Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 5 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Gegen den Verpackungswahn: Unverpackt-Läden breiten sich aus

Verbraucher Gegen den Verpackungswahn: Unverpackt-Läden breiten sich aus

In Deutschland öffnen immer mehr Geschäfte, die ganz auf Verpackung verzichten. Eingekauft und abgefüllt wird aus einem losen Sortiment. Ein bisschen wie früher im Tante-Emma-Laden.

Voriger Artikel
Händler müssen Münzen nicht in unbegrenzter Höhe annehmen
Nächster Artikel
Schweinchenmaske in Flammen - Kampf gegen Gefahrenprodukte

Ab dem 30. April will Sebastian Würth in seinem «Unverpackt»-Laden in Trier Waren lose und unverpackt für die Kunden bereit halten.

Quelle: Harald Tittel

Trier. Alles ist lose - und garantiert unverpackt. Erbsen, Müsli, Zucker, Kaffee oder Reis: Im neuen Laden von Sebastian Würth und Stephanie Lampe füllt sich jeder das ab, was er haben will - in sein selbst mitgebrachtes Gefäß oder Baumwollsäckchen.

Schokolade wird stückweise abgebrochen, Seife abgeschnitten. Sogar Klopapier gibt's offen und rollenweise, statt Zahnpasta aus der Tube liegen Zahnputztabletten bereit. "Wir wollen dem Verpackungswahnsinn in Supermärkten etwas entgegensetzen", sagt der Saarländer Würth (22), der mit der Berlinerin Lampe (34) am 30. April in

Trier mit einem neuen "Unverpackt-Laden" an den Start geht.

Zuletzt habe er im Großhandel gearbeitet, erzählt der Einzelhandelskaufmann. Die zigfache Verpackung um Ware habe er nicht mehr ertragen. "Beispiel Müsli. Das ist in einer Tüte. Fünf Tüten sind jeweils in eine Folie eingeschweißt und auf einer Palette gestapelt. Und um die Palette herum ist noch mal eine Riesenfolie." Dieser "irre Verpackungsmüll" müsse reduziert werden, meint er. "Es kann doch nicht sein, dass man im Supermarkt nur noch eingeschweißte Gurken bekommt", fügt Lampe hinzu. Und oft zu viel zu große Portionen kaufen muss.

Nach Angaben des Umweltbundesamtes wanderten nach der jüngsten Erhebung 2013 in Deutschland 17,1 Millionen Tonnen Verpackung in den Müll. Dieser bislang höchste Wert sei vor allem auf veränderte Lebensbedingungen und die damit verbundenen Verzehr- und Konsumgewohnheiten zurückzuführen.

Unverpackt-Läden breiten sich in Deutschland zunehmend aus. Die Erste war Marie Delaperrière, die Anfang 2014 in

Kiel mit ihrem Geschäft "Unverpackt" an den Markt ging. Es folgten Unternehmer in Dresden, Bonn, Berlin und

Mainz. Ende dieses Jahres dürften es deutschlandweit um die 30 sein, schätzt Delaperrière, die Workshops und Beratungen für Ladengründer anbietet - und weiß, dass einige kurz vor der Eröffnung stehen. "Für mich ist das eine große Bestätigung."

Ein Riesenvorteil im Laden sei, dass man nur so viel kaufen könne, wie man auch brauche. "Bei uns kann man nur bisschen Müsli kaufen und es probieren, anstatt im Supermarkt gleich eine große Packung kaufen zu müssen", sagt Lampe. Die man dann, wenn es einem nicht schmecke, wegwerfe. Rund 500 Produkte sollen im Trierer Laden angeboten werden - auf der Ladentheke, aber auch in mehr als 100 großen Spender-Behältern (Bulk Bins) zum Abfüllen.

Geschäfte ohne Einwegverpackungen bedienten einen Trend, sagt der Sprecher des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels, Christian Böttcher, in Berlin. Sie seien aber bei rund 39 000 Lebensmittelgeschäften in Deutschland noch eine Nische.

Für Unverpackt-Läden gelten die selben Hygienevorschriften wie für andere Supermärkte, erläutert die Sprecherin des rheinland-pfälzischen Landesuntersuchungsamtes, Kerstin Stiefel, in Koblenz. Heißt: Besondere Sorgfalt sei bei leicht verderblichen Produkten wie Fisch, Fleisch und Milch geboten, die Kühlkette dürfe nicht unterbrochen werden. "Das ist aber unabhängig von der Verpackung."

Majid Hamdaoui hat vor knapp einem Jahr einen Unverpackt-Laden in Mainz aufgemacht. "Es läuft langsam gut", sagt der 53-Jährige. So ein Geschäft brauche Zeit: Die Kunden müssten erst lernen, ihre Behälter zum Einkauf mitzubringen - und wie viel Reis sie beispielsweise für sechs Personen bräuchten. "Spontaneinkäufe sind eher selten." Er habe schon Stammkunden, darunter etliche Veganer, sagt er. Die meisten seien zwischen 18 und 45 Jahre alt - oder Senioren.

Die neuen Jungunternehmer Würth und Lampe haben sich einen Teil ihres Startkapitals übers Internet besorgt. Ein Crowdfunding verschaffte ihnen in wenigen Wochen mehr als die zunächst anvisierten 20 000 Euro. "Die Resonanz war super", sagt Würth. Wenn es jetzt auch noch richtig gut läuft: "Dann denken wir über weitere Läden in Saarbrücken und in Luxemburg nach."

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Aktuelles

Gemäß des packenden „Drei in einer Reihe“-Prinzips müssen Reihen aus mindestens 3 Steinen gebildet und aufgelöst werden. Hier kostenlos im Spieleportal von LVZ.de spielen! mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • Schlösserland Sachsen - Schlösserausflug
    Schlösserland Sachsen

    Schlösser, Burgen & Gärten - Besuchen Sie das Schlösserland Sachsen und erleben Sie die Sächsische Geschichte in ihrer schönsten Form. Erfahren... mehr

  • Wave-Gotik-Treffen
    Wave Gotik Treffen

    Das Wave-Gotik-Treffen Leipzig feierte 2016 sein 25-jähriges Bestehen. Einen Rückblick mit vielen Fotos gibt es in unserem Special. mehr

  • Highfield Festival
    Highfield Festival

    Das war das Highfield-Festival 2015. Hier gibt's den Rückblick mit zahlreichen Fotos. mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr