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Laute Schule und Musik: Mehr Lärmschutz für Kinder nötig

Gesundheit Laute Schule und Musik: Mehr Lärmschutz für Kinder nötig

Der Klassenraum brummt: Schüler arbeiten in Gruppen, rufen sich etwas zu, diskutieren lebhaft. Der Lehrer muss lauter werden, um Fragen zu beantworten und sich in dem hallenden Raum noch Gehör zu verschaffen.

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Kinder und Jugendliche machen nicht nur Lärm, sie leiden auch darunter. Deshalb stehen sie beim «Tag gegen Lärm» in diesem Jahr im Mittelpunkt.

Quelle: Valentin Flauraud

Berlin. Schon ein ganz normaler Schulvormittag kann so zu Lärmstress führen.

Liegt die Schule dann noch in der Nähe eines Flughafens oder an einer Hauptstraße, kommt weiterer Krach hinzu. Nicht gut für die Ohren und die Konzentrationsfähigkeit des Nachwuchses. Der diesjährige Tag gegen Lärm am 29. April stellt deshalb Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt. Sein Motto: "

Lärm - voll nervig!"

 

"Kindern scheint Lärm oft relativ wenig auszumachen, aber schon der Pegel in einem Klassenzimmer kann belastend sein, noch heftiger ist die Pausenhalle, wenn es kalt ist oder regnet", sagt Prof. Brigitte Schulte-Fortkamp, Akustik-Spezialistin an der TU Berlin und Leiterin des Aktionstages in Deutschland. Denn Rufen, Lachen und Schreien der Kinder, das 80 Dezibel erreichen kann und damit deutlich über der normalen Gesprächslautstärke von etwa 60 Dezibel liegt, werden durch ungünstigen Raumhall noch verstärkt. "Akustisch und optisch kann man da einiges verbessern. Wir haben für einen Wettbewerb 800 Architekten angeschrieben, um ein leises Klassenzimmer zu gestalten", sagt Schulte-Fortkamp. Das soll nun beispielhaft an einer Berliner Grundschule geschehen.

Doch nicht nur der selbstproduzierte und dann räumlich verstärkte Lärm beschallt den Nachwuchs. Starker Verkehrslärm, vor allem durch Flugzeuge, kann schulische Leistungen mindern. So wies bereits die RANCH-Studie (2005) auf verschlechterte Lernfähigkeit und Gedächtnisfunktion bei Dauerlärm hin. Ende 2014 zeigte die langfristig angelegte NORAH-Studie, dass die Leseleistung von Kindern in fluglärmbelasteten Schulen schlechter ist als in leiseren Lernumgebungen.

Getestet wurden über 1200 Zweitklässler aus 29 Grundschulen im Rhein-Main-Gebiet mit Dauerschallpegeln zwischen 39 bis 59 Dezibel. Dabei zeigte sich: 10 Dezibel mehr entsprachen einem Monat Rückstand in der Leseleistung. "Das erscheint vielleicht erstmal nicht so relevant, aber entscheidend ist: Man nimmt diese Verzögerung mit in die nächste Schulstufe, sie setzt sich fort", sagt Schulte-Fortkamp.

Mit ausleihbaren "Lärmkoffern" will die Deutsche Gesellschaft für Akustik die Aufmerksamkeit für das, was man sich so aufs Ohr gibt, auch bei Schülern steigern: Neben Schallpegelmessgerät und Stimmgabeln finden sie in dem Koffer auch ein überdimensionales Silikonohr. Dort können sie ein MP3-Gerät anstöpseln und sehen, was dann im Innenohr geschieht. "MP3 ist nach wie vor ein großes Thema, denn für alles, was direkt ins Ohr geht, hat man keine Kompensationsmöglichkeiten - und die voreingestellten Höchstlautstärken sind leicht zu knacken", sagt die Akustikexpertin.

Fünf Minuten laute Musik seien ok. "Aber bitte nicht dauerhaft", warnt die Schulte-Fortkamp. Wer stundenlang einen Knopf im Ohr hat, sollte 60 Dezibel nicht überschreiten. Auf Konzerten und in Clubs erreicht der Schallpegel sogar etwa 110 Dezibel, was ungefähr dem Tanzen direkt neben einem Presslufthammer entspricht.

 

Hörschäden bei Jugendlichen sind seit Jahren schon messbar. "Auch wenn man nie genau nachweisen kann, woher sie kommen", räumt Schulte-Fortkamp ein. Schon der Kinder-Umwelt-Survey (2003/2006) des Umweltbundesamtes zeigte, dass etwa jeder achte Heranwachsende zwischen 8 und 14 Jahren einen Hörverlust von 20 Dezibel bei mindestens einer Testfrequenz hatte. "Freizeitlärm könnte eine der Ursachen für diese Hörverluste sein", so das UBA. Therapierbar seien diese Schäden nicht.

dpa

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