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Poetry Slam für Senioren: "Intime Montage" "mechender Sterz"

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Ein Dichterwettstreit vor Publikum: Das kennt man vor allem von jungen Menschen. In Ludwigshafen gibt es auch einen Poetry Slam für Senioren. Die jüngste Ausgabe gewann die älteste Teilnehmerin.

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Wer wird der Sieger des Abends? Vielleicht Ursula Becker...

Quelle: Oliver Dietze

Ludwigshafen. Ein Poetry Slam ist keine Frage des Alters. Das stellen die 81-jährige Hanne Wettengel und acht Konkurrenten bei einem Dichterwettstreit in Ludwigshafen eindrucksvoll klar.

Beim "Poetry Slam für Seniorinnen und Senioren" tragen sie vor, was das Zeug hält, und mancher rappt seinen Text sogar. Am Ende kürt das Publikum mit der pensionierten Gesamtschullehrerin Wettengel die älteste Teilnehmerin zur Siegerin. Die Frau mit der violetten Strähne in der Kurzhaarfrisur spricht in ihrer kurzen Siegerrede über die Freude am Schreiben und Zuhören und daran, immer wieder neu gefordert zu sein. "Es ist etwas Tolles, sowas gerade im Alter noch zu machen", sagt sie. "Es gibt nichts Schöneres wie 80plus."

Poetry Slams - das sind vor Publikum ausgetragene Dichterwettstreits, bei denen Teilnehmer in einer vorgegebenen Zeit mit selbst verfassten Texten und ohne zusätzliche Hilfsmittel punkten müssen. Die Zuhörer entscheiden über den Gewinner. Die Mitte der 1980er Jahre in Chicago entstandene Wettbewerbsform ist inzwischen weit verbreitet - vor allem bei jüngeren Menschen.

2013 hat das Ludwigshafener Seniorenkompetenzzentrum "LU kompakt" seinen ersten Poetry Slam für Senioren organisiert. Die Initiative kam von der ehemaligen Journalistin Katrin Kirchner, die im Zentrum eine Schreibwerkstatt anbietet. "Weil überall gepoetryslammt wurde, hatte ich die Idee: Warum sollen Senioren das nicht auch machen?", sagt sie. Nun ist es zum dritten Mal so weit.

Teilnehmer und Zuhörer haben sichtlich Spaß. Der 1947 geborene Peter Otterstädter etwa bringt viele zum Lachen, als er in seiner mit viel Mimik und Gestik vorgetragenen Geschichte über Kopfschmerzen Anfangsbuchstaben von Worten oder Silben vertauscht. Aus Kopfweh wird Wopfkeh, aus stechendem Schmerz der schmechende Sterz und aus dem Schlittenhund der Hittenschlund. Auch der Frankfurter Kranz - eine Torte - bekommt einen anderen Beigeschmack: "Krankfurter Franz - ein Gehenk des Schimmels", also ein Geschenk des Himmels, trägt Otterstädter lustvoll vor.

Die 66-jährige Roswitha Ritter erzählt in Rap-Manier und mit Körpereinsatz von einer Abnehm-Wette unter Männern. "Der Bauch, der wabbelt, der Hintern schwabbelt, es hat keinen Zweck, der Speck muss weg", reimt die ehemalige Krankenpflegerin. Das Gewicht beschäftigt auch den 66-jährigen Klaus Tschirner, der sich von Extremen umzingelt sieht. "Normalgewicht, das gibt es nicht in der Bundesrepublik von heute. Ich seh fast nur noch, wie extrem, ganz dicke und ganz dünne Leute", rappt der ehemalige Wissenschaftsjournalist in seinem Beitrag mit dem Titel "Schlank".

Doch es geht nicht nur ums Körperliche. Der eigens aus dem badischen Schriesheim angereiste Wilfried Rumpf (72) geht in einem Mann/Frau-Dialog um eine neue Couch auf humorvolle Weise kritisch auf die zunehmende Verwendung englischer Ausdrücke im Deutschen ein. So rätselt das Paar zunächst darüber, was wohl die vom Couch-Lieferanten angebotene "intime Montage" bedeuten soll - bis es darauf kommt, dass damit eine "in-time-Montage", also ein rechtzeitiger Aufbau des Möbels, gemeint ist. Ein Zeitungsartikel habe ihn auf dieses Thema gebracht, erklärt der pensionierte Englischlehrer.

Wettbewerbssiegerin Wettengel thematisiert in ihrer Geschichte "Höri", dass Schwerhörigkeit zwar angenehm sein kann, weil sie einem viel erspart. Andererseits bekomme man viel Wichtiges nicht mit und könne Politikern, die einen "Sch..." redeten, nicht die Meinung sagen. Ihr Fazit: "Gleich morgen kaufe ich ein Höri, und mein Enkel begleitet mich."

Die Zuhörer zeigen sich beeindruckt. "Ich fand sie alle gut - jeden auf seine Art", sagt zum Beispiel die 53-jährige Gabi Englert. "Dazu gehört viel Mut. Man zeigt ja einiges von sich", betont die für das Seniorenzentrum zuständige Sozialarbeiterin Christine Kneesch.

Der Direktor des Instituts für Gerontologie an der Universität Heidelberg, der Psychologe Prof. Andreas Kruse, sieht im Poetry Slam für Senioren "ein gelungenes Beispiel für eine kreativitätsförderliche Umwelt" und "ein gelungenes Beispiel für Teilhabe". Er sagt: "In dem Projekt sehen sich ältere Menschen in persönlich sinnerfüllter Weise herausgefordert - und dies spornt zu besonderen Leistungen an, in denen sich auch die Kreativität im Alter ausdrückt."

dpa

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