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Weg vom Schmuddelimage: Versicherer werden klimafreundlich

Finanzen Weg vom Schmuddelimage: Versicherer werden klimafreundlich

Keine Investitionen in klimaschädliche Branchen - dieses Versprechen vieler Versicherer klingt zunächst gut. Doch Verbraucherschützer haben ihre Zweifel, ob die Erwartungen jedes Anlegers erfüllt werden.

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Versicherer wie die Allianz oder Axa wollen nicht mehr in Unternehmen investieren, die massiv auf Kohleenergie setzen.

Quelle: Julian Stratenschulte

München. Die Ankündigung war klug gesetzt. Wenige Tage vor dem Beginn des Klimagipfels in Paris im vorigen November machte die Allianz öffentlich, ihre Geldanlagen auf Nachhaltigkeitskriterien hin abzuklopfen und kein Geld mehr in

Kohleenergie stecken zu wollen.

"Die

Allianz wird nicht mehr in Unternehmen investieren, wenn sie mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes durch den Abbau von Kohle oder mehr als 30 Prozent ihrer Energieerzeugung aus Kohle erzielen", hieß es damals. Etliche Schlagzeilen waren dem deutschen Konzern sicher.

"Uns ging es darum, ein Signal zu setzen", sagt ein Sprecher. Dabei steht die Allianz mit dem Vorhaben, Anlagen nach nachhaltigen oder ethisch einwandfreien Kriterien zu gestalten, mitnichten allein da.

Der französische Branchenrivale Axa hatte schon Monate davor den Rückzug aus der Kohleenergie verkündet - und der Investmentfonds der Rockefeller-Nachfahren diesen Schritt ein Jahr früher gemacht. Das norwegische Parlament zog im vergangenen Juni einen Schlussstrich unter Kohle-Investments des mächtigen staatlichen Pensionsfonds.

Auch die weiter gefassten ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance), die für Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung stehen, haben sich bereits andere Versicherer wie Munich Re oder die zum Generali-Konzern gehörende AachenMünchener zugrunde gelegt. Erst jüngst hatte die Axa außerdem angekündigt, sich nicht mehr an der Finanzierung der Tabakindustrie zu beteiligen, entsprechende Aktienpakete loszuschlagen und Anleihen auslaufen zu lassen.

"Schmutzige Geldanlagen sind auf Dauer nicht gut fürs Geschäft. Ich habe erst kürzlich mit einer Reihe von institutionellen Investoren gesprochen, und die werden zusehends unruhig", berichtet Hans Joachim Schellnhuber, Chef des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. "Sie fürchten die Risiken von Investitionen in Kohle und Öl, denn wenn die Welt auf der Grundlage des Paris-Abkommens Kurs nimmt auf null CO2-Ausstoß, dann drohen der Fossilwirtschaft heftige bis totale Wertverluste. Noch viel mehr sorgen sich Investoren um ihren Ruf."

Ganz ohne Gewinne geht es aber in der Versicherungsbranche nicht, sagt Experte Stefan Kleine-Depenbrock von der Strategieberatung Roland Berger: "Ich bin ein wenig skeptisch, was die Motivation angeht." Lebensversicherungen kämpften seit Jahren mit den Problemen der Niedrigzinspolitik. "Wenn Versicherungsunternehmen Investitionen und Divestments festlegen, dann achten sie ganz besonders auch auf die Rentabilität ihrer Aktionen und nicht nur auf ethische Aspekte."

Einige kirchliche Versorgungswerke schlössen ebenfalls bestimmte Investitionen wie zum Beispiel in Hersteller von Verhütungsmitteln aus. "Die Frage ist: Wo hört man auf? Investiert man jetzt auch nicht mehr in die Autoindustrie wegen der Gefahr von Unfällen und wegen CO2-Emissionen?", sagt Kleine-Depenbrock. "Das Thema Nachhaltigkeit ist momentan en vogue." Er sehe keinen nachhaltigen Trend bei den Lebensversicherern, sondern ein Modethema, um im Gespräch zu bleiben.

Von einer Trendwende will man auch bei der Nicht-Regierungsorganisation (NGO) 

Urgewald nicht sprechen. Wohl sei aber eine Dynamik im Zusammenhang mit dem Klimagipfel in Paris zu spüren. Die Allianz ordnet die NGO, die ihre Kritik auch gern auf Hauptversammlungen zur Sprache bringt, als "Klimabeweger" ein.

Die französische Bank Natixis habe in diesem Zusammenhang bisher die weitestgehenden Zusagen gemacht. Die reine Vorgabe der ESG-Kriterien taugt allerdings nach Ansicht der Klimaschützer nichts. Für Anleger hält Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg die Ankündigungen auch deshalb für sehr schwer durchschaubar. "Eine gesetzliche Definition für Nachhaltigkeit gibt es nicht", sagt er. Entsprechend gebe es auch keine einfachen Antworten.

Verbraucher müssten sich im Grunde mit ihren Zielen auseinandersetzen und dann überprüfen, ob ein Anbieter diese Kriterien erfüllt. "Das ist ein Ding der Unmöglichkeit", glaubt Nauhauser - denn die verschiedenen Konzepte enthielten alle eine gewisse Unschärfe. "Dann stellt sich noch die Frage: Was bringt das eigentlich?"

Auch Andreas Freiling, Partner bei EY und Leiter des Bereichs Versicherungen, hat Zweifel, ob die Pläne sich sauber umsetzen lassen. Zwar lasse sich mit den Direktanlagen der Versicherer eine gewisse Politik fahren. Wenn allerdings in Fonds investiert oder Indizes abgebildet würden, erhöhe sich die Komplexität erheblich. "Was zum Beispiel passiert mit einem Fonds, der 0,85 Prozent seines Vermögens in einen Rüstungskonzern investiert hat?"

Einen Hebel hätten insbesondere die Versicherungen durchaus, so Freiling: Allein die Kapitalanlagen der deutschen Versicherer beliefen sich auf etwa 1500 Milliarden Euro. Würden diese tatsächlich nach klimafreundlichen Kriterien ausgewählt, ließe sich durchaus etwas bewegen. Dessen ist sich auch Schellnhuber sicher: "Moral ist eine unterschätzte Kraft. Moral und Geld zusammen sind unschlagbar."

dpa

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