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Verkauf alter Lebensversicherungen: Was Kunden tun können

Verbraucher Verkauf alter Lebensversicherungen: Was Kunden tun können

Immer mehr Anbieter von Lebensversicherungen wollen in der Zinsflaute hochdotierte Altverträge loswerden. Der Bund der Versicherten warnt vor Folgen für die Kunden.

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Kunden sollten nicht in Panik verfallen. Die Belange der Versicherten müssen in jedem Fall gewahrt werden.

Quelle: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Frankfurt/Main. Käufer für teure Altverträge gesucht: Deutschlands Lebensversicherer suchen nach Auswegen aus der Zinsfalle.

Im Visier sind dabei auch hochverzinste Altpolicen klassischer Lebens- und Rentenversicherungen, die manche Unternehmen gern loswerden werden möchten. Inzwischen denken auch Branchengrößen wie Ergo oder Generali über eine Trennung nach.

Dabei gibt es zwei Wege: Der Versicherer überträgt alte Bestände samt Eigenmitteln und Kapitalanlagen an ein Abwicklungsunternehmen, das diese weiterführt und alle Rechte und Verpflichtungen übernimmt. Oder der Lebensversicherer samt Mitarbeitern wechselt den Eigentümer. Auch hier müssen die Belange der Versicherten gewahrt werden, wie die Finanzaufsicht Bafin betont.

Die Assekuranzen leiden unter der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Den Lebensversicherern fällt es zunehmend schwer, die Zinsen für die hohen Garantieversprechen der Vergangenheit von bis zu vier Prozent am Kapitalmarkt zu erwirtschaften. Viele Unternehmen bieten mittlerweile Produkte ohne klassischen Garantiezins an. Nun wollen manche die Altverträge loswerden.

Der Versicherungsriese Generali schließt einen Verkauf seiner Lebensversicherungssparte in Deutschland nicht aus. Die Düsseldorfer Ergo-Versicherung sucht nach einem möglichen Käufer für sechs Millionen alte Lebensversicherungsverträge. "Wir sondieren den Markt und prüfen, was es überhaupt für Möglichkeiten gibt", sagte eine Ergo-Sprecherin jüngst. Dabei handelt es sich um Verträge, die einst unter den Marken Hamburg-Mannheimer und Victoria-Versicherung verkauft wurden.

Auch der Chef von Axa Deutschland, Alexander Vollert, sieht für die Bestände mit klassischen Garantien in einer Übertragung auf eine Abwicklungsplattform durchaus eine Option. "Unter spezifischen Umständen kann es sinnvoll sein, wenn die Plattformen in der Lage sind, Kosten- und Skalenvorteile herzustellen", sagte Vollert jüngst der "Börsen-Zeitung". Über allem stehe aber, "dass es für den Kunden nicht von Nachteil sein darf, wenn sein Vertrag von einer Abwicklungsplattform verwaltet wird".

Der Bund der Versicherten (BdV) spricht von einem "Erdbeben" in der deutschen Versicherungslandschaft und warnt vor Folgen für die Kunden. "Wenn ein Investor diese Bestände kauft, dann tut er das mit dem Ziel, möglichst viel Rendite zu erwirtschaften. Das geht aber nur, wenn er den Versicherten möglichst viele Überschüsse vorenthält und in die eigene Tasche steckt", befürchtet BdV-Chef Axel Kleinlein.

Über die Höhe der Überschussbeteiligung entscheiden Versicherer jedes Jahr je nach Wirtschaftslage und Anlagestrategie neu. Hinzu kommt der vom Bundesfinanzministerium festgelegten Garantiezins. Beides zusammen ergibt die laufende Verzinsung.

Versicherungsexperte Lars Gatschke vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) warnt indes vor Panik. "Die Frage, ob Kunden bei Abwicklern geringere Überschüsse erzielen, gleicht einem Blick in die Glaskugel". Die Käufer könnten möglicherweise kosteneffizienter arbeiten und einen Teil der Ersparnis an die Kunden weitergeben. Im Gegensatz zu klassischen Versicherungsunternehmen brauchen Abwickler keinen Vertrieb und müssen keine neuen Produkte entwickeln.

Gatschke rät betroffenen Kunden, die jährliche Standmitteilung, die Aufschluss über die Entwicklung ihrer Lebensversicherung gibt, genau zu lesen. "Dann kann ich immer noch die Reißleine ziehen und mir beispielsweise überlegen, ob ich noch weiter Geld reinstecken will".

Die Finanzaufsicht Bafin betont, dass bei einer Übertragung der Verträge die Belange der Versicherten gewahrt sein und die Verpflichtungen aus den Versicherungen dauerhaft erfüllbar seien müssen. Den Weiterverkauf von Altpolicen muss die Bafin genehmigen.

Wird das ganze Unternehmen veräußert, hat die Aufsicht ebenfalls ein Wörtchen mitzureden. Sie nimmt dabei unter anderem die finanzielle Solidität und Zuverlässigkeit des Erwerbers unter die Lupe. Die Belange der Versicherten müssen gewahrt bleiben.

Die Prüfung solcher Deals kann mehrere Monate dauern. Unter anderem übernahm zuletzt der Abwickler Frankfurter Leben, hinter dem die BHF Bank und der chinesische Mischkonzern Fosun stehen, über 100 000 Verträge der Basler Leben. Der Versicherer MyLife holte die Riester-Bestände des Versicherers Münchener Verein unter sein Dach. Die Viridium Gruppe, die dem Finanzinvestor Cinven und dem Rückversicherer Hannover Rück gehört, erhielt den Zuschlag für 100 000 Verträge der Mannheimer Leben, die 2003 von der Auffanggesellschaft Protektor gerettet worden war.

dpa

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