas Pankau

20.30 Uhr: Mit Strom für gerade noch 20 Kilometer erreicht Andreas Pankau schließlich Leipzig. Drei Mal musste er aufladen, 630 Kilometer ist er am Stück gefahren. Inklusive Laden hat er dafür hin und zurück etwa elf Stunden gebraucht, fast doppelt so lange wie sonst. Pankaus Fazit: Lange Strecken mit einem Elektroauto sind „eine harte Nummer“. Für solche Entfernungen sei das System bisher nicht geeignet. „Es müsste mehr Ladesäulen geben.“ Und: Billiger ist das e-Auto ebenfalls nicht. Sein Diesel kostet im Verbrauch genauso viel wie der e-Golf.

Noch mehr rund um die e-Mobilität lesen Sie auf unserer Themenseite.

Von Gina Apitz

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