Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -7 ° heiter

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Genie im Kinderzimmer: Was sich mit Hochbegabung verändert

Gesellschaft Genie im Kinderzimmer: Was sich mit Hochbegabung verändert

In Bonn trifft sich in diesen Tagen der deutsche Ableger des weltweiten Vereins "Mensa" - ein Zusammenschluss hochbegabter Menschen. Sehr schlau zu sein macht das Leben einfacher, könnte man meinen. Oft wird es aber erstmal komplizierter.

Voriger Artikel
Den roten Knopf drücken: Notrufsysteme für Senioren
Nächster Artikel
Spielen unter Gleichen - Flüchtlingskinder in der Kita

Hochbegabte Kinder haben es nicht immer einfach.

Quelle: Inga Kjer

Bonn. Wenn man Heinz Reinders fragt, woran es liegt, dass viele bei Hochbegabten nicht nur brillante Gedankengänge sondern auch allerlei psychologische Auffälligkeiten vermuten, antwortet er prompt: "An Sheldon Cooper."

Der Bildungsforscher von der Uni Würzburg hat sich schwerpunktmäßig mit Hochbegabung beschäftigt. An ihrer Darstellung in Filmen und Serien lässt er kein gutes Haar - etwa an der Figur des ebenso genialen wie nervtötenden Physikers Sheldon Cooper in der erfolgreichen Sitcom "Big Bang Theory".

"Wenn in Filmen und Serien ein Hochbegabter schnell erkennbar sein soll, wird er in der Regel mit sozialen Stigmata belegt. Er ist sozial inkompetent, er versteht keinen Humor oder nur seinen eigenen, sehr schrägen", sagt Reinders. Er widerspricht so einem Bild vehement: "Hochbegabte verfügen über ganz normale sozio-emotionale Kompetenzen."

Dass es das Klischee von Genie und Wahnsinn immer noch gibt, das wissen die Teilnehmer des Deutschland-Treffens von

"Mensa", das noch bis zum Sonntag in Bonn stattfindet, auch. Der Verein betrachtet sich als Zusammenschluss hochintelligenter Menschen. Wer Mitglied werden will, muss bei einem IQ-Test besser abschneiden als 98 Prozent der Bevölkerung.

In Deutschland hat "Mensa" nach eigenen Angaben rund 12 500 Mitglieder. Zu dem Bonner Treffen laden sie aber ausdrücklich alle ein, die einfach Interesse haben, sich den Verein mal genauer anzuschauen. Eine politische Botschaft gebe es nicht, sagt Eva Kalbheim aus dem Organisationskomitee. Aber klar, das Thema Vorurteile komme immer mal wieder auf.

Die Krux an der Hochbegabung ist, dass sie Erwartungen weckt. Manchen Eltern ist gar nicht so wohl bei dem Gedanken, ihr Kind könnte einen sehr hohen IQ besitzen. "Bei Familien, in denen Bildung bislang vielleicht nicht so wichtig war, löst eine festgestellte Hochbegabung mitunter Stress und Sorge aus", berichtet André Jacob, der die Arbeitsstelle Hochbegabung in Berlin leitet. Beispielsweise müssten in den Wohnungen Bedingungen geschaffen werden, die es ermöglichen, mehr für die Schule zu machen.

In anderen Fällen würde die Begabung als schmückendes Etikett betrachtet - ohne die sozialen Folgen für das Kind zu sehen. "Und es gibt eine dritte Gruppe, bei der die Kinder nach festgestellter Hochbegabung durch ihre Eltern unter besonders hohen und permanenten Leistungsdruck gesetzt werden", sagt Jacob. Die britische Forscherin Joan Freeman habe das in einer Studie dokumentiert. Dort habe eine junge Frau berichtet, wie sich ihre Eltern plötzlich verhielten, nachdem ihre Hochbegabung festgestellt worden war. "Was sie auch tat, es war nicht mehr gut genug." Bildungsforscher Reinders stellt aber immerhin fest: "Der Regelfall ist, dass Familien damit gut klarkommen."

Auf der anderen Seite sind manche Eltern so fasziniert vom Gedanken an das Genie im Kinderzimmer, dass sie die Realitäten verkennen. Diplompsychologe Jacob berichtet von einem Fall aus seiner Beratungsstelle. Eine Mutter stellte dort ihren Sohn vor - er sei hochbegabt und verhaltensauffällig. Jacob sprach mit dem Jungen und wurde skeptisch. Schließlich rechnete er die Testergebnisse nach, die eine Kollegin erstellt hatte - sie hatte sich schlicht vertan.

"Das war für die Familie eine herbe Enttäuschung und eine große Desillusionierung", berichtet er. "Der Junge war der Erstgeborene, der auch der Hochbegabte und damit der Durchstarter und Wunscherfüller der Familie werden sollte, der Stern der Familie." Da sei eine ganze Welt zusammengebrochen.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Aktuelles

Gemäß des packenden „Drei in einer Reihe“-Prinzips müssen Reihen aus mindestens 3 Steinen gebildet und aufgelöst werden. Hier kostenlos im Spieleportal von LVZ.de spielen! mehr

  • Belantis - Infos und Events
    Belantis - Infos und Events

    Belantis - das AbenteuerReich im Herzen Mitteldeutschlands. Hier gibt es Neuigkeiten und alle Infos zu den Events! mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr