Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Online-Auktionen: Emotionen sind kein guter Kaufberater

Verbraucher Online-Auktionen: Emotionen sind kein guter Kaufberater

Dass Auktionen nicht immer Schnäppchen bringen, ist bekannt. Dennoch gehen gerade online viele Verbraucher bei Auktionsplattformen auf die Jagd nach günstigen Preisen - und zahlen dabei nicht selten kräftig drauf. Mit einfachen Tipps wappnen sich Bieter dagegen.

Voriger Artikel
Riester-Förderung für Investition in Wohneigentum
Nächster Artikel
Market-Timing - Den richtigen Zeitpunkt erwischen

Soll ich oder soll ich nicht? Bei einer Online-Auktion spielen Emotionen oft eine große Rolle. Wer sie nicht im Griff hat, zahlt unter Umständen mehr als er muss.

Quelle: Andrea Warnecke

Wiesbaden. Versteigerungen ähneln Poker. Beide Seiten spielen mit Risiko, um ein gutes Geschäft zu machen. Verkäufer hoffen auf mehr Gewinn, als sie mit einem Festpreis erzielen würden. Bieter hoffen auf Schnäppchen, ziehen dabei aber nicht selten den Kürzeren und zahlen am Ende drauf.

Die Wissenschaft hat sich mit dem Phänomen des "Overbidding" (englisch für "Überbieten") in einigen Studien beschäftigt - und liefert viele Erklärungen. Zusammengefasst lässt sich sagen: Bieter zahlen häufig dann zu viel, wenn Emotionen ins Spiel kommen.

Monika Müller weiß, was schon das erste Gebot im Hirn auslösen kann: "In dem Moment empfinden Bieter mitunter, dass der Gegenstand quasi bereits in ihrem Besitz ist", sagt die Finanzpsychologin aus Wiesbaden. In ihrem Geist nutzen sie das Produkt schon, obwohl die Auktion noch läuft: Sie tragen imaginär den angebotenen Ring am Finger, telefonieren mit dem neuen Handy. Müller spricht vom "Besitztums-Effekt".

Durch diese emotionale Verbindung mit dem Auktionsgegenstand steigt beim Bieter die Bereitschaft, einen höheren Preis zu zahlen. Außerdem schränkt sich die Wahrnehmung ein, wie Müller sagt: "Studien haben ergeben, dass seitlich eingeblendete günstigere Angebote für das gleiche Produkt in der Situation nicht mehr registriert werden."

Auktionen sind immer auch ein Spiel mit vielen Mitspielern, von denen nur einer - der mit dem letztlich höchsten Gebot - gewinnen kann. Das führt zu einem Wettkampf-Effekt. Der Preis geht in die Höhe, weil sich die Bieter gegenseitig übertrumpfen wollen. US-Forscher haben mittels MRT-Untersuchungen sogar herausgefunden, dass Menschen aus Angst vor Ansehensverlust bei Auktionen überhöhte Preise zahlen.

Auch vermeintlich rationale Beweggründe können zu unverhältnismäßig hohen Geboten führen. "Bieter rechnen mitunter den Zeitaufwand, den sie für die Auktion haben, mit ein", sagt Müller. "Subjektiv steigt dadurch der Wert der Sache." Die Finanzpsychologin nennt das den "Betriebskosten-Effekt".

Gegen diese emotionalen Effekte hilft vor allem ein kühler Kopf. Bieter sollten zunächst vorab zumindest kurz recherchieren, wie viel ein Objekt etwa wert ist. Bei neuen Produkten geht das leicht im regulären Handel oder über Preis-Suchmaschinen im Internet, wie Michael Hummel von der Verbraucherzentrale Sachsen sagt. "Bei gebrauchten oder seltenen Gegenständen beobachtet man vorher am besten Auktionen zu ähnlichen Artikeln."

Wenn der Bieter weiß, wie viel die Ware wert ist, legt er für sich einen Höchstpreis fest. Bei der Auktion sei es wichtig, daran auch wirklich festzuhalten und sich nicht hinreißen zu lassen, betont Hummel. "Lieber steigt man aus, wenn die Gebote zu hoch werden und sucht sich ein anderes Angebot." Bietagenten helfen dabei, die Schmerzgrenze nicht zu überschreiten. Auf Plattformen wie Ebay ist diese Software schon integriert. Nachdem man ein Höchstgebot eingegeben hat, bietet der Bietagent so lange mit, bis es erreicht ist. Danach endet das automatische Mitbieten.

Externe Programme wie mySniper, Biet-O-Matic oder Baytomat bieten auch automatisch bis zu einem festgelegten Höchstgebot. Sie agieren aber taktischer, indem sie nicht jedes Gebot sofort überbieten, sondern erst in den letzten Sekunden einer Auktion aktiv werden. Die Nutzung derartiger "Sniper-Tools" kann allerdings durch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Auktionsplattformen untersagt sein.

Bei Ebay galt das etwa bis März 2014. Danach änderte der Konzern seine Richtlinien. "Mit der aktuellen Fassung der Ebay-AGB sind Gebote mittels automatisierter Datenverarbeitungsprozesse nicht mehr ausgeschlossen", erläutert Thomas Lapp, auf IT-Recht spezialisierter Rechtsanwalt aus Frankfurt am Main.

Auch Bietern, die keine Bietagenten nutzen, rät Monika Müller, so spät wie möglich bei einer Auktion einzusteigen. "Dann sinkt das Risiko, emotionalen Effekten ausgesetzt zu sein." Und damit auch die Gefahr, unnötig mehr zu bezahlen.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Aktuelles

Gemäß des packenden „Drei in einer Reihe“-Prinzips müssen Reihen aus mindestens 3 Steinen gebildet und aufgelöst werden. Hier kostenlos im Spieleportal von LVZ.de spielen! mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • Schlösserland Sachsen - Schlösserausflug
    Schlösserland Sachsen

    Schlösser, Burgen & Gärten - Besuchen Sie das Schlösserland Sachsen und erleben Sie die Sächsische Geschichte in ihrer schönsten Form. Erfahren... mehr

  • Wave-Gotik-Treffen
    Wave Gotik Treffen

    Das Wave-Gotik-Treffen Leipzig feierte 2016 sein 25-jähriges Bestehen. Einen Rückblick mit vielen Fotos gibt es in unserem Special. mehr

  • Highfield Festival
    Highfield Festival

    Das war das Highfield-Festival 2015. Hier gibt's den Rückblick mit zahlreichen Fotos. mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr