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Senioren unterstützen Schüler bei Konflikten

Familie Senioren unterstützen Schüler bei Konflikten

Als Mediatoren stehen Senioren Schülern bei der Konfliktlösung zur Seite und haben ein offenes Ohr für Probleme, Sorgen und Ängste. Dabei können sie ihre Lebenserfahrung an die Kinder weitergeben - und gleichzeitig den Anschluss an die jüngere Generation behalten.

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Ernst Kucharczyk ist seit knapp zwei Jahren als Seniorpartner aktiv. Nach 40 Jahren im Berufsleben wollte sich der 66-Jährige nach seiner Pensionierung weiter engagieren.

Quelle: Frank Rumpenhorst

Bonn. Streit mit Gleichaltrigen schlichten, Schülern die Sorgen nehmen und Gesprächspartner mit Lebenserfahrung sein: Seniorpartner in School (SiS) heißt ein Projekt, in dem Senioren als Mediatoren in Schulen aktiv sind. In Zweierteams bieten sie jede Woche Gesprächszeiten an.

"Die Seniorpartner schlichten nicht stellvertretend einen Streit, sondern versuchen, den Kindern zu vermitteln, wie sie selbst zu einer einvernehmlichen Lösung kommen." In Einzelgesprächen können die Kinder sich mit Sorgen und Problemen an die Seniorpartner wenden.

Bundesweit sind rund 1300 Senioren als Mediatoren an 300 Schulen im Einsatz. Zuvor werden sie 80 Stunden zu Mediatoren ausgebildet. Ernst Kucharczyk ist seit knapp zwei Jahren als Seniorpartner aktiv. Nach 40 Jahren im Berufsleben stand für den 66-Jährigen die Pensionierung vor der Tür - und damit die Frage, wie es weitergehen soll. "Für mich war klar: Ich will mit meinem Leben mehr machen, als jeden Tag einkaufen gehen und im Supermarkt den Weg versperren."

Am SiS-Projekt habe ihn der Gedanke, sich auf eine völlig neue Aufgabe einzulassen, besonders gereizt. "Als ehemaliger Bereichsleiter einer Frankfurter Bank war es für mich eine ganz neue Erfahrung, plötzlich in eine Schule zu gehen und sich den Prozessen dort anzupassen."

Wer im Alter ein Ehrenamt übernimmt, der leiste nicht nur der Gesellschaft einen Dienst, sondern auch dem eigenen Wohlbefinden, erklärt Julia Scharnhorst vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen. "Sich zu engagieren und sozial eingebunden zu sein, das hält geistig fit und macht zufrieden." Der positive Effekt des Nichtstuns werde häufig überschätzt. Wer sich auf eine neue Aufgabe einlässt oder wie beim SiS-Projekt eine Ausbildung durchläuft, der fordere auch seine kognitiven Fähigkeiten.

Um Seniorpartner zu werden, sind berufliche Erfahrung mit Kindern oder Vorkenntnisse als Mediator hilfreich, aber nicht notwendig, erläutert Traulich. "Wichtiger ist es, dass die Senioren Überzeugung und Bereitschaft mitbringen." Denn wer Seniorpartner werden will, muss Zeit und Energie investieren. Außerdem verpflichten sich die Senioren, ihre Tätigkeit für mindestens 18 Monate zu übernehmen.

Eine andere wichtige Voraussetzung ist die Bereitschaft, Kindern auf Augenhöhe zu begegnen, meint Traulich. "Seniorpartner sind weder Lehrer noch Ersatzoma oder -opa, sondern neutrale Vermittler und Gesprächspartner für die Kinder." Die Aufgabe besteht darin, den Kindern zuzuhören und Hilfe zur Selbsthilfe zu geben - nicht darin, sie zu erziehen.

Mit dem Kontakt zu Schülern behalten Senioren den Anschluss an eine jüngere Generation - und damit an viele Dinge, die sich in der Gesellschaft verändern, sagt Scharnhorst. "Mitzubekommen, wie der Alltag von Kindern aussieht, womit sie sich beschäftigen und wofür sie sich interessieren, hält jung."

Als Seniorpartner kann man die eigenen Lebenserfahrungen an die Kinder weitergeben, meint Kucharczyk. Seine Lebenserfahrung ist es auch, die ihm hilft, wenn er als Mediator mit unerwarteten Situationen konfrontiert wird. "Wer 40 Jahre im Berufsleben stand, den bringt so schnell nichts aus der Ruhe", schildert er. "Natürlich ist uns klar, dass wir als Seniorpartner nicht die Welt verbessern - aber wir können unseren Beitrag leisten, wenn es darum geht, Kinder auf ihrem Weg zum Erwachsen werden zu unterstützen."

dpa

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