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Mit dem e-Golf zur Arbeit: Tester Pankau fährt täglich 160 Kilometer

Pendeln mit dem Elektroauto Mit dem e-Golf zur Arbeit: Tester Pankau fährt täglich 160 Kilometer

Andreas Pankau pendelt fast täglich 80 Kilometer zur Arbeit ins Klinikum nach Chemnitz, wo er als Oralchirurg angestellt ist. Zum Glück kann er vor Ort Strom laden und muss dafür nicht mal etwas bezahlen.

Der e-Golf vor der Klinik in Chemnitz. Hier kann Testfahrer Andreas Pankau gratis Strom tanken.

Quelle: Andreas Pankau

Leipzig/Chemnitz. Rückblick: Bevor die Testwoche startet, schildert Andreas Pankau seine Erwartungen: „Wenn die Fahrt zur Arbeit tadellos funktioniert, wäre das eine prima Sache.“ Am Dienstagmorgen ist es soweit. Der Zahnarzt fährt das erste Mal zur Arbeit ins Klinikum nach Chemnitz. Über Nacht hat er das e-Auto am Naturkundemuseum frisch aufgetankt. 5.30 Uhr am Morgen startet er Richtung Süden. Mit 120 km/h geht es über die Landstraße, mit 140 km/h und Tempomat über die Autobahn. 21 Kilowatt Strom pro Stunde verbraucht der e-Golf auf der Tour nach Chemnitz. „Die Hinfahrt frisst mehr, weil es leicht und beständig bergauf geht“, stellt Pankau fest.

Beim Stromverbrauch spielt auch die Temperatur eine entscheidende Rolle: Acht Grad Celsius zeigt das Thermometer an diesem Frühlingsmorgen an. „Bei niedrigen Temperaturen wäre die Akkuleistung viel schlechter“, weiß der Testfahrer. „Wenn im Winter in Chemnitz minus zehn Grad sind, ist der Akku wahrscheinlich schnell runter.“

Pankau kann das e-Auto am Krankenhaus laden

84 Kilometer legt Pankau bis zum Klinikum zurück. Das Display des e-Golfs zeigt nun noch eine Reichweite von 75 Kilometern an. Wenn er im Sparmodus mit nur 95 km/h fahren würde, könnte er es knapp bis zurück nach Leipzig schaffen, ist er überzeugt. „Darauf wollte ich mich aber nicht verlassen.“ Da das Krankenhaus keine Stromtankstelle hat, fragt er an, ob er das Auto an einer normalen Steckdose laden kann. „Das hat unkompliziert geklappt“, freut sich Pankau. „Das Klinikum war da sehr entgegenkommend.“

Einmal auftanken bitte

Einmal auftanken bitte. Das e-Auto kann Pankau am Klinikum kostenfrei laden.

Quelle: Andreas Pankau

Der Zahnarzt bekommt einen festen Stellplatz zugewiesen, darf dort gratis Strom tanken. Normalerweise müsste er das Auto 17 Stunden an eine Haushaltssteckdose hängen. Nur dank des Adapters im VW-Ladekabel geht es schneller. „Nach acht Stunden müsste es aufgeladen sein“, schätzt Pankau. Während seines Arbeitstages schafft er genau eine Ladung. Normalerweise beginnt sein Dienst 6:45 Uhr mit der Visite und endet 15.15 Uhr. Heute hat der Zahnarzt jedoch eine 24-Stunden-Schicht vor sich, verlässt das Krankenhaus erst am nächsten Morgen. Das heißt: noch mehr Ladezeit für das e-Auto.

Krankenhaus hatte schon mal ein e-Auto

Ganz neu ist das Thema e-Mobilität für das Klinikum nicht: Das Krankenhaus hatte sich vor fünf Jahren schon mal ein eigenes Elektroauto zugelegt. „Nach einem Defekt und dem Konkurs des Herstellers musste der Langzeittest aber abgebrochen werden“, so Kliniksprecher Uwe Kreißig. Demnächst soll erneut ein kleines Elektrofahrzeug eines deutschen Herstellers bestellt und künftig für Kurier- und Transportfahrten zwischen den Klinikkomplexen genutzt werden. „Ziel ist, die Schadstoffemissionen im Klinikumsgelände zu senken“, erklärt Kreißig.

Dass ihm die Klinik für die Testwoche den Strom umsonst überlässt, freut Pankau. Ob das aber dauerhaft das Fall wäre, bezweifelt er. In Chemnitz ist die nächste Ladestation etwa dreieinhalb Kilometer vom Krankenhaus entfernt. Dort kostet Aufladen 27 Cent pro Kilowattstunde, bei dem 35-Kilowatt-Akku des Autos würde einmal Vollladen drei Stunden dauern und knapp zehn Euro kosten. Wenn er die Ladestation nutzen will, müsste Pankau das Auto morgens erst dorthin fahren und dann drei Kilometer bis zur Klinik laufen. „Nicht praktikabel“, befindet er.

Gesprächsthema unter Kollegen

Gesprächsthema unter Kollegen: der e-Golf, den Andreas Pankau eine Woche lang fährt.

Quelle: Andreas Pankau

Unter den Kollegen sorgt der e-Golf indessen für Aufsehen. Einige Neugierige werfen gemeinsam mit Pankau einen Blick unter die Motorhaube, fragen nach, wo der Akku verbaut, wie groß die Reichweite ist. Dass er im Schnitt nach 200 Kilometern tanken muss, stößt auf Verwunderung. Mindestens 400 Kilometer sollten doch drin sein, heißt es. „Einer meiner Kollegen hat das Elektroauto mit den Kutschfahrten von damals verglichen“, erzählt Pankau und lacht. „Früher mussten die Pferde ja auch Pausen machen, um sich zu erholen.“

Rückweg geht leicht bergab und verbraucht weniger Strom

An diesem Dienstag schließt Pankau den e-Golf 15 Uhr an die Steckdose des Krankenhauses an und stöpselt ihn am nächsten Morgen vollgeladen wieder ab. Die Anzeige gibt jetzt eine Reichweite von 285 Kilometern an. Pankau fährt jetzt zügig zurück nach Hause. Diesmal im Batteriemodus, bei dem sich der Akku durch die zurück gewonnene Bremsenergie wieder etwas auflädt. Der Verbrauch liegt bei etwa 18 Kilowattstunden auf 100 Kilometer, etwas weniger als bei der Hinfahrt, weil es jetzt leicht bergab geht. Reichweite in Leipzig: 117 Kilometer.

Pankau weiß, dass er nun bald wieder an die Ladesäule muss. Doch was ist, wenn am Naturkundemuseum mal keine Box frei ist? Bequemer wäre eine feste Tankstelle zu Hause. Dafür müsste sich der Leipziger am besten eine Wallbox installieren, die mit 400 bis 600 Euro zu Buche schlägt. Doch hier taucht das nächste Problem auf: Der Zahnarzt hat keinen festen Stellplatz, nur einen Anwohnerparkausweis. Theoretisch könnte er ein Kabel aus seiner Wohnung im ersten Stock nach unten legen. „Aber was mache ich, wenn es regnet?“, wirft Pankau ein. Außerdem könnten Fremde jederzeit den Stecker ziehen oder sich einfach einstöpseln. „Der Stecker ist ja nur auf der Seite des Autos blockiert, nicht auf der anderen.“

Mehr zum Thema e-Mobilität lesen Sie auf unserer Themenseite.

Von Gina Apitz

Chemnitz, Flemmingstraße 2 50.845118 12.887009
Chemnitz, Flemmingstraße 2
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