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Theater der Jungen Welt inszeniert Geschichten von Zuhause

Wer lebt hier eigentlich? Theater der Jungen Welt inszeniert Geschichten von Zuhause

Entdeckungstour durch drei Räume: Wer am Theaterprojekt „Homestorys“ teilnimmt, kann tiefgehende Blicke in das Zuhause anderer Menschen werfen – und dabei vor allem sich selbst sehen.

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Hereinspaziert: Drei sehr unterschiedliche Räume und ihre drei Bewohner gilt es beim Theaterprojekt „Homestorys“ zu entschlüsseln.

Quelle: Stefan Hoyer

Ein karges Zimmer, Bett, Spind, Stuhl, sonst nichts. Daneben ein kunterbunt eingerichteter Raum, knallroter Boxsack an der Decke, Schachbrettmuster auf dem Boden. Hinter der dritten Tür ein Wohnzimmer wie eine Zeitreise – mit Schrankwand, Sofa und Landschaftsgemälde. Drei Räume in einer Wohnung – aber wer lebt hier eigentlich? Und wie?

Diesen Fragen geht das Theater der Jungen Welt im Projekt „Homestorys“ nach. Mit den Theaterpädagogen der „Jungen Wildnis“ besuchen Jugendgruppen bei diesem Projekttag eine Hochhaus-Wohnung in Grünau und finden heraus, welche Geschichten die Wohnräume über ihre Bewohner erzählen. Die Meinungen dazu gehen auseinander, sie sind so vielseitig wie die Teilnehmer selbst. „Einer findet beispielsweise, dass Frauen es sich eher gemütlich machen, ein anderer antwortet: ‚Hier gibt es gar kein Pink, hier kann keine Frau wohnen“, erläutert Theaterpädagoge Roland Bedrich. „Wir entdecken in der Diskussion auch, wie Vorurteile unsere Wahrnehmung lenken.“ Was sagt ein Raum eigentlich über seine Bewohner aus? Wie könnte das Zusammenleben so augenscheinlich unterschiedlicher Menschen in der Wohngemeinschaft aussehen?

Einfach wird es den Jugendlichen nicht gemacht: In jedem Zimmer findet sich mindestens ein Element, das so gar nicht ins Klischee passen will – hier sind ein genauer zweiter Blick und Detektivarbeit gefragt. „Die Jugendlichen sind dabei ganz offen und gucken sich neugierig um. Die meisten Vorurteile haben eher die Erwachsenen.“ 

Mit ihren ersten und zweiten Eindrücken füllen die Projektteilnehmer dann die Wohnung mit Leben – sie werden zu den Mitbewohnern, ziehen für den Moment in ihre Zimmer ein, erzählen ihre Geschichten, tragen ihre Konflikte aus. Dabei geht es nicht nur um die Charaktere selbst, sondern auch um Mechanismen des Zusammenlebens. „Wohnen wird immer dann politisch, wenn es verschiedene Interessen gibt, die ausgehandelt werden müssen“, so Bedrich. Darüber wird geredet: Wie funktioniert eine demokratische Abstimmung und ist sie immer gerecht? Wo beginnt ein gewaltsames Durchsetzen der eigenen Interessen? Und wer hat hier eigentlich welche Macht?

All diese großen Themen sind nah an der Lebensrealität der Jugendlichen, die zumeist entweder mit den Eltern oder Mitbewohnern zusammenwohnen. Was nehmen sie also mit aus diesen vier Wänden? Im besten Fall eine gute Diskussion, ein paar Fragen zur eigenen Wahrnehmung und vielleicht etwas besseres Verständnis für die der anderen.

Zehn solche „Homestorys“ wurden seit der Premiere am 27. April schon gespielt. Auf Anfrage können Gruppen mit Teilnehmern ab 14 Jahren die Theaterwohnung in Grünau besuchen und selbst herausfinden, wer hier lebt.

Wohnlich bleibt es im Theater der Jungen Welt das gesamte Jahr über, denn das Thema „Zuhause“ liegt über allen Projekten der „Jungen Wildnis“. So erzählen sechs Amateurgruppen in der Clubwoche vom 21. bis 25. Juni ihre Geschichten von Zuhause. Das vollständige Programm und weitere Infos sind auf der Website des Theaters unter www.theaterderjungenweltleipzig.de zu finden.

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