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Teenie und trotzdem vernünftig - Der stressfreie Weg zum Ich

Familie Teenie und trotzdem vernünftig - Der stressfreie Weg zum Ich

Ständig Zoff mit den Eltern - das gängige Teenager-Klischee. Was aber, wenn man gar nicht streiten will? Seine Eltern nicht peinlich findet? Und eigentlich ziemlich vernünftig ist? Das entspricht zwar nicht dem Klischee, ist aber längst kein Grund sich zu verbiegen.

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Abgrenzung von den Eltern geht auch ohne brüllen und streiten. Manche Jugendliche suchen ihren Weg einfach leise.

Quelle: Westend61/Mimafoto

Wuppertal. Manch ein Jugendlicher hat Launen, die jeder großen Diva Konkurrenz machen. Was aber, wenn man nicht krakeelen mag, einem die Eltern nicht peinlich sind und man im Vergleich zu seinen Altersgenossen ziemlich vernünftig ist? Kein Grund zur Sorge, ist die Meinung der Experten.

Früher galt das Credo: Solange du deine Füße unter meinen Tisch hältst, bestimme ich, was du zu tun hast. Dagegen setzten junge Menschen sich mit lautem Streit zur Wehr, mit langer Mähne, grell gefärbten Haaren, wilden Outfits und einer inneren Haltung, die der der Eltern komplett entgegenstand. "Heute gibt es nicht mehr so viel, wogegen Jugendliche aufbegehren wollen", erklärt Beate Friese, Pressesprecherin des Vereins mit der Beratungs-Hotline "Nummer gegen Kummer" in Wuppertal. "Eltern bestimmen nicht mehr von oben herab, sondern binden ihre Kinder mehr in Entscheidungen ein."

Die Gesellschaft liberalisiert sich mehr und mehr, stellt Christof Latendorf fest. Er ist Familientherapeut bei der Erziehungs- und Familienberatungsstelle der Caritas in Berlin-Mitte (EFB). Somit gibt es auch deutlich weniger, wogegen man rebellieren will. Die Eltern von heute haben überdies mehr Verständnis - schließlich erinnern sie sich auch daran, wie sie in dem Alter waren. "Kinder und Jugendliche sind heute recht zufrieden mit ihrer Familie", sagt Friese.

Und doch geht es in der Pubertät darum, sich von den Eltern zu lösen, sich abzugrenzen, den eigenen Weg zu suchen und selbstständig zu werden. Das läuft auch heute noch oft darüber, all das, was die Erwachsenen für schicklich halten, infrage zu stellen und sich daran zu reiben.

Wer aber kein Bedürfnis hat, aufzubegehren, muss sich keine Gedanken machen. "Abgrenzung heißt nicht brüllen oder streiten", erklärt Schulpsychologe Klaus Seyfried. Es bedeutet, Schritt für Schritt selbstständiger zu werden. Der eine findet heraus, was er will und mag, indem er provoziert, der andere sucht seinen Weg leiser. "Es kann auch sein, dass man mit 17 ohne die Eltern in den Urlaub fährt und nicht mehr jeden Kumpel bei den Eltern vorstellen muss", sagt Seyfried.

Wer nicht gern streitet und nicht gern in die Konfrontation geht, sondern lieber lösungsorientiert argumentiert, muss sich nicht angewöhnen, laut zu werden. Vielmehr sollte er erkennen: So bin ich. Nun ist es aber gerade im Alter zwischen 13 und 20 nicht immer ganz einfach, zu sich zu stehen.

Sollte ich nicht auch trotz der Ermahnung des Bademeisters vom Beckenrand springen, wie die anderen in der Gruppe, um mich nicht auszugrenzen? Latendorf sagt: Man kann das durchaus machen, vor allem aber, um herauszufinden, wie es einem selbst dabei geht. Die Frage, die es dafür zu beantworten gilt, lautet: "Bin ich das, oder muss ich mich sehr verbiegen?" Wer hinterher feststellt, dass er mitgemacht hat, um zu sein wie die anderen, muss sich nicht schämen. "Man muss auch mal etwas machen, um herauszufinden, dass es nicht das Richtige für einen ist", sagt Friese. Denn so formt sich auch die Erkenntnis: Das bin ich und das nicht.

Schließt die Gruppe einen aus, tut das natürlich weh. Nun sollte man aber nicht darüber grübeln, dass man nicht ist wie die anderen. Da draußen nämlich gibt es garantiert eine Menge junger Menschen, die ähnlich ticken wie man selbst. Auf die sollte man sich konzentrieren. "Wir überlegen mit unseren jungen Anrufern, wie sie eine solche Gruppe finden können", sagt Friese. Beim Hobby trifft man Menschen mit gleichen Interessen, in der Schule schaut man sich nach denen um, die einem entsprechen.

Auch Vorbilder helfen. Das können Sänger sein, Onkel, Tanten oder auch Altersgenossen. Der Austausch mit ihnen hilft, zu reflektieren und sich bewusst zu werden, wer man ist. Entscheidend ist, zu lernen, auf den eigenen Beinen zu stehen und sich von den Eltern innerlich zu lösen. Der Weg zum eigenen Ich, den geht jeder Jugendliche so, wie es für ihn passt: laut oder eben leise.

Service:

Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: +49 116111 (kostenlos, montags bis samstags 14.00 bis 20.00 Uhr. Jugendliche beraten Jugendliche: samstags 14.00 bis 20.00 Uhr.

Auch Beratung per E-Mail möglich. Infos dazu auf der Webseite

www.nummergegenkummer.de.

dpa

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