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Plötzlich Pflegender: Was nun?

Pflege durch Angehörige Plötzlich Pflegender: Was nun?

Wenn nahe Verwandte plötzlich pflegebedürftig werden, ändert sich alles. Fortan werden nicht mehr nur die eigenen Arzttermine organisiert. Oftmals müssen zwei Haushalte gleichzeitig betreut und Kühlschränke gefüllt werden. Die neue Situation bedeutet für die ganze Familie eine große Herausforderung.

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Wenn ein Angehöriger zum Pflegefall wird, muss der Alltag schnellstmöglich neu organisiert werden.

Quelle: Pixabay.com © ElvisClooth

Was bedeutet „Pflegebedürftigkeit“?

Die Pflegebedürftigkeit wird im Elften Buch des Sozialgesetzbuches festgelegt. Unter § 14 Abs. 1 lautet die Definition wie folgt:

„Pflegebedürftig (…) sind Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbständig kompensieren oder bewältigen können. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, und mit mindestens der in § 15 festgelegten Schwere bestehen.“

Als pflegebedürftig werden also Personen anerkannt, welche zur Bewältigung alltäglicher Dinge die Hilfe und Unterstützung anderer bedürfen. Unter § 15 werden die verschiedenen Schweregrade der Beeinträchtigung definiert. 

Festlegung des Pflegegrads

Bei Festlegung des Pflegegrads wird von Gutachtern des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherer (kurz MDK) anhand eines Fragekataloges die Hilfsbedürftigkeit ermittelt. Dabei werden unter Berücksichtigung der noch vorhandenen Selbstständigkeit Punkte vergeben. Diese können anschließend dem entsprechenden Pflegegrad zugeordnet werden. Neben der körperlichen Beeinträchtigung spielen auch der psychische und kognitive Zustand der Person eine Rolle.

In Anbetracht der vergebenen Punkte werden die betroffenen Personen in fünf verschiedene Schweregrade eingeteilt. (Vergleich Änderungen im Pflegestärkungsgesetz 2017) Dabei bedeutet Pflegegrad Eins eine geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit. Stufe Fünf, der höchste Pflegegrad, weist auf eine schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit einer gesonderten Form der Pflege hin.

Betroffene können die Schwere der Pflegebedürftigkeit mit einem Pflegegradrechner ermitteln. Durch die Unterstützung von Experten ermöglichen die Entwickler des Tools die genaue Bestimmung der Pflegestufe und bieten zusätzlich hilfreiche Informationen.

Welche sozialen Leistungen erhalten Pflegebedürftige und Angehörige?

Die sozialen Leistungen ergeben sich je nach Schweregrad der Pflegebedürftigkeit. Dabei gilt: Je stärker der Pflegegrad, desto höher sind die Leistungen. Grundsätzlich muss dabei zwischen häuslicher, also ambulanter, und stationärer Pflege unterschieden werden.

Detailaufnahme Rollstuhl

Häusliche Pflege ist nicht für jeden machbar.

Quelle: Pixabay.com © moritz320

Häusliche Pflege

Die betroffene Person wird im häuslichen Umfeld medizinisch und hauswirtschaftlich versorgt. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Betreuung durch eine Pflegekraft oder einen Angehörigen erfolgt.

Im Pflegegrad Zwei werden 125 € im Monat für Betreuungs- und Entlastungsleistungen, sowie 40 € für Hilfsmittel ausbezahlt. Bei einer ambulanten Betreuung können Zuschüsse zur altersgerechten Wohnraumgestaltung beantragt werden.

In der dritten Pflegestufe standen den Betroffenen monatlich 728 € Pflegegeld sowie 1.995 € für Pflegesachleistungen zu. Die Voraussetzung hierfür ist allerdings eine Einschränkung der Bewältigung alltäglicher Situationen. Aus dieser Stufe wurde der Pflegegrad Fünf, Betroffene erhalten 901 € Pflegegeld und 2.005 € für Sachleistungen.

Stationäre Pflege

Bei der stationären Pflege werden Betroffene in einem Pflegeheim oder, falls nötig, in einem Krankenhaus medizinisch und hauswirtschaftlich versorgt. Die Betreuung wird dabei rund um die Uhr von Fachkräften gewährleistet.

Im Pflegegrad Zwei werden lediglich 125 € soziale Leistungen bezahlt. Der Staat möchte damit verhindern, dass grundsätzlich selbstständige Personen in Pflegeheimen untergebracht werden. Die geringe Unterstützung soll als Motivation zur Selbstversorgung dienen. 

Im höchsten Pflegegrad werden monatlich 2.005 € ausbezahlt.

Eine Analyse der Pflegekosten macht allerdings klar, dass die Kosten für stationäre Pflege in Stufe Drei (Pflegegrad 4 bis 5) bereits bei 2.938,22 € liegen. Damit wird sofort deutlich, dass die sozialen Leistungen keinesfalls für eine vollstationäre Pflege ausreichend sind.

Hilfe für Angehörige

Wenn ein naher Verwandter oder sogar ein Elternteil pflegebedürftig wird, tauchen immer wieder Fragen auf.

Laut §7 des Sozialgesetzbuches haben Angehörige von Pflegebedürftigen Anspruch auf eine Pflegeberatung . Bei der Pflegekasse können kostenlose Beratungstermine vereinbart werden. Die Berater erklären vor Ort, welche Möglichkeiten zur Verfügung stehen und wie die Pflege bestmöglich organisiert wird. Fragen werden ausführlich beantwortet und es gibt Unterstützung beim Ausfüllen der Anträge.

Telefonierende Person von hinten

Das Bürgertelefon klärt alle Fragen zum Deutschen Gesundheitssystem.

Quelle: Pixabay.com © Didgeman

Zusätzlich stellt das Bürgertelefon des Bundesministeriums für Gesundheit eine kompetente Anlaufstelle dar. Anliegen rund um die sozialen Leistungen und Pflegeprävention können hier vorgetragen werden.

Unter den nachfolgenden Telefonnummern sind die Mitarbeiter des Bürgertelefons montags bis donnerstags von 8.00 bis 18.00 Uhr, sowie freitags von 8.00 bis 15.00 Uhr zu erreichen.

  • Fragen zur Krankenversicherung: 030 / 340 60 66 – 01
  • Fragen zur Pflegeversicherung: 030 / 340 60 66 – 02
  • Fragen zur gesundheitlichen Prävention: 030 / 340 60 66 – 03

Der - oben erwähnte - Ratgeber für Angehörige von Pflegebedürftigen zeigt außerdem Schritt für Schritt, was es bei der Betreuung zu beachten gibt und welche Ansprüche Betroffenen zustehen. Hier werden nicht nur die wichtigsten Anliegen nach einem plötzlichen Pflegefall geklärt, auch auf die rechtlichen Ansprüche als Pflegender wird detailliert eingegangen.

Vor allem anfangs kann der Austausch mit Gleichgesinnten sehr hilfreich sein. Viele Kranken- und Pflegekassen organisieren regelmäßig Treffen für Angehörige von Pflegebedürftigen . Dabei können die eigenen Ängste und Sorgen angesprochen, Erfahrungen ausgetauscht und neue Erkenntnisse gewonnen werden.

Redaktion

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