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Günstig Tanken und Heizen: Kein Ende der Mini-Inflation

Preise Günstig Tanken und Heizen: Kein Ende der Mini-Inflation

Der Absturz der Ölpreise hat die Inflation in Deutschland im vergangenen Jahr voraussichtlich auf das Niveau des Krisenjahres 2009 gedrückt. Experten sind sicher: Im laufenden Jahr dürften sich die Verbraucherpreise nur langsam aus dem Keller bewegen.

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Draußen die kalte Schneedecke, drinnen arbeiten die Heizungen.

Quelle: Jan Woitas

Frankfurt/Main. An der Mini-Inflation dürfte sich nur allmählich etwas ändern. Konsumenten wie Verbraucher profitieren somit zunächst weiterhin von niedrigen Energiepreisen. Doch Währungshüter betrachten die Entwicklung mit Sorge.

Wie haben sich die Verbraucherpreise zuletzt entwickelt?

Im November zog die Inflation in Deutschland aufgrund schneller steigender Preise für Nahrungsmittel auf niedrigem Niveau etwas an. Die Jahresteuerung erhöhte sich auf 0,4 Prozent nach 0,3 Prozent im Oktober. Im Vergleich zum Vormonat stiegen die

Verbraucherpreise nach Berechnung des Statistischen Bundesamtes minimal um 0,1 Prozent. Die kräftigste Steigerung der jährlichen Teuerungsrate im Jahr 2015 verzeichneten die Statistiker im Mai mit 0,7 Prozent - auch dies noch ein vergleichsweise moderater Wert.

Warum ist die Inflation so niedrig?

Hauptgrund ist das Absacken der Ölpreise. Der Schmierstoff der Weltwirtschaft wurde 2015 nochmals günstiger - unter anderem weil Öl-Mächte wie Saudi-Arabien den Markt weiterhin mit dem Rohstoff fluteten und die USA die eigene Produktion über Fracking kräftig hochfuhren.

Kurz vor Weihnachten beispielsweise war Öl aus der Nordsee zwischenzeitlich so billig wie seit 2004 nicht mehr: Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent wurde zu einem Preis knapp über 36 Dollar gehandelt. Weil Energie - also Kraftstoffe und Heizöl, aber auch Gas und Strom - mit fast elf Prozent in die Berechnung der Teuerungsrate einfließen, dämpfen solche Entwicklungen den Preisauftrieb insgesamt.

Wer profitiert von niedrigen Preisen?

Autofahrer sparen beim Tanken, Verbraucher beim Heizen ihrer Häuser und Wohnungen. Der Liter Diesel kostete im Dezember an der Tankstelle zeitweise deutlich weniger als einen Euro - das gab es seit über zehn Jahren nicht mehr. Die ohnehin schon niedrigen Heizölpreise sackten zum Jahresende ebenfalls nochmal. Das gibt Verbrauchern mehr Spielraum, Geld für andere Dinge auszugeben. Die Kaufkraft steigt auch, weil Lohnerhöhungen wegen der Mini-Inflation fast vollständig im Geldbeutel der Beschäftigten bleiben.

Im Schnitt lagen die Reallöhne in den ersten drei Quartalen 2015 um gut 2,5 Prozent über Vorjahresniveau, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat. Auch die Industrie profitiert. "Für die ölimportierenden Länder ist der strukturell niedrige Ölpreis ein deutlicher Wettbewerbsvorteil", bilanziert die Helaba.

Warum machen sich Währungshüter Sorgen?

Wenn die Preise für viele Waren und Dienstleistungen über einen längeren Zeitraum kaum noch oder gar nicht mehr steigen, könnten das Verbraucher und Unternehmer bei Investitionen bremsen. Denn es könnte ja bald noch billiger werden. Dies könnte die Konjunktur abwürgen. Um gegenzusteuern, flutet die Europäische Zentralbank (EZB) die Märkte mit billigem Geld.

Der Leitzins verharrt knapp über Null, seit März pumpt die Notenbank zudem monatlich 60 Milliarden Euro in den Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren. Das umstrittene Programm wurde gerade erst um ein halbes Jahr bis März 2017 verlängert.

Was soll die Geldflut bringen?

Das Kalkül der Mehrheit im EZB-Rat um Notenbank-Präsident Mario Draghi: Das billige Geld kommt über Banken in Form von Krediten bei Verbrauchern und Unternehmen an und schiebt so Konjunktur und Preisauftrieb an. Die EZB strebt mittelfristig eine Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an. Dieser Wert ist aus Sicht der Währungshüter weit genug von der Nulllinie entfernt - und baut der Gefahr einer Deflation vor, also einem Preisverfall über einen längeren Zeitraum quer durch alle Warengruppen.

Wie werden sich die Preise 2016 entwickeln?

Die Inflation sowohl in Deutschland als auch im Euroraum dürfte nach Einschätzung von Volkswirten allmählich anziehen, allerdings weiterhin deutlich vom Zwei-Prozent-Ziel der EZB entfernt bleiben. Die Bundesbank rechnet für 2016 mit einem stärkeren Preisauftrieb in Deutschland unter anderem deshalb, "weil die Rohölnotierungen ihre inflationsdämpfende Wirkung nach und nach verlieren dürften".

Die Bundesbank erwarte nach ihrer jüngsten Prognose für 2016 eine Inflationsrate von 1,1 Prozent. Erst 2017 würde die Teuerung demnach wieder auf 2,0 Prozent klettern. Auch die EZB rechnet trotz ihrer massiven Geldschwemme nur mit einem langsamen Anstieg der Verbraucherpreise. 2016 sieht die EZB die Inflationsrate im Euroraum bei 1,0 Prozent, 2017 dann bei 1,6 Prozent.

Wie wird die Teuerungsrate eigentlich berechnet?

Monat für Monat schwirren Preiserheber der Statistischen Landesämter und des Wiesbadener Bundesamtes aus. Die 600 Frauen und Männer notieren bundesweit in Geschäften, was Obst und Gemüse, Bücher und Zeitschriften, Schuhe und Möbel kosten. Wie hoch ist der Listenpreis für ein Auto, was kostet eine Pauschalreise, was der Sprit an der Tankstelle?

Mehr als 300 000 Einzelpreise von Waren und Dienstleistungen werden so repräsentativ nach einem stets gleichen Schema erfasst. Der Warenkorb umfasst rund 600 Güterarten. Den größten Anteil hat Wohnen (Mieten, Strom, Gas) mit fast 32 Prozent. Gut 10 Prozent entfallen auf Lebensmittel. Auf dieser Grundlage berechnet das Statistische Bundesamt die Verbraucherpreisentwicklung.

dpa

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