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Knigge-Nachfahre kämpft gegen Unhöflichkeit

Gesellschaft Knigge-Nachfahre kämpft gegen Unhöflichkeit

Sein Name verpflichtet: Moritz Freiherr Knigge setzt sich im Sinne seines Urahns für gutes Benehmen ein - jedoch ohne erhobenen Zeigefinger, wie er betont. In seinem neuen Buch will der Autor und Berater Rüpeln den Spiegel vorhalten.

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Moritz Freiherr Knigge ist Autor des Buches «Anleitung zum Unhöflichsein». Er kämpft wie sein Vorfahre für gute Manieren.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover (dpa) - In seiner Jugend hat er noch einen Handkuss gelernt.

Moritz Freiherr Knigge (47) wirkt in seinem Tweed-Jackett mit Einstecktuch wie ein Landadeliger, der großen Wert auf Etikette legt. Auch der rote Bart ist akkurat gestutzt. Der Unternehmer hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Erbe seines Vorfahren Adolph Freiherr Knigge (1752-1796) lebendig zu halten. Wer allerdings von ihm Antworten erwartet, ob Männer Frauen heutzutage noch die Tür aufhalten sollten oder wie man einen Hummer richtig verspeist, der wird enttäuscht.

"Ich halte nichts von Regelwerken", sagt Knigge, der wie sein Urahn auf dem Rittergut Bredenbeck bei Hannover aufwuchs. "Was einen höflichen Menschen ausmacht, ist, dass er es versteht, sich angemessen zu verhalten. Wenn Sie zu Hannover 96 auf die Fan-Tribüne gehen, sind andere Dinge angebracht als auf einem Opernball."

Mit seinem neuen Buch

"Anleitung zum Unhöflichsein. Von der Kunst, sich virtuos danebenzubenehmen" möchte er allen Rüpeln, aber auch selbstgerechten Benimm-Aposteln einen Spiegel vorhalten. Angelehnt an den Klassiker des Psychotherapeuten Paul Watzlawick, "Anleitung zum Unglücklichsein", werden Anekdoten aus dem Leben erzählt: "Bleib geschmeidig, Alter" oder "Bullshit-Bingo" sind Kapitel überschrieben. Warum räumt er schlechtem Benehmen so viel Platz ein? Die unzähligen Bücher über Höflichkeit hätten nichts gebracht, meint der Chef der Freiherr Knigge OHG mit Sitz in Düsseldorf. Deshalb versuche er es jetzt mit dem umgekehrten Ansatz.

Auch der im Bremer Dom begrabene Adolph Freiherr Knigge war kein Etikette-Prediger, sondern ein Aufklärer und Moralphilosoph. In seinem bekanntesten Werk "Über den Umgang mit Menschen" (1788) beschrieb er Charaktertypen und Eigenheiten von Berufsgruppen. Andere Autoren ergänzten das damals schon populäre Buch in der Folge um Benimmregeln. Heute steht Knigge für richtiges Handeln schlechthin.

Die Nachfrage nach Knigge-Seminaren sei seit Jahren konstant, erklärt die

Deutsche Knigge-Gesellschaft - auch weil aktuelle Themen wie Handy, E-Mail oder Social Media Berücksichtigung finden. Rund 100 Etikette-Trainer zählt der Verband. "Die Knigge-Seminare heutzutage haben nichts mehr mit den steifen Veranstaltungen der vergangenen Jahrzehnte zu tun", erklärt die Gesellschaft. Es gehe darin unter anderem um Ethik, Moral, Geist, Bildung und Herzenswärme.

Unhöflichkeit beruht nach Moritz Knigges Überzeugung meist auf Missverständnissen, nicht auf bösem Willen. Eine Wurzel des Übels sieht er in dem starken Bestreben der Deutschen nach Ehrlichkeit und Authentizität. Auf die Frage "Wie geht's?" antworteten Amerikaner oder Franzosen selbstverständlich mit "Danke, sehr gut", meint Knigge. Deutsche dagegen könnten auch zurückbellen: "Interessiert Sie doch sowieso nicht! Und wenn Sie es wirklich wissen wollen: schlecht!"

Der Titel des neuen Buches, "Anleitung zum Unhöflichsein", sei nicht als pure Provokation gemeint, beteuert der Autor. Aber wäre es ein Geschenk für den Ehemann, der die Blumen am Hochzeitstag vergisst? Als Geschenk könnte es tatsächlich falsch aufgefasst werden, gibt Moritz Knigge zu. "Mit seinen kurzen Kapiteln ist es ein sehr schönes Klobuch", sagt der Adlige mit der vornehmen Erscheinung. Im Übrigen sei auch der alte Knigge ein wunderbares Klobuch. "Das ist nichts Negatives."

dpa

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