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Behandlung von Kindern mit online-Beratung von Arzt zu Arzt

Gesundheit Behandlung von Kindern mit online-Beratung von Arzt zu Arzt

Wenn die Diagnose schwierig ist, ist schneller Rat eines Facharztes gefragt. Kinderärzte wollen deshalb künftig die Telemedizin besser nutzen - eine Beratung von Arzt zu Arzt.

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Die Kinderärztin Martina Heiser untersucht ein Mädchen.

Quelle: Patrick Pleul

Berlin. Die Telemedizin in Deutschland bleibt immer noch weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Das endlose Gezerre um die elektronische Gesundheitskarte ist ein beredtes Beispiel dafür, dass hier viel Potenzial auf der Strecke bleibt.

Ein Fall aus der Kinder- und Jugendmedizin macht deutlich, dass da mehr drin wäre, ohne den sensiblen Datenschutz vernachlässigen zu müssen. Anfang 2015 war in Bayern ein kleiner Junge mit einer dicken rötlichen Wucherung auf der Nasenwurzel zur Welt gekommen. In der Geburtsklinik gingen die Ärzte zunächst von einer harmlosen Hautgeschwulst aus, wie Mani Rafii, Vorstandsmitglied der Ersatzkasse Barmer GEK erzählt.

Der später behandelnde Kinderarzt wollte auf Nummer sicher gehen und holte sich online eine Einschätzung von einem Experten. Dabei kam heraus, dass der Säugling an einem seltenen Tumor leidet. "Am Ende konnte er erfolgreich operiert werden", so Rafii weiter.

Über das telemedizinische Expertenkonsil "PädExpert" können Kinder- und Jugendärzte Kollegen mit speziellem Fachwissen bei Diagnose und Therapieverfahren online hinzuziehen, wenn Kinder an seltenen oder bestimmten chronischen Krankheiten leiden. Das hat mehrere Vorteile.

Die richtige Diagnose kann in vielen Fällen wesentlich schneller getroffen werden, als wenn die Eltern mit dem Kind zu einem möglicherweise weit entfernten Facharzt müssten - der im Zweifel Wartezeiten von mehreren Wochen hat. Innerhalb von 24 Stunden soll eine Ersteinschätzung vorliegen. Dem Kind kommt das - im Erfolgsfall - insofern entgegen, als es gerade in einer starken Wachstums- und Entwicklungsphase nicht unnötig lange durch die seltene oder chronische Krankheit behindert wird.

Die Chance, seltene Erkrankungen oder Tumore rechtzeitig zu erkennen, soll also künftig viel höher sein. Und als Nebenwirkung könnte das Reizthema Terminservicestellen für niedergelassenen Fachärzte etwas entzerrt werden. Diese sollen bei der Suche nach einem Facharzt helfen und einen Termin in zumutbarer Entfernung vorschlagen. Die Telemedizin solle nicht den Facharzt ersetzen, betont der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Thomas Fischbach. Aber Facharztbesuche könnten künftig in zwei von drei Fällen nicht mehr erforderlich sein.

Natürlich müsse der Datenschutz gewährleistet sein, sagt der bayerische BVKJ-Vorsitzende Martin Lang, der das Programm mit entwickelte. Eine online-Konsultation mit einem Fach-Kollegen sei nur mit Einwilligung der Eltern möglich. 80 Prozent stünden einer solchen Möglichkeit sehr offen gegenüber. Die Krankenkasse habe keinen Zugriff auf die Daten, unterstrich Rafii bei der Vorstellung des Projektes am Donnerstag in Berlin.

Das vom bayerischen Gesundheitsministerium geförderte und von der Barmer mit den Kinderärzten verhandelte Telemedizinsystem soll jetzt zuerst in Bayern erprobt und dann Mitte des Jahres in ganz Deutschland eingeführt werden.

dpa

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