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Nein! sagen lernen: Selbstverteidigungskurse für Mädchen

Familie Nein! sagen lernen: Selbstverteidigungskurse für Mädchen

Wer sich nachts auf dem Nachhauseweg sicher fühlen, sich vor Mobbing schützen oder einfach nur sein Selbstbewusstsein stärken möchte, für den kommt ein Selbstverteidigungskurs infrage.

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Mädchen sollten lernen sich zu behaupten. Vor allem aber müssen sie lernen nein zu sagen, um sich vor Übergriffen zu schützen. Dabei können Selbstverteidigungskurse helfen. Foto: Silvia Marks

Berlin. Im Zentrum sollte die Selbststärkung stehen, sagt Katharina Göpner vom Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (BFF).

Göpner empfiehlt Selbstverteidigungskurse als Präventionsmaßnahme, damit Mädchen lernen, Grenzen zu setzen. Das Angebot ist vielfältig. Anbieter sind zum Beispiel gemeinnützige Vereine, Sportclubs oder Kirchen. Am besten ist ein Kurs, der nur für Mädchen konzipiert ist, sagt Doris Kroll vom

Bundesfachverband feministische Selbstbehauptung und Selbstverteidigung (BV FeSt).

 

Dazu zählt das Präventionsprogramm WenDo, was Weg der Frauen bedeutet. Mädchen beschäftigen sich hierbei mit Körpersprache und üben, sich verbal oder notfalls mit Schlag- und Tritttechniken zu verteidigen. In Rollenspielen lernen sie etwa, mit einer blöden Anmache in der U-Bahn umzugehen. Darüber hinaus gibt es Kurse, bei denen sie einen Kampfsport wie Kickboxen erlernen. Groll sieht das als Ergänzung zur Selbstbehauptung, um die eigene Körperkraft zu erleben. Den gleichen Effekt hätten aber auch Sportarten wie Klettern, Tanzen oder Fußball.

Eine Alternative ist ein Lehrgang zur Selbstverteidigung etwa bei einem Karateclub, sagt Kroll. Den passenden Kurs finden Mädchen zum Beispiel über Frauenberatungsstellen in der Region. "Die kennen die Trainerinnen," sagt Göpner. Auch der Kinderschutzbund, Beratungsstellen wie Pro Familia, das Jugendamt oder das örtliche Jugendzentrum sind mit den Anbietern von Selbstbehauptungskursen vernetzt.

Es passiert seltener etwas, als man denkt, wie Christian Zorn von der Zentralstelle Prävention des Landeskriminalamts Berlin sagt. Ungeeignet sind Kurse, die das Angstbild vom Täter als fremde Person bedienen. Denn wenn etwas passiert, sind laut Kroll in etwa 80 Prozent der Fälle Menschen aus dem näheren Umfeld des Mädchens die Täter. Der Kursanbieter sollte Mädchen keine Angst machen und sie nicht schwachreden, sagt Zorn. Versprechungen wie "Wir machen aus jedem Mädchen eine Lara Croft" seien unseriös.

Bei der Kursauswahl sollten Mädchen darauf achten, dass der Trainer mindestens den

Qualitätsstandards der BV FeSt entspricht. Außerdem ist eine Trainerin meist geeigneter als ein Trainer, findet Inken Waehner von der Regionalgruppe Wendo Berlin. Jungs erleben oft mehr körperliche Gewalt als Mädchen. Ein männlicher Trainer sollte daher ein Bewusstsein für das Gewalterleben von Mädchen haben, das sich von dem von Jungs unterscheidet. Außerdem sollte ein Trainer oder eine Trainerin nach dem Kurs noch für Fragen erreichbar sein.

 

"WenDo ist kein Sport, den man über viele Jahre macht", sagt Kroll. Mindestens zehn Stunden sollte der Kurs aber umfassen, um die Tipps und Tricks längerfristig mit in den Alltag zu nehmen. Denn es braucht Zeit, sich antrainierte Reflexe abzugewöhnen - etwa zu lächeln, obwohl man sich nicht wohlfühlt, sagt Waehner.

Von Kampfsportarten als Schutz vor Gewalt hält Christian Zorn eher wenig. Denn das Wissen über das eigene Können kann dazu führen, dass ein Mädchen nicht auf ihr Bauchgefühl hört und die eigene Kraft überschätzt. Statt auf eine Provokation einzugehen, sollte sie sich lieber so schnell wie möglich aus der Konfliktsituation entfernen, zum Beispiel in einen Laden oder Kiosk gehen und um Hilfe bitten.

"Je defensiver, desto besser", sagt Zorn. Mit einem Drehkick könnte sich ein Mädchen zwar aus einer bedrohlichen Situation befreien und weglaufen, aber genau diese Reaktion könnte den Täter erst zu einer gewaltsamen Gegenreaktion bringen. Ähnliches gilt für Waffen zum Selbstschutz wie Pfefferspray. Eine klare Ansage und weggehen - das ist die beste Waffe, sagt Zorn.

Ein Selbstbehauptungskurs kann zwar nicht gegen sexuelle Übergriffe in der Familie helfen, aber dazu beitragen, dass das Mädchen den Mut findet, sich jemandem anzuvertrauen, sagt Kroll. Das Highlight in ihrem Selbstbehauptungskurs: ein Holzbrett durchschlagen. Das schafft jede Kursteilnehmerin. Denn es geht nicht um Kraft, sondern um Entschlossenheit. Frei nach dem Motto "Ich kann das, ich schaff das, ich will das".

dpa

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