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Die Markenpiraten erobern das Internet

Verbraucher Die Markenpiraten erobern das Internet

Der Online-Handel ist ein Paradies für Markenfälscher - und in Deutschland ihr Hauptabsatzweg. Selbst seriöse Marktplätze sind nicht immer vor den Nachahmungen gefeit.

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Im Internet werden viele Imitate verkauft. Verbraucher können sich davor nur schützen, wenn sie bei seriösen Händlern shoppen.

Quelle: Jens Büttner

Berlin (dpa) - Egal ob es um Gucci-Taschen, Parfüm, Kontaktlinsen oder um Handy-Akkus geht: Wer heute im Internet einkauft, muss mit der Möglichkeit rechnen, dass er statt des Originals eine mehr oder weniger plumpe Fälschung erhält.

"Das Internet ist in Deutschland der Vertriebskanal Nummer eins für Markenpiraten", betont Alexander Dröge vom deutschen Markenverband, einem Zusammenschluss von 400 deutschen Markenherstellern.

Und vieles spricht nach Ansicht des Experten dafür, dass die Zahl der Fälschungen zunimmt. So steige seit Jahren die Zahl der vom Zoll in Postsendungen abgefangenen Markenimitate. Oft sind es kleine dubiose Internethändler, die gefälschte Ware in Umlauf bringen, manchmal gut gemachte Portale, die auf den ersten Blick wie Hersteller-Shops aussehen.

Doch auch auf seriösen Online-Marktplätzen wie Ebay oder Amazon sind die Kunden nicht 100-prozentig sicher vor Betrug. Das bewies erst im Frühjahr ein Test der Computerzeitschrift "c't". Das Blatt bestellte über Amazon zwölf Ersatzakkus für Samsung-Smartphones, die allesamt als Originalware beworben wurden. Eine Überprüfung durch Samsung ergab jedoch ein verheerendes Ergebnis. Alle bestellten Modelle waren der Zeitschrift zufolge gefälscht.

Dennoch bescheinigt Markenverbands-Sprecher Dröge den großen Händlern und Marktplätzen spürbare Fortschritte bei der Bekämpfung von Fälschungen: "Amazon und Ebay tun was. Die Fälschungsquote ist über Jahre zurückgegangen."

Ebay sucht nach eigenen Angaben "mit Hilfe hoch entwickelter Software" nach Fälschungen. Diese würden gelöscht und Sanktionen gegen die Anbieter verhängt. "Die besondere Herausforderung für uns bei diesem Thema ist, dass Artikel für uns oft nicht als Fälschungen erkennbar sind", räumt das Unternehmen ein. Hier sei Ebay auf die Unterstützung von Herstellern und Kunden angewiesen. Das Unternehmen rät Kunden, die ihrer Meinung nach ein gefälschtes Produkt erhalten haben, dies zu melden.

Im vergangenen Jahr seien weniger als 0,025 Prozent aller global bei Ebay gelisteten Artikel als mögliche Fälschungen identifiziert worden, betont der Online-Riese. Rund 60 Prozent der wegen des Verdachts auf Fälschung gelöschten Artikel seien proaktiv von Ebay entfernt worden, 40 Prozent aufgrund von Herstellerangaben. Auch Amazon betont: Wenn das Unternehmen von Fälschungen erfahre, würden die entsprechenden Produkte umgehend entfernt und gegebenenfalls "weitere Maßnahmen" ergriffen.

Welche Ausmaße die Markenpiraterie inzwischen angenommen hat, zeigt eine aktuelle Studie des Harmonisierungsamtes für den Binnenmarkt der EU. Danach bringt die Herstellung und Verbreitung von gefälschter Bekleidung, nachgemachten Schuhen und Accessoires rechtmäßige Händler und Hersteller in der EU jährlich um Einnahmen von über 26 Milliarden Euro. Der Umsatz mit gefälschten Produkten mache nahezu ein Zehntel des Gesamtumsatzes der Branche aus. Der Verkauf gefälschter Kosmetika verursacht laut Harmonisierungsamt einen zusätzlichen Schaden von fast 5 Milliarden Euro. Allein im Mai und Juni stellte der deutsche Zoll bei zwei Aktionen rund 80 000 gefälschte Parfümflakons sicher.

Dabei ist die Markenpiraterie im Internet ein besonderes Problem, meint Dröge. Wer in Italien am Strand für zehn Euro eine Designer-Sonnenbrille kaufe, wisse, dass es eine Fälschung sei. "Aber im Internet glauben zwei Drittel der Käufer, ein echtes Produkt zu erwerben."

Wer auf Nummer sicher gehen will, dem rät der Branchenkenner, bei bekannten Händlern, seriösen Marktplätzen oder großen Ketten einzukaufen. Zwar könne auch da einmal eine Fälschung durchrutschen. "Aber dort habe ich einen greifbaren Ansprechpartner, an den ich mich mit meinen Regressansprüchen halten kann, falls etwas mit dem Produkt nicht stimmt", betont Dröge. Bei "windigen, kleinen Internetverkäufern" sei das schon schwieriger. Und wenn im Impressum auf Russland oder China verwiesen werde oder es gar kein Impressum gebe, müsse dem Käufer klar sein, "dass es im Streiffall schwierig wird, die eigenen Rechte durchzusetzen".

dpa

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