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Anfälligkeit für Alltagslärm ist individuell verschieden

Wissenschaft Anfälligkeit für Alltagslärm ist individuell verschieden

Lärm kann nicht nur zu Schwerhörigkeit führen, sondern auch zu Depressionen oder Herz-Kreislauf-Problemen. Gerade zu den Folgen von sogenanntem Umgebungslärm gibt es bisher wenig belastbare Zahlen, wie eine Expertin sagt. Viel hänge vom Einzelnen ab.

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Viele Menschen leben in Deutschland an eigentlich zu lauten Plätzen. Foto. Horst Ossinger dpa

Quelle: Horst Ossinger

Jena. Ob laute Maschinen am Arbeitsplatz, Straßenverkehr vor dem Haus oder der Rasenmäher im Garten - Lärm lauert überall. Und er kann erhebliche Gesundheitsprobleme verursachen.

Neben Hörschäden wird er auch für psychische Erkrankungen oder Herz-Kreislauf-Probleme mitverantwortlich gemacht. Das sagte Gerlind Schneider, Oberärztin an der HNO-Klinik vom Universitätsklinikum Jena.

Wie gefährlich ist Lärm?

Lärm und Lärm ist nicht dasselbe - letztlich kommt es auf die Dosis, die Lautstärke an. Man unterscheidet akuten Lärm, also Geräusche, die mit hoher Intensität kurz auf das Ohr einwirken und es schädigen können - etwa ein lauter Knall. Dann gibt es chronischen Lärm beispielsweise am Arbeitsplatz, dem ein Mensch auf lange Sicht ständig ausgesetzt ist und der zu Gehörschäden führen kann. Und es gibt den Umgebungslärm etwa durch Straßenverkehr, der nicht direkt zu Schäden am Ohr führt, aber für psychische Erkrankungen oder Herz-Kreislauf-Probleme mitverantwortlich gemacht wird.

Ab welchem Lärmpegel treten Gesundheitsschäden auf?

Im Beruf wird ab 80 Dezibel von einem Lärmarbeitsplatz gesprochen. Das ist etwa so laut wie ein Staubsauger. Ab 85 Dezibel muss man Hörschutz tragen. Die Grenze ist niedrig angesetzt - man müsste dem Jahrzehnte ausgesetzt sein, damit ein Hörschaden entsteht. Aber je lauter eine Lärmbelastung ist, umso größer ist der Schaden. Im Straßenverkehr werden solche Pegel nicht erreicht. Er führt eher zu psychosomatischen Erkrankungen.

Auch in der Wohnung - den Staubsauger haben sie angesprochen - und im Garten, lauern nervige Lärmquellen. So rattern jetzt im Frühjahr wieder überall die Rasenmäher.

In der Freizeit zählen zu den Lärmquellen, die zu Hörschäden führen können, wenn man an einer Kreissäge arbeitet oder an einem Schießstand trainiert. Da sollten die Ohren auf jeden Fall geschützt werden. Ansonsten sind unsere Ohren und das Gehirn gut darauf ausgelegt, sehr kurzzeitig Lärm zu kompensieren. Im Gegenteil: Wir haben Patienten, die sehr empfindlich sind und schon bei ganz normalem Lärm Hörschutz tragen. Das ist kontraproduktiv. Sie müssen ihr Ohr dann erst wieder trainieren, den Lärm zu kompensieren. Man kann aber bei einem lauten Rockkonzert oder nachts, wenn der Partner laut schnarcht, durchaus auf Ohropax zurückgreifen.

Wie viele Menschen in Deutschland leiden unter Lärm und tragen deswegen Gesundheitsschäden davon?

Von den Berufsgenossenschaften wissen wir, dass die Anzeigen auf Verdacht wegen Lärmschwerhörigkeit konstant sind. 2014 waren es rund 11 700, etwa die Hälfte davon wird als Berufskrankheit anerkannt. Außerdem wissen wir, dass 40 Prozent aller 60-Jährigen schwerhörig sind. Das ist aber nicht unbedingt eine Folge von Lärm, sondern oft ist Altersschwerhörigkeit die Ursache.

Zum Umgebungslärm und daraus folgenden psychischen Erkrankungen gibt es nur wenig belastbare Zahlen. Die Anfälligkeit dafür ist von Mensch zu Mensch verschieden. Jemand, der psychisch vorbelastet ist, empfindet Lärm viel störender als jemand, der psychisch stabil ist.

In der Kritik stehen immer wieder die Ohrstöpsel von Handy und Musikplayer. Reift da eine Generation der Schwerhörigen heran?

Es gibt dazu nur wenige Studien und die sind oft auch schon relativ alt. Wir können solche Effekte in unserer Arbeit nicht beobachten und auch aus der Literatur ist das nicht nachzuvollziehen. Es stimmt, dass frühere Diskman- und Walkman-Geräte ganz andere Lautstärken aufwiesen. Bei heutigen MP3-Playern und Handys ist das aber schon viel besser geworden.

dpa

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