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Upcycling: Abfall kreativ verwenden

Umwelt Upcycling: Abfall kreativ verwenden

Mehr als 600 Kilo Müll produziert jeder Deutsche im Jahr. Vieles davon wird wiederverwertet, doch Recycling allein kann das Problem der wachsenden Müllberge nicht lösen. Aus alten Blechdosen lässt sich noch Erstaunliches machen.

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Upcycling-Spielzeug: Dieser Motorroller wurde aus einer alten Dose hergestellt.

Quelle: Daniel Karmann

Fürth. Geht es um das Verwerten von Abfällen, ist Deutschland vorn dabei. In kaum einem anderen europäischen Land wird mehr recycelt als bei uns - mehr als 70 Prozent aller Verpackungsabfälle. Da setzt sich ein neuer Trend durch: Upcycling. Der löst ein Recycling-Problem.

Gerade beim Recyceln von Plastik gibt es ein Problem: Die Qualität des Kunststoffs wird bei jeder weiteren Verwertung schlechter. "Irgendwann kann man damit nur noch Parkbänke machen", sagt Markus Beckmann, der an der Universität Erlangen-Nürnberg den Lehrstuhl Nachhaltigkeitsmanagement leitet.

"Upcycling" nennt sich deshalb ein Trend, bei dem aus Müll neue Produkte werden - ohne sie vorher zu zerschreddern oder einzuschmelzen. Aus alten Fahrradschläuchen werden Handtaschen, Coladosen mutieren zu Spielzeugautos und Fußbälle hängen als Lampe von der Decke. "Beim Upcycling wird der vermeintliche Abfall mit einer kreativen Idee neu bewertet und erfährt dadurch eine Aufwertung", erklärt Beckmann. Noch ist das eine Nische.

Sigrun Riechardt entdeckte bei einem Urlaub in Kambodscha Taschen, die aus alten Zementsäcken hergestellt wurden. Zurück im heimischen Fürth beschloss sie, zusammen mit ihrem Freund selbst einen

Upcycling-Laden zu eröffnen. "Wir wollen damit zeigen, dass man nicht gleich alles wegschmeißen muss", sagt die 32 Jahre alte Kulturwissenschaftlerin. Zwei Organisationen in Kambodscha nähen die Zementsack-Taschen für Riechardts Laden. Mittlerweile kommen auch viele Produkte aus Deutschland: Kronkorken-Ohrringe, Korkenzieher aus Tischkicker-Figuren oder Salzstreuer aus Fahrradnaben.

"Upcycling läutet eine neue Ära in der Abfallverwertung ein", sagt Christian Rauch. Der Leiter des Zukunftsinstituts in Frankfurt glaubt, dass der Wandel von der Wegwerfgesellschaft zur Kreislaufgesellschaft in vollem Gang ist. "Beim Recycling führen wir Produkte mit einem relativ hohen Energieaufwand einem niedrigeren Verarbeitungsniveau zu - beim Upcycling fällt das weg, da nimmt man die Produkte, wie sie sind." Die Menschen müssten lernen, Rohstoffe aus dem zu ziehen, was bereits existiert. "Unsere Städte sind riesige Rohstofflager", sagt der Trendforscher.

Allerdings wird Upcycling die Müllflut der heutigen Zeit kaum im Alleingang beseitigen können. Verpackungsmüll fällt jeden Tag in riesigen Mengen an. "Wenn aus der Milchtüte ein Portemonnaie wird, das zwei Jahre hält, kann ich damit die täglichen Müllmengen nur schwer bändigen", erklärt Beckmann. Für Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe steht fest: "Der beste Müll ist der, der gar nicht entsteht." Pfandsysteme oder Repair Cafés, in denen kaputte Geräte repariert werden, sind für Fischer wichtige Bausteine.

Wirtschaftswissenschaftler Beckmann sieht den Nutzen von Upcycling deshalb nicht nur darin, dass tatsächlich Müll vermieden wird. "Viel wichtiger ist, dass wir über die Frage, was ist Müll und wie gehe ich mit Ressourcen um, viel kreativer und differenzierter nachdenken." Hinter vielen Upcycling-Produkten stehe die Überzeugung: "Wir haben Sachen, die sind viel zu wertvoll, um sie einfach wegzuschmeißen."

Bislang sind Upcycling-Produkte keine Dinge des täglichen Gebrauchs, sondern Einzelstücke, mit denen man sich von der Masse abheben kann. In Riechardts Laden gibt es goldfarbene Ohringe in Form einer Friedenstaube. Sie bestehen aus alten Landminen, die den Bewohnern von Kambodscha bis heute das Leben schwer machen. Jedes Produkt ein Unikat - das passt zum individuellen Lebensstil vieler Menschen.

Trendforscher Rauch glaubt trotzdem, dass Upcycling nicht auf den Lifestyle-Bereich beschränkt bleibt. "Architekten bauen inzwischen ganze Häuser aus Abfallprodukten." Die tragende Struktur besteht dann zum Beispiel aus alten Schiffscontainern.

dpa

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