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Lebende Steine: Die Anpassungskünstler der Pflanzenwelt

Freizeit Lebende Steine: Die Anpassungskünstler der Pflanzenwelt

Diese Pflanzen sind wirklich bizarr: Es wirkt, als tragen Kieselsteine hübsche Blüten. Die sogenannten Lebenden Steine sind kleine Wunder der Natur, die dank ihrer dicken rundlichen Form monatelange ohne Wasser auskommen.

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Wie eine Blüte auf einem Kiesel: Die Optik der Lebenden Steine ist ungewöhnlich. Damit schützen sie sich vor Tieren, die die wasserspeichernden Pflanzen nur zu gerne verspeisen würden. Foto: Blickwinkel/R. Koenig

Adelsdorf. Das Pflanzenreich steckt voller Kuriositäten. Die Lebenden Steine gehören dazu - sie sehen nämlich aus, wie ihr Name es verspricht. Es handelt sich um Sukkulenten, also Pflanzen, die Wasser in ihrem Gewebe speichern können, um lange Trockenzeiten zu überstehen.

So ein Wasserspeicher will gut geschützt werden, denn auch die tierischen Lebewesen einer Region mit wenig Wasser sind ständig auf der Suche nach dem Lebenselixier der Natur. "Die Lebenden Steine haben eine besondere Optik, weil sie sich an die Umgebung anpassen", erklärt Klaus Ingenwepelt, Gärtner und Mitglied der Deutschen Kakteengesellschaft in Adelsdorf (Bayern).

Diese sogenannte Mimese führt zu einem fast weißen bis dunkelbraunen Pflanzenkörper - je nachdem, wie die Lebenden Steine sich in ihrem Umfeld am besten unsichtbar machen können. Wenn man bedenkt, dass die einzelnen Pflanzen nur wenige Zentimeter groß sind, fällt es nicht schwer, sich die Verwechslung mit Kieselsteinen vorzustellen. Auch der botanische Gattungsname Lithops greift dieses Versteckspiel auf: Es besteht aus den griechischen Begriffen Lithos für Stein und Opsis für Aussehen.

Die Heimat der Lebenden Steine ist eigentlich das südliche Afrika. In Botswana, Namibia und Südafrika sind sie verbreitet. Dort wachsen sie an ganz unterschiedlichen Standorten, erläutert Ingenwepelt, etwa in Felsspalten oder auf dem Feld. "Ganz typisch wachsen die Lebenden Steine auf Quarzadern in Südafrika", ergänzt Matthias Uhlig, Gärtnermeister und Buchautor aus Kernen (Baden-Württemberg). Aber die Pflanzen meiden kalkige Untergründe. Daher gilt für Hobbygärtner: "Man sollte sie also nicht in Kalktuffsteine pflanzen."

Die Blätter der Lebenden Steine bezeichnet man als Loben. Vorstellen muss man sich diese wie einen kleinen Kegel, der oben flach ist. Eine Pflanze hat in der Regel zwei davon. Sie sind aber nicht gleich groß, sondern weichen ein bisschen voneinander ab. Diese rundliche Form der Blätter lässt die Pflanzen nicht nur wie Kieselsteine aussehen, sondern sie hat auch den Vorteil, dass sich die Verdunstung von Feuchtigkeit gegenüber üblichen Blättern verringert.

Zwischen den beiden Loben befindet sich ein kleiner Spalt, aus dem die Blüten wachsen. "Sie sind recht einfach", sagt der Gärtner Ingenwepelt aus Kevelaer. Sie ähneln einer Margeritenblüte und sind meist gelb oder weiß gefärbt.

Die Blütezeit liegt im Frühling der Südhalbkugel - also in unserem Herbst, wie Matthias Uhlig erläutert, der Mitglied in der Internationalen Organisation für Sukkulentenforschung (IOS) ist. Die ersten Arten der Gattung Lithops beginnen mit der Blüte im August. "Die Hauptblütezeit ist der September." Eine einzelne Blüte hält sich etwa nur vier bis fünf Tage - je kühler die Umgebung ist, desto länger. "Die Ruhezeit beginnt ungefähr im Oktober und November", ergänzt Ingenwepelt. In dieser Zeit benötigen die Pflanzen dann keine Wassergaben mehr.

"Im Mai beginnt das Wachstum wieder", beschreibt Ingenwepelt den weiteren Entwicklungszyklus. Auch dann braucht die Pflanzen noch kein Wasser. "Sie zehrt von den alten Blättern und bildet neue." Die alten Loben trocknen dabei ein, und die Hülle bricht auf, wodurch die neuen Blätter sichtbar werden. Erst ab Ende Mai bis etwa Oktober und November wird dann wieder gegossen.

Hobbygärtner sollten sich bei ihren ersten Lebenden Steinen behutsam an die Bedürfnisse herantasten. "Man kann die Töpfe auf der sonnigen Fensterbank platzieren", rät Uhlig. Alternativ empfiehlt er für die Sommermonate einen hellen und regengeschützten Standort im Freien. Das Substrat sollte Wasser gut abfließen lassen. Ingenwepelt rät, immer nur wenig auf einmal zu gießen - ausgenommen während des Übergangs von der Trockenzeit zur Gießzeit. "Die feinen Wurzelhaare gehen in der Trockenzeit verloren", erklärt der Gärtner. Es dauert etwa 24 Stunden, bis diese feinen, für die Wasseraufnahme wichtigen Zellen sich neu bilden und wieder vollständig funktionieren.

Literatur:

Matthias Uhlig: Sukkulenten und Kakteen: Gestalten - Pflanzen - Pflegen, 2014, Franckh Kosmos Verlag, 80 S., 7,99 Euro, ISBN-13: 978-3440141434.

dpa

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