Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 3 ° Regen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Tierische Psychiatrie-Helfer: "Hunde können Herzen öffnen"

Gesundheit Tierische Psychiatrie-Helfer: "Hunde können Herzen öffnen"

Streicheln, Kuscheln, Nähe zulassen: Der Kontakt zu Tieren kann Menschen helfen, Ängste abzubauen und Nähe zuzulassen. In Tübingen sind darum in der geschlossenen Psychiatrie Hunde Teil des Therapiekonzepts.

Voriger Artikel
Mit Mittelohrentzündung Flüge lieber meiden
Nächster Artikel
Zunge am heißen Kaffee verbrannt: Schmerz mit Kühlem lindern

Die beiden Chihuahuas Faye (l.) und Jasper helfen Patienten mit psychischen Problemen.

Quelle: Franziska Kraufmann

Tübingen (dpa/lsw) - Jasper und Faye sind zwei Kuschelmagnete. Auf leisen Pfoten eilen die Chihuahuas über die Klinikflure der Tübinger Psychiatrie. Kaum einer der Patienten kann sich ihrem Charme entziehen: Sie schmunzeln, streicheln die kleinen Hunde und wuscheln ihnen durchs Fell. 

Das tierische Duo hat eine verantwortungsvolle Aufgabe: ein Lächeln in die Gesichter der Menschen zu zaubern. Jasper und Faye gehören seit kurzem quasi zum Personal der Psychiatrie: Die Tübinger Klinik setzt auf tierische Therapeuten. Zu den Helfern auf vier Pfoten gehören auch die beiden Labradoodle Layla und Keegan. Noch sind solche vierbeinigen Therapiebegleiter eher die Ausnahme. Doch immer mehr Therapeuten, Pädagogen, Kliniken, Heime und Schulen in Deutschland nutzen tiergestützte Therapien.

Die Idee hatten an der Tübinger Klinik die Krankenpfleger Alfred Mollenhauer (59) und Stefanie Köhler (31), denen die Tiere gehören. "Die Hunde sind echte Eisbrecher. Sie können eine Brücke bauen, die für uns den Zugang zu den Patienten erleichtert", sagt Mollenhauer. Alles begann, als er bei einem Patienten-Ausflug seinen Hund mitnahm. "Wir beobachteten, dass besonders die schwerkranken Patienten den Kontakt zum Tier suchten und dabei eine Beziehung zulassen konnten."

Seither können die Patienten auch auf der Station mit den Hunden spielen, sie streicheln oder einfach nur ansehen. Jeder Patient entscheide selbst, ob und wie viel Kontakt er zulasse, betont Pflegerin Köhler. "Wenn ich die Hunde mit auf die Station bringe, dann ist das immer ein Highlight für alle Beteiligten." Die Vierbeiner bringen Lockerheit in den Klinikalltag mit seinen sonst so festen Strukturen.

"Tiere helfen in einem therapeutischen Prozess vor allem, indem sie die Kommunikation erleichtern, Angst und Stress mindern, das Wohlbefinden steigern und die Motivation erhöhen", sagt Rainer Wohlfarth, Präsident der Europäischen Gesellschaft für tiergestützte Therapie. Vor allem Menschen mit Autismus, geistiger Behinderung oder Demenz, aber auch Patienten, die über ein Trauma nicht sprechen können, profitierten von tiergestützten Therapien.

"Tiere sind unvoreingenommen, sie kümmern sich nicht um körperliche oder seelische Makel und nehmen eine Person so an, wie sie eben ist", erklärt Wohlfarth. Da Krankheiten häufig mit Stigmatisierung einhergingen, sei diese tierische Neutralität ein hohes Gut. Die Tübinger Pfleger sagen, dass die Hunde besonders den Zugang zu Menschen mit schweren Krankheiten erleichtern. Depressive, selbstmordgefährdete oder schizophrene Patienten lernten, Nähe zuzulassen und Vertrauen aufzubauen. 

"Hunde können Herzen öffnen und Menschen aus der Isolation und Einsamkeit holen", sagt auch Sabine Hahn. Sie ist Stationspflegerin in einem Berliner Vivantes-Klinikum. Der Klinikkonzern setzt bei der Behandlung von psychiatrischen und geriatrischen Patienten seit Jahren Therapiehunde ein. "Patienten fühlen sich durch die Tiere angenommen und werden fast immer zum Sprechen und Handeln angeregt", sagt Hahn.

Eine Art Allheilmittel seien die Hunde aber nicht, betont Rainer Wohlfarth. "Die bloße Anwesenheit eines Tieres sagt noch nicht vorher, ob die Therapie gut oder schlecht verlaufen wird."

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Aktuelles

Gemäß des packenden „Drei in einer Reihe“-Prinzips müssen Reihen aus mindestens 3 Steinen gebildet und aufgelöst werden. Hier kostenlos im Spieleportal von LVZ.de spielen! mehr

  • Belantis - Infos und Events
    Belantis - Infos und Events

    Belantis - das AbenteuerReich im Herzen Mitteldeutschlands. Hier gibt es Neuigkeiten und alle Infos zu den Events! mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Titanic-Panorama im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr