Startseite LVZ
Volltextsuche über das Angebot:

Wie bleibe ich gesund, wie werden ich gesund? Der LVZ-Ratgeber Gesundheit hilft weiter.
Google+ Instagram YouTube
Infektions-Experte: HIV steht zu sehr in einer Ecke

Gesundheit Infektions-Experte: HIV steht zu sehr in einer Ecke

HIV und Aids sind noch immer Tabuthemen. Aus Angst vor Stigmatisierung verdrängen viele Menschen Situationen, in denen sie sich angesteckt haben könnten. Aber auch Ärzte stellen nicht immer die richtigen Fragen.

Voriger Artikel
Trinken, Essen, Ausruhen: Tipps für Blutspende-Anfänger
Nächster Artikel
Kaffee: Fluch oder Segen?

HIV ist für viele immer noch ein Tabu-Thema. Daher bleibt die Infektion in Deutschland oft unentdeckt.

Quelle: Oliver Berg

Würzburg. In Deutschland leben nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts gut 13 000 Menschen mit einer unentdeckten HIV-Infektion. Das müsste nicht so sein, sagt Hartwig Klinker, Experte für Infektionskrankheiten an der Uniklinik Würzburg.

In einem Gespräch appellierte Klinker auch an Ärzte, sich nicht vor den richtigen Fragen zu drücken.

Herr Klinker, warum gibt es in einem hoch entwickelten Land wie Deutschland so viele unentdeckte HIV-Infektionen?

Hartwig Klinker: Das mag auf den ersten Blick tatsächlich verwundern, wo es doch sehr einfache Tests gibt, diese Infektionen nachzuweisen. Die Gründe sind vielfältig: Zum einen liegt das an den Betroffenen, die Risikosituationen verkennen oder - vielleicht noch häufiger - verdrängen. Sie haben Furcht vor der Infektion - und vor der mit ihr verbundenen Stigmatisierung, die auch bei uns noch ganz deutlich zu spüren ist. Zusätzlich fragen aber auch Ärzte häufig nicht nach relevanten Daten - was ja nachvollziehbar ist, weil es dabei um intime Dinge geht. Besonders häufig sehen wir das bei Menschen, die als heterosexuell eingestuft werden - und damit nicht zu den klassischen Risikogruppen gehören.

Warum stellen Ärzte die relevanten Fragen denn nicht?

Klinker: Mit der Infektion HIV wird meist ein Risikoverhalten verbunden, das nach wie vor negativ besetzt ist - ob das jetzt Drogensucht ist oder männliche Homosexualität. Deshalb fällt es Ärztinnen und Ärzten oft schwer, das zu thematisieren. Es ist nicht leicht, in einem Gespräch mit dem Patienten über seine sexuelle Orientierung zu sprechen, wenn nicht von vornherein der Verdacht auf HIV besteht.

Was muss passieren, damit das besser wird?

Klinker: Wir stellen diese Infektionen, auch in unserer aufgeklärten Gesellschaft, zu sehr in eine Ecke. Wir verbinden HIV mit männlicher Homosexualität und Drogensucht und denken ansonsten zu wenig dran. Vor 30 Jahren war HIV nicht behandelbar und führte unweigerlich zu Aids. Damals bedeutete ein positives HIV-Testergebnis automatisch eine schlimme Krankheit und einen frühen Tod. Die Vorstellung, dass es eine tödliche Erkrankung ist, ist noch sehr in den Köpfen.

Was ist heute anders?

Klinker: Heute ist HIV eine Infektion, die man sehr gut behandeln kann. Für den Infizierten bedeutet ein positiver Test heute eher eine Art Lebensversicherung. Denn nur dann kann man die Infektion behandeln. Natürlich ist es eine lebensverändernde Diagnose - man darf das nicht leichtnehmen. Aber der Betroffene kann von wirksamen Therapien profitieren und hat quasi eine normale Lebensperspektive.

Wären dann nicht flächendeckende HIV-Tests eine Alternative?

Klinker: Nein, das halte ich für überhaupt nicht sinnvoll. Es geht stattdessen darum, Befunde festzulegen, bei denen Tests anzeigt sind. Das ist eigentlich sehr einfach: Risikoverhalten, Herkunft aus Ländern, wo die Infektion häufig ist, und die richtige differentialdiagnostische Zuordnung laborchemischer und klinischer Befunde.

Zur Person: Prof. Dr. Hartwig Klinker (60) leitet die Infektiologie am Universitätsklinikum Würzburg. Dort angegliedert ist auch die HIV-Ambulanz für Unterfranken, wo regelmäßig 250 bis 300 Patienten behandelt werden. Forschungsschwerpunkte des Infektiologen sind neben HIV-Infektionen auch Virushepatitis und Wechselwirkungen von Medikamenten. Er ist in diesem Jahr Präsident des Kongresses für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin, der vom 15. bis 18. Juni in Würzburg stattfindet.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Aktuelles

Voller Saal in der LVZ-Kuppel: Dort sprach die Moderatorin und Autorin Nina Ruge im Rahmen der LVZ-Aktion „Fit und gesund 2017“. Den Zuschauern gab sie Tipps zu innerem Glück und verriet, was sie zum Frühstück isst. Einen Rückblick mit Fotos und Video gibt es hier. mehr

Gewinnspiele
 Yoga für jedermann

Halt finden, dem Körper etwas Gutes tun, zur Ruhe kommen: Yoga macht’s möglich. Mit den Lehr- Videos von „YogaEasy“ können selbst Anfänger schnell erste Erfolge verbuchen. Probieren Sie es aus. Hier trainieren Sie mit nur wenigen Klicks mit. mehr

 Fit & gesund – das Quiz

Wie gut kennen Sie sich mit Gesundheit aus? Klicken Sie sich durch unser Quiz! Unter allen Teilnehmern verlosen wir eine Reise nach Italien und zwei iPad mini. mehr