Startseite LVZ
Volltextsuche über das Angebot:

Wie bleibe ich gesund, wie werden ich gesund? Der LVZ-Ratgeber Gesundheit hilft weiter.
Google+ Instagram YouTube
Blinde sehen lassen: Verbesserte Netzhaut-Chips

Gesundheit Blinde sehen lassen: Verbesserte Netzhaut-Chips

Mit einem kleinen Chip können manche Blinde wieder sehen - rund 300 Menschen weltweit haben die Technik bereits im Auge. Doch es gibt noch Verbesserungspotential bei Auflösung, Energieversorgung und Handhabung.

Voriger Artikel
Putzmittel verschluckt: Kind nicht zum Erbrechen bringen
Nächster Artikel
Krebspatienten: Frühzeitige Ernährungsberatung wichtig

Der Netzhaut-Chip von Retina Implant soll Blinden das Sehen ermöglichen. Er wird unter der Netzhaut platziert und wandelt Lichtreize in elektrische Impulse um.

Quelle: Retina Implant AG

Nürnberg. Etwa 300 erblindete Menschen weltweit können mit Hilfe eines Netzhaut-Chips im Auge wieder etwas sehen. Die Technik, die seit mehr als zehn Jahren angewendet wird, hilft Patienten mit der erblich bedingten Augenkrankheit Retinitis pigmentosa.

Dabei sterben die Sehzellen ab, die in der Netzhaut Licht in elektrische Impulse umwandeln. In Deutschland leben etwa 30 000 bis 40 000 Menschen mit dieser Krankheit, wie Augenarzt Armin Scharrer sagt. Pro Jahr erblinden knapp 1000. Die noch teure Technik kann ihnen helfen - doch es gibt noch einiges zu verbessen. Darüber diskutieren von Donnerstag an Experten beim Internationalen Kongress der Deutschen Augenchirurgen in Nürnberg.

Zwei Arten von Chips werden derzeit genutzt - ein US-amerikanischer und ein deutscher. "Alle Entwickler arbeiten intensiv an der Verbesserung - vor allem, was die Haltbarkeit und Handhabbarkeit betrifft", sagt Kongress-Präsident Scharrer. Ziel sei, dass der Chip 20 bis 30 Jahre lang im Auge bleiben könne, denn die Patienten seien bei Ausbruch der Krankheit erst 30 bis 40 Jahre alt. Derzeit könne der deutsche Chip bis zu fünf Jahre im Auge bleiben, sagte Scharrer. Das amerikanische Patent hält nach Angaben des Herstellers mindestens zehn Jahre. Auch die Qualität des Sehens soll laut Scharrer künftig besser werden - etwa durch eine höhere Pixelzahl auf dem Chip.

Grundsätzlich sei die Technik jedoch für die Betroffenen "ein großer Schritt in die richtige Richtung". Sie können damit zumindest wieder grobe Umrisse, Menschen oder große Gegenstände und Bewegungen erkennen. Dabei können die Patienten nur in Grau-Tönen sehen. Auch die Anpassung an die Umgebungshelligkeit müssen die Betroffenen mit Hilfe eines kleinen Geräts steuern. Im Vergleich zur Sehkraft eines Gesunden sei das zwar nicht immens, sagt Scharrer. "Aber wer blind ist, für den bedeutet ein wenig zusätzliche Sehkraft schon sehr viel." Drei von vier Patienten sagten: Der Eingriff sei zwar kompliziert und schwierig, aber er habe sich gelohnt.

Das von Tübinger Forschern entwickelte deutsche Implantat (Alpha IMS) wird unter die Netzhaut gesetzt. Der drei mal drei Millimeter große Chip ersetzt dort die abgestorbenen lichtempfindlichen Sehzellen, die sogenannten Zapfen. Wie bei einem Kamera-Chip nehmen 1500 Fotodioden einfallendes Licht auf und wandeln es in elektrische Signale um. Diese werden über den Sehnerv ans Gehirn weitergegeben, wo dann wieder Bilder entstehen können. Das funktioniert bei etwa 75 Prozent der operierten Patienten. Die Technik kann nur bei Menschen genutzt werden, die einmal sehen konnten.

Der rund siebenstündige Eingriff wird inzwischen an mehreren deutschen Augenkliniken vorgenommen. Nach der OP müssen die Patienten mehrere Monate üben, um die neuen Seheindrücke verarbeiten zu können.

Für den Eingriff nötig sind ein Augenarzt und ein Neurochirurg. Denn das Energiemodul - die Batterie - wird am Hinterkopf unter die Haut gesetzt. Ein Kabel führt von dort zum Auge. "Das ist also wirklich eine komplizierte Sache", sagt Scharrer. Alles in allem kostet die Behandlung rund 100 000 Euro. In Deutschland seien mittlerweile einige Krankenkassen bereit, die Kosten zu übernehmen.

Die US-Technik (Argus II) hat im Gegensatz nur 60 Elektroden. Für die Qualität des Sehens ist laut dem Hersteller allerdings nicht nur die Zahl der Dioden entscheidend. Außerdem ist die OP hier deutlich unkomplizierter: Der Patient trägt eine Brille mit einer Kamera. Die Bild-Signale werden drahtlos an den Chip im Auge übertragen, der nicht unter, sondern auf der Netzhaut sitzt. Auch die Batterie wird nicht implantiert, sondern steckt in einem Kästchen in der Tasche.

Ob Netzhaut-Chips in Zukunft auch bei anderen Augenerkrankungen eingesetzt werden können - etwa bei der sehr häufigen Altersblindheit oder altersabhängigen Makula-Degeneration - ist bisher noch unklar.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Aktuelles
Veranstaltungen
Veranstaltung in der LVZ-Kuppel. Foto: André Kempner

Lachen bis der Arzt kommt – LVZ-Sondervorstellung

Kabarett-Theater in der Leipziger Funzel
27. März 2017
Beginn: 19.30 Uhr
Eintritt: 12,90 Euro/ 9,90 Euro für LVZ-Abonennten
Alle Infos zum Kabarett-Abend hier!

Ein Leben ohne Brille

Infoabend des Smile Eyes Augen+Laserzentrums Leipzig
in der LVZ-Kuppel am Peterssteinweg
28. März 2017
Beginn: 18.30 Uhr
Eintritt frei! Um Anmeldung über die kostenlose Hotline 0800 2181-080 wird gebeten
Mehr Infos finden Sie hier!

Vortrag und Talk mit Nina Ruge

Die beliebte Moderatorin zeigt in der LVZ-Kuppel am Peterssteinweg Wege zu mehr Achtsamkeit auf.
30. März 2017
Beginn: 19 Uhr
Eintritt frei! Um Anmeldung über die kostenlose Hotline 0800 2181-080 wird gebeten.
Mehr Infos zur Veranstaltung hier!

Gewinnspiele
 Yoga für jedermann

Halt finden, dem Körper etwas Gutes tun, zur Ruhe kommen: Yoga macht’s möglich. Mit den Lehr- Videos von „YogaEasy“ können selbst Anfänger schnell erste Erfolge verbuchen. Probieren Sie es aus. Hier trainieren Sie mit nur wenigen Klicks mit. mehr

 Fit & gesund – das Quiz

Wie gut kennen Sie sich mit Gesundheit aus? Klicken Sie sich durch unser Quiz! Unter allen Teilnehmern verlosen wir eine Reise nach Italien und zwei iPad mini. mehr