Volltextsuche über das Angebot:

-3 ° / -8 ° Schneeschauer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Arztwechsel: Wenn chronisch kranke Kinder groß werden

Gesundheit Arztwechsel: Wenn chronisch kranke Kinder groß werden

Kinder mit schweren chronischen Erkrankungen werden heute deutlich älter als früher. Doch der Übergang in die Erwachsenenmedizin funktioniert nicht immer reibungslos. Strukturierte Programme sollen den Weg erleichtern.

Voriger Artikel
Mediziner wegen Kopfschmerzen bei Kindern alarmiert
Nächster Artikel
Bonusheft verloren: Zahnarzt kann Informationen nachtragen

Mit der Volljährigkeit geht es meist auch für chronisch kranke Jugendliche zum Erwachsenen- statt zum Kinderarzt.

Quelle: Westend61/Mareen Fischinger

Berlin. Am 18. Geburtstag ist in aller Regel Schluss: Dann können sich chronisch kranke Teenager nicht mehr von ihrem langjährigen Kinder- und Jugendarzt behandeln lassen. Sie müssen sich einen Haus- oder Facharzt suchen.

Wenn sie bei diesem Schritt nicht begleitet werden, besteht die Gefahr, dass sie keinen geeigneten Arzt finden und im System verloren gehen. Das kann schwerwiegende Folgen für die Gesundheit haben, erklärt Prof. Britta Siegmund, Internistin an der Charité Berlin und Transitions-Expertin. Als Transition bezeichnen Fachleute den Wechsel von der Kinder- in die Erwachsenenmedizin.

Es gibt viele Gründe, warum der Übergang nicht klappt. "Kinder mit seltenen Erkrankungen und schweren Behinderungen sind extrem schwer zu vermitteln", Hermann Josef Kahl, Kinderkardiologe und Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Diese Patientengruppe tauchte früher in den Erwachsenenpraxen schlicht nicht auf, weil die Betroffenen noch im Kindesalter verstarben. Deswegen gibt es nur wenige Allgemeinmediziner und Internisten, die sich damit auskennen.

Zum Beispiel bei Diabetes oder Epilepsie sei es zwar einfacher, einen passenden Facharzt zu finden. Viele wollen aber den Arzt gar nicht wechseln, wie Kahl erklärt. Manche Pädiater beantragen dann Sondergenehmigungen, um die Kinder weiter zu behandeln.

Martina Oldhafer, Soziologin und Erste Vorsitzende der Gesellschaft für Transitionsmedizin, hält das für problematisch. "Gerade Mütter verpassen es manchmal, in der richtigen Zeit loszulassen und die Jugendlichen ziehen zu lassen. Sie haben Angst, dass sich der Gesundheitszustand ihrer Kinder dadurch verschlechtert." Viele Jugendliche wollten aber ab einem gewissen Alter gar nicht mehr zum Kinderarzt. "Die Biene-Maja- und Mickey-Maus-Bilder an den Fenstern werden irgendwann nicht mehr als angemessen empfunden", sagt Oldhafer.

Wenn ein fachlich geeigneter Erwachsenen-Arzt gefunden ist, heißt das nicht automatisch, dass die Transition geglückt ist. "Die Betreuung in einer Erwachsenenpraxis ist völlig anders als in einer Kinderarztpraxis", sagt Oldhafer. Im Wartezimmer sitzen junge Erwachsene plötzlich zwischen lauter Patienten, die viel älter sind. Die Ärzte haben wenig Zeit und kümmern sich nicht so, wie es die Heranwachsenden von ihrem Kinder- und Jugendarzt gewohnt sind.

"Einen passenden Arzt findet man am besten über eine Koordinierungsstelle, an die sich die Jugendlichen wenden können", sagt Oldhafer. Eine solche gibt es beispielsweise beim

Berliner Transitionsprogramm. Es wurde vor einigen Jahren an den DRK Kliniken im Berliner Westend aufgebaut und wird inzwischen etwa auch in Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein angeboten. Es richtet sich an Jugendliche ab 16 Jahren mit Diabetes, Epilepsie, Nierenerkrankungen, Rheuma, ADHS, neuromuskulären Erkrankungen und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Nicht alle gesetzlichen Krankenkassen übernehmen automatisch die Kosten dafür, manchmal kommt es auf den Einzelfall an - Betroffene fragen am besten bei ihrer Versicherung nach.

Siegmund, die als Mitglied der interdisziplinären Arbeitsgemeinschaft Transition am Projekt beteiligt ist, erklärt das Prinzip: Die Kinder werden zwei Jahre lang auf dem Weg in die Erwachsenenmedizin begleitet. Eine sogenannte Fall-Managerin vermittelt passende Ärzte und überprüft, ob die Termine eingehalten werden. Über eine App können die Jugendlichen mit der Fallmanagerin chatten, Checklisten ansehen und Links abrufen. Der Erwachsenenmediziner erhält ein Dokument, in dem alle wesentlichen Daten des bisherigen Krankheitsverlaufs zusammengefasst sind.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Aktuelles

Gemäß des packenden „Drei in einer Reihe“-Prinzips müssen Reihen aus mindestens 3 Steinen gebildet und aufgelöst werden. Hier kostenlos im Spieleportal von LVZ.de spielen! mehr

  • Belantis - Infos und Events
    Belantis - Infos und Events

    Belantis - das AbenteuerReich im Herzen Mitteldeutschlands. Hier gibt es Neuigkeiten und alle Infos zu den Events! mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr