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Mit 25 Jahren noch im Kinderzimmer: Eigene Bude oft zu teuer

Gesellschaft Mit 25 Jahren noch im Kinderzimmer: Eigene Bude oft zu teuer

Viele junge Erwachsene wohnen noch zu Hause. Ist der Service von Hotel Mama einfach zu gut? Oftmals finden sie einfach keine bezahlbare Wohnung. Aber das ist nicht der einzige Grund.

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Moritz Kleinheinz steht in Frankfurt am Main in einem Gebäude der Fachschule, an der er im vierten Semester Architektur studiert, hinter einer Anzeige zur Wohnungssuche. Der Frankfurter hat inzwischen aufgegeben, eine eigene Wohnung zu finden und wohnt weiterhin bei seinen Eltern.

Quelle: Frank Rumpenhorst

Frankfurt/Main. Moritz Kleinhenz hat die Suche nach einer eigenen Bleibe erst einmal aufgegeben. "Ich kann es mir einfach nicht leisten, 400 bis 500 Euro für ein Zimmer auszugeben", sagt der 23 Jahre alte Architektur-Student, der in Frankfurt noch bei seinen Eltern wohnt.

Sandra Zimmermann (25) ist nach der Trennung von ihrem Freund aus der gemeinsamen Wohnung im schleswig-holsteinischen Rendsburg aus- und wieder bei ihren Eltern eingezogen. Zumindest vorübergehend. Die 34 Jahre alte Katharina Keller wohnt seit fast drei Jahren wieder in ihrem alten Kinderzimmer. "Aus finanziellen Gründen", sagt die Skandinavistin, die im Rhein-Main-Gebiet eine Ausbildung zur Informatikerin macht.

Mit 25 Jahren leben fast vier von zehn jungen Leuten noch bei ihren Eltern. 1972 waren es dem

Statistischen Bundesamt zufolge in der Bundesrepublik und West-Berlin nur zwei von zehn. Längere Ausbildungszeiten und Wohnungsmangel haben Fachleute als Gründe ausgemacht. Junge Leute, die den Absprung von zu Hause noch nicht geschafft haben, sind meist wirtschaftlich unselbstständig, unverheiratet, kinderlos und ohne Anstellung, wie Familiensoziologin Corinna Onnen von der Universität Vechta sagt.

"Sollten die Mieten in vielen Hochschulstädten und Ballungszentren wie gerade im Rhein-Main-Gebiet weiter so explodieren, dürfte sich der Anteil der Studierenden erhöhen, die bei ihren Eltern wohnen bleiben", sagt Stefan Grob vom

Deutschen Studentenwerk. Die Zahl der Hochschüler sei in den vergangenen Jahren um 36 Prozent gestiegen, die der staatlich geförderten Wohnheimplätze aber nur um 5,5 Prozent.

Dies hat auch Student Moritz Kleinhenz zu spüren bekommen: "Es gibt viel zu wenig Studentenwohnheime und lange Wartelisten", sagt er. "Ich könnte vielleicht in Hanau ein preiswerteres Zimmer finden, aber dann hätte ich eine lange Anfahrt." Von der Wohnung seiner Eltern bis zur Fachhochschule braucht er dagegen nur fünf Minuten mit dem Rad. Zum Jobben lässt sein Stundenplan wenig Zeit.

Florian Fischer sucht in Regensburg seit rund einem halben Jahr vergeblich eigene vier Wände. "Die Wohnungslage ist miserabel", berichtet der Geschichtsstudent, der gerade auf dem Weg zu einer Maklerin ist. Der 24-Jährige hat sich mit zwei Kommilitonen zusammengetan, um eine WG zu gründen. "Wir sind jeden Tag auf der Suche." 80 Prozent der Anbieter antworteten erst gar nicht, "und wenn man mal eine Wohnung besichtigen darf, sind mindestens noch zehn andere Parteien da". Solange es mit einem Zimmer in Regensburg nichts wird, wohnt Fischer weiter bei seinem Vater im rund 35 Kilometer entfernten Mallerdorf-Pfaffenburg.

Die "Bildungsexpansion" ist nach Einschätzung von Familiensoziologin Corinna Onnen ein Grund dafür, dass viele junge Leute länger zu Hause bleiben. So wie Fischer, der vor seinem Studium schon Einzelhandelskaufmann gelernt und dann das Abitur nachgemacht hat. Oder Katharina Keller, die umschult, weil sie als Skandinavistin keinen Job fand.

"Die Jugendphase verlagert sich ins höhere Erwachsenenalter", sagt Onnen. Eltern und Kinder tickten aber auch anders als früher. "Man muss sich nicht mehr wie James Dean gegen die Eltern auflehnen", sagt die Soziologin. "Es herrscht weitgehend Konsens zwischen den Eltern und jungen Erwachsenen." Zukunftsforscher

Andreas Steinle formuliert es so: "Die Kinder sind zufrieden mit der Erziehung ihrer Eltern und haben ein freundschaftliches Verhältnis zu ihnen."

Onnen berichtet zudem: Soziologen sprechen von einer "überforderten Generation", die vor lauter Möglichkeiten keine Entscheidung für das eigene Leben fällt. Steinle sieht auch die Eltern in der Pflicht. Viele stellten einfach weiter das Essen auf den Tisch und machten nach wie vor die Wäsche. "Selbstständigkeit, diese Qualifikation, die heute jeder Mensch für die Zukunftsbewältigung braucht, wird oftmals durch übertriebene Elternliebe zunichte gemacht."

Kleinhenz, Fischer, Zimmermann und Keller fühlen sich im Großen und Ganzen zu Hause wohl. Die beiden Frauen - die schon einige Jahre einen eigenen Haushalt geführt haben - zieht es etwas stärker wieder raus. "Die beiden sind sehr tolerant und völlig in Ordnung", beschreibt Sandra Zimmermann ihre Eltern. "Aber dann kommt doch die Frage: Kommst Du heute Abend zum Essen?" Katharina Keller sagt: "Dieses Leben führt dazu, dass ich abends oft weg gehe."

Florian Fischer hat erst mit Beginn des Studiums so richtig Lust auf einen eigenen Haushalt bekommen. Denn einige seiner jüngeren Kommilitonen lebten schon mit 18 oder 20 Jahren allein. Zu Hause sei es "ganz gemütlich" gewesen.

"Ich komme gut mit meinen Eltern aus", beschreibt Moritz Kleinhenz seine Situation. "Natürlich gibt es auch Momente, wo ich gerne ausziehen würde", stellt der 23-Jährige fest. "Ich hab ein großes Zimmer, die Wohnung ist schön und ich bin nicht den ganzen Tag allein", beschreibt er die Vorteile. Und sagt schmunzelnd: "Ich darf das Auto mitbenutzen und der Kühlschrank ist immer voll." Allerdings: "Ich bin aber nicht der Typ, der auf der faulen Haut sitzt und Hotel Mama nutzt."

dpa

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