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Wohnen auf Rädern: Der "Tiny House"-Trend ist in Deutschland angekommen

Kleines Haus, große Freiheit Wohnen auf Rädern: Der "Tiny House"-Trend ist in Deutschland angekommen

Erst die USA, jetzt auch Deutschland: Die "Tiny House"-Bewegung kommt ins Rollen. Nach dem Motto „heute hier, morgen dort“ erlaubt das Wohnen im mobilen Minihaus, den Wohnort einfach und schnell zu wechseln. Leopold Tomaschek veröffentlicht eine deutsche Bauanleitung und Sebastian Pfeil baut Bauwagen in Leipzig um.

Tiny House mit Dachterrasse: Sebastian Pfeil baut in Leipzig Bauwagen zu individuellen Lebensräumen um.

Quelle: Dirk Knofe

Die große Freiheit auf kleinstem Raum – das macht die Häuser im Miniformat zu einem Wohntraum. Einen, den auch Schüler Leopold Tomaschek im beschaulichen Ort Pommoissel bei Lüneburg träumt. Mit gerade einmal 17 Jahren baut er ein eigenes Tiny House – zusammen mit seiner Freundin. „Die Idee dazu war eigentlich ein Scherz meiner Freundin. Sie schlug vor, dass ich für ein Schulprojekt doch ein Tiny House bauen sollte. Das war die Initialzündung“, erinnert er sich.

Aus diesem Scherz ist inzwischen ein leuchtend blaues Häuschen auf Rädern geworden. Der Rohbau ist fertig, die Elektrik verlegt, die Dämmung verbaut. „Es stehen nur noch der Innenausbau und Detailarbeit an.“ Bis auf den Anhänger hat der Abiturient alles selbst geplant und gebaut. „Dadurch werde ich insgesamt wohl mit 10 000 Euro für das Haus auskommen“, sagt er. Neben der flexiblen Gestaltung und Mobilität ist dies ein weiterer Vorteil der Minihäuser: Sie bleiben in der Regel auch bei „Minikosten“.

Leopold Tomaschek vor seinem Tiny House.

Quelle: Katharina Tomaschek

Deutschsprachige Bauanleitung

Im Sommer 2017 wollen Leopold Tomaschek und seine Freundin einziehen. Seine Erfahrungen bis dahin teilt er auf seinem Blog und in einem Buch – es wird eine Bauanleitung und praktische Tipps wie Bezugsquellen und relevante Websites enthalten. In dieser Art gibt es das in deutscher Sprache noch nicht – genau das aber möchte der Minihäuslebauer: „Von Anfang an war mein Ziel, mit meinem Projekt auch die Bewegung bekannter zu machen.“

Wohnen auf Rädern in Leipzig

Bis nach Leipzig ist das Phänomen Tiny House jedenfalls schon gekommen. Seit zwei Jahren baut Sebastian Pfeil mit seinem Team von „Rolling Homes“ Bauwagen zu mobilen Lebensräumen um. Dabei arbeitet der Tischlermeister mit Holz – ein fantastischer Rohstoff, gut für das Raumklima und richtig fürs Gefühl, findet er. Außerdem sei Holz ein vielseitiger und nachhaltiger Baustoff, den er aus Leipzig und der Umgebung beziehen kann.

Wie entsteht daraus ein Tiny House? Vor allem im Team. „Jeder Wagen ist ein absolutes Unikat“, so Pfeil, „das entwickelt sich über die drei- bis viermonatige Bauzeit in Gesprächen mit dem Kunden. Man macht das gemeinsam.“ Genau darin liegt für Sebastian Pfeil auch der Reiz am Bauen der rollenden Häuser: „Ich habe zwei Azubis hier und mag es, jeden Tag herzufahren und mit ihnen etwas Neues zu entwickeln. Wir haben Spaß daran und am Ende kommt ein schönes und individuelles Haus für den Kunden raus.“

Und wer wohnt in einem solchen Wagen? Das seien derzeit vor allem drei Gruppen: So liefert Sebastian Pfeil deutschlandweit Häuschen an Waldkindergärten, einen Biobauernhof hat er mit Ferienwohnungen versorgt und Privatleute mit ganzjährig bewohnbaren Tiny Houses.

Ein Blick ins Zuhause auf Rädern.

Mini-Haus mit Maxi-Komfort: ein Blick ins Innere des Zuhauses auf Rädern.

Quelle: Dirk Knofe

Wohn(t)raum für Naturfreunde

Das Wohnen im kleinen Haus auf einem Anhänger – das ist auch eine Frage des Lifestyles und der Überzeugung. Im innerstädtischen Bereich einer Großstadt siedelt sich der Tiny-House-Besitzer eher nicht an. Ländliches Leben ist meist das Ziel. Und das mit Bedacht: „Man zementiert eben nicht ein Stück Natur mit dem Fundament ein“, erläutert Sebastian Pfeil. „Die Natur kann um den Wagen herum sprießen, der Igel kann drunter kriechen... Unterm Strich lebt man also mobil in der Natur, ohne sie dabei zu verschandeln.“

Dieser umweltfreundliche Aspekt des Wohnens liegt auch Leopold Tomaschek am Herzen. „Es ist ein gesundes Haus mit einem enorm kleinen CO2-Abdruck. Ich möchte mit meinem Projekt auch ein ökologisches und soziales Statement gegen unsere ressourcenausbeutende Konsumgesellschaft setzen“, sagt er. Dazu passt, dass eben nicht viele Besitztümer in ein Kleinsthaus passen. Ausmisten, Reduzieren und auf das Wesentliche besinnen sind vor dem Einzug gefragt.

Unabhängig und umweltfreundlich – für Naturfreunde erscheint das mobile Tiny House als perfekter Lebensraum. Das mag sicher nicht für jeden passen, aber genau darum geht es ja: Freiheit und Individualität.

Weitere Informationen unter:

www.tinyhouse-wanderlust.com

www.rollinghomesleipzig.tumblr.com

Juliane Groh

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