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Kleckern und klotzen - Burgen-Bau an den Stränden

Familie Kleckern und klotzen - Burgen-Bau an den Stränden

Die korrekte Mischung von Sand und Wasser macht's. Eine Kleckerburg am Strand ist perfekt, wenn der Sand wie Brei durch die Finger läuft und sich zu einem stabilen Tropfenberg mit Türmchen und Zinnen häuft.

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Kein Kunstwerk, aber ein typische Kleckerburg auf Rügen an der Ostsee

Quelle: Stefan Sauer

Zinnowitz. Zum Bauen benötigt man wenig - Wasser, Sand, möglichst gutes Wetter und ein bisschen Geduld. Die Kleckerburg (ohne Werkzeug) und die Sandburg (mit Schaufel und Plasteform) sind  der Klassiker unter den Strandspielen an Ost- und Nordsee. "Die Kleckerburg ist das perfekte Urlaubsglück am Strand", sagt Christina Hoba von der Kurverwaltung des Ostseebades Karlshagen auf der Insel Usedom. "Bauen, buddeln, matschen - dann ist der Familientag gerettet."

Seit der Tourismus vor rund 150 Jahren an den Stränden von Ost- und Nordsee Einzug hielt, wird dort gekleckert und geklotzt. Seit Generationen entstehen Ritterburgen, Krokodile, Kraken oder Schlösser - aus Sand gebaute Konstruktionen mit begrenzter Lebensdauer. "Das Bauen mit meinen Töchtern ruft Erinnerungen an Familienurlaube mit meinen Eltern an der Nordsee wach", sagt der Berliner Elektroingenieur Elmar Gädele am Strand von Zinnowitz. Innerhalb von zwei Stunden errichtete er mit seinen beiden sechsjährigen Töchtern Sina und Tarja eine imposante Wehranlage mit Wassergraben und Zinnen. Sein Profi-Tipp: "Das richtige Werkzeug" und zeigt auf seinen Klappspaten. Von den Töchtern, die die Mauer mit Türmen verzierten, kommt ein anerkennender Blick.

Kindliches Lob schmeichelt beim gemeinsamen Bauen dem elterlichen Ego. Und das Bauen festigt in entspannter Atmosphäre die Familienbande. Frühpädagogen plädieren für den gemeinsamen Kleckerburgen-Bau. "Eltern werden von ihren Kindern in dieser Situation ganz anders gebraucht und wahrgenommen", sagt die Neubrandenburger Professorin für Kindheitspädagogik, Marion Musiol. "Die Kleckerburg ist gelebte Familiengeschichte und bei fast allen Menschen mit positiven Erinnerungen besetzt."

Anders als der Sandkasten biete das Bauen am Strand unbegrenztes Vergnügen. Die Rohstoffe Sand und Wasser stehen hier in unendlichen Mengen zur Verfügung. Sandburgen-Bau sei Spielen ohne Leistungsdruck - meistens. "Die Frustrationstoleranz ist im Urlaub sehr groß", sagt Musiol. Wenn das Bauwerk zusammenstürzt, beginnt man von Neuem.

Inzwischen drängen ausgefallene und größere Plastikformen an die Strände. Mit ihnen können höhere Türme konstruiert werden. Aus zweiteiligen 3D-Sandformen lassen sich stehende Pferde oder sitzende Katzen bauen. "Wenn etwas Neues auf den Markt kommt, geht der Absatz für zwei, drei Jahre in die Höhe", sagt Jürgen Weissleder, Geschäftsführer von Eduplay, einer Großhandelsfirma für Kinderspielzeug im oberfränkischen Lautertal. Dazu zählte zuletzt ein Dinosaurier, bestehend aus zehn kleinen Förmchen, aus denen sich ein T-Rex bauen lässt.

Auch Sandskulpturenausstellungen haben den privaten Bau professionalisiert. "Manch ein Familienvater holt sich bei uns schon Anregungen", sagt schmunzelnd Bianca Lohr von Sculpture Events, die in Heringsdorf und Binz zwei Ausstellungen betreiben. Die Ideen setzt er an der Wasserkante mit seinem eigenen Nachwuchs um. Nicht selten mit eher semiprofessionellem Ergebnis: Denn der Sand in den Skulpturenausstellungen birgt ein Geheimnis. Die Künstler verwenden besonders jungen Sand, der im Gegensatz zum Strandsand noch nicht abgeschliffen ist. Die Körner können sich so verhaken.

Strand- und Badeordnungen setzen in den meisten Badeorten dem Bauboom am Strand aber Limits, um Unfälle zu vermeiden. "Strandburgen dürfen in ihrem obersten Durchmesser nicht größer als 3,50 Meter sein. Das Graben von Löchern und Tunneln ist verboten", heißt es beispielsweise in der Strandordnung des Rügener Ostseebades Binz. Es besteht die Gefahr, dass vor allem nachts Menschen unerwartet in Löcher oder über Sandberge stolpern.

Wie Kurverwaltungsmitarbeiterin Marikke Behrens sagte, laufe aber niemand mit einem Maßband herum. In der Regel löst sich das Problem durch einen Hinweis des Außendienstmitarbeiters, der am Strand patrouilliert. "Meistens sind die Leute einsichtig, bauen zurück und schütten am Abend Gräben zu." Vom Winde verweht sind die Sandburgen zudem am nächsten Morgen meist wieder Rohstoff für einen neuen Familien-Bautag am Wasser.

dpa

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